Warburg: Geheimtipp am Teutoburger Wald

Es gibt Städte, die kennt man kaum. Und wenn an Bilder sieht, dann glaubt man, sie stammen aus Fantasy-Filmen. So ging es mir mit der Fachwerkstadt Warburg.

Eine deutsche Fachwerkstadt mit Stadtmauer und Befestigungstürmen, deren Name mit -burg endet? Nein, diese Stadt liegt nicht „ob der Tauber“, sondern an der Diemel: Warburg wird oft als das Rothenburg Westfalens bezeichnet. Und wie das mit Vergleichen so ist- sie hinken meistens und lassen wenig Raum für Eigenes. Dabei hat Warburg genau davon viel – ein ganz individuelles Gesicht. Eine Stadt, in der die Neustadt schon wie die Altstadt wirkt. Da blickt einem Till Eulenspiegel als kleine Statue an der Fassade entgegen – eine Erinnerung an ein Café, das leider inzwischen Legende ist, anstatt lebendiger Treffpunkt.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Fachwerkstraße

Die Fachwerkstraßen der Stadt.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Café Eulenspiegel

Vergangener Glanz: Das Café Eulenspiegel, einst Warburgs Treffpunkt, hat für immer geschlossen.

     Kleinstadtidylle in Warburg

Nur wenige Schritte davon entfernt aber steckt die Zeitung an der geschwungenen, bronzenen Türklinke, es duftet nach Kaffee: Blome ist eines der letzten Zeugnisse der Kaffeehauskultur der Stadt. Ein Fachwerkhaus, das von außen wirkt, als müsste es dringend saniert werden. Von innen versprüht es den Charme eines Ortes, der sich den Trends seit Jahrzehnten widersetzt und einfach weitermacht wie bisher. Was in Städten wie Budapest oder Paris längst als Place to be stark frequentiert wird, passt hier einfach ins Wohlfühlbild, denn Warburg verströmt den Charakter der Kleinstadtidylle.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Café Blome

Kleinstadtidylle am Café Blome in Warburg.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg.

Blick auf die Neustadt.

     1000 Jahre Geschichte in Warburg

Ich merke ein Kribbeln im Bauch, als ich morgens durch diese schöne Stadt streife. Hübsche Städte mit Fachwerk gibt es viele, aber Warburg hat etwas Eigenes, eben etwas ganz Besonderes. Vielleicht weil es sich so anheimelnd an den Berg schmiegt?

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Marianum.

Blick auf die Altstadt von Warburg.

Warburg ist ein Idyll mit 1000-jähriger Geschichte. Im Jahre 1010 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, doch Funde von Gräbern und frühzeitlichen Waffen weisen schon auf eine Besiedelung in der Jungsteinzeit hin. Was heute so malerisch erscheint, wenn sich Städte an Hänge duken, ist aus reiner Notwendigkeit geboren: Die Erhebung bot im Mittelalter und wohl schon früher den perfekten Wachposten, um zu schauen, ob Feinde über das Land ziehen. Von der einstigen Burg auf dem Wartberg, der Keimzelle der Stadt, ist nur die Erasmuskapelle geblieben. Am schönsten zeigt sie sich zum Sonnenaufgang. Dann schwimmt sie gerne in einem Meer aus Morgennebel, eine Wolkendecke, die von der Diemel aufgestiegen ist. Blätter der Kastanien und Linden rauschen im Wind und die Sonne beleuchtet mit ihren ersten Strahlen die Rückseite der kleinen Kapelle.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Erasmuskapelle

Der Burgberg von Warburg mit der alten Kapelle.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Erasmuskapelle

Die Erasmuskapelle von Warburg, so ein meditativer Ort, vor allem am Morgen.

Ein Ort der Stille und der Nachdenklichkeit, mit seinem dahinterliegenden Friedhof eine meditative Oase inmitten der Stadt. Was so ruhig und anheimelnd scheint, hat auch kriegerische Zeiten erlebt, darauf weist die Kanone, die nur wenige Schritte von der Kapelle entfernt steht, hin und erinnert an den Dreißigjährigen Krieg. Ihn hatte die Kleinstadt erst im 19. Jahrhundert so richtig verwunden. Später schreibt der Dichter Emil Herz in seinem Werk „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ über seine Heimatstadt: „Ein Idyll aus dem Mittelalter, hineinversetzt in die Gegenwart, eingebettet in den Boden der westfälischen Erde, so steht meine Heimatstadt Warburg vor mir.”

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Rathaus

Das Rathaus der Neustadt von Warburg.

Wer entlang der schmalen Gassen wandert, die dicken Stadtmauern bestaunt, aus denen Farne und kleine Bäume wachsen oder am Brüderkirchhof unter den Arkaden des Rathauses „Zwischen den Städten“ steht, findet eine Idylle wie aus einer Modelleisenbahnlandschaft. Schwarz-weiße Fachwerkhäuser bilden gemeinsam mit dem Marianum-Gymnasium ein Ensemble, das hoch über dem historischen Zentrum thront.

     Sehenswürdigkeiten in Warburg:

  • Das Rathaus zwischen den Städten hat wahrscheinlich die beste Panoramalage der Stadt.
  • Das Marianum (1628), es wurde als höhere Schule errichtet und fungiert noch heute als Gymnasium.
  • Die Altstadtkirche St. Maria in vinea (13. Jh) gehörte zum Dominikanerkloster und der Schule gehörte.
  • Im Zentrum der Altstadt liegt St. Mariä Heimsuchung (1299).
  • Das Eckmänneken-Haus (1471), eines der ältesten Fachwerkgebäude Westfalens.
  • Auf dem Burgberg ist die Erasmuskapelle (11. Jh) sehenswert, aber auch der Sackturm (1443), hinter dem sich die Stadtmauer anschließt.
  • Ein weiterer, wichtiger Turm ist der Chattenturm, an dem jetzt ein Skywalk Menschen lockt, ihre Höhenangst zu überwinden.
  • Das Museum im Stern arbeitet die Stadtgeschichte auf, in der Artothek des Hauses sind auch Werke von Künstlern wie Günter Grass oder Marcel Marceau zu sehen
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Marianum von Warburg.

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Das Eckmännekenhaus von Warburg.

Ob zum neuen, kurzen Skywalk an einem der alten Stadttürme oder aber am lauschigen Sitzplatz unter Kastanien, es scheint, als müsse man nur fünf Minuten gehen, um in der Adlerperspektive über die Landschaft zu fliegen, die sich hier am südöstlichen Rand des Teutoburger Waldes erstreckt. Die Warburger Börde mit den wohl fruchtbarsten Erden im Westen Deutschlands ist geprägt von Raps, Zuckerrüben und Getreidefeldern. Die schweren Böden haben die Region einst reich gemacht und Schlösser, Burgen, und majestätische Wohnhäuser hinterlassen und oftmals auch bemerkenswerte Sakralbauten.

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Der Sackturm von Warburg.

Ich werde auf jeden Fall noch mal wiederkommen und die Stadt besuchen. Es gibt viel zu entdecken. Denn Warburg verströmt zwar Kleinstadtflair, aber zeigt sich dabei gar nicht piefig und verstaubt, sondern weltoffen. Warburg ist Deutschlands Sitz der syrisch-orthodoxen Kirche. Und damit nicht genug, am Bahnhof gibt es ein buddhistisches Zentrum, in dem ein großer Buddha die Reisenden begrüßt.

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Marienstatue in Warburg.

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Die Kanone von Warburg.

     Übernachten und Essen in Warburg

Ich habe in Warburg im Landgasthof Ten Hoopen übernachtet und fand es toll, riesige, moderne Zimmer mit schönen Veluxfenstern zum Sternezählen. Es liegt aber leider etwas außerhalb der Stadt. Im Zentrum findet sich das Hotel Alt Warburg.

Gut essen in Warburg kann  man im Landgasthof Deele, die Küche hat mediterranen Einschlag, leicht und lecker, vor allem zur Spargelzeit, aber aucht nicht ganz billig. Kultorte sind aber das Café Blome mit seinem Kaffeehausstil im 70er-Jahre-Outfit und das Ausflugsgasthaus  Zur Alm.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Café Blome.

Café Blome in Warburg

     Noch mehr über den Teutoburger Wald

Ihr wollt noch mehr über den Teutoburger Wald lesen? Dann schaut doch mal bei meinen anderen Artikel rein:

  • Die Externsteine sind immer ein lohnenswerter Stopp im Teutoburger Wald
  • Lemgo hat viel zu erzählen über das Mittelalter und die Hexenverfolgung.
  • In Bielefeld habe ich wunderbare Restaurants gefunden
  • Detmold hat mich bezaubert mit seiner Idylle aus Fachwerk, Schloss und See.
  • Lüdge ist eine Stadt, in der noch Feuerräder zu Ostern den Berg hinabgekullert werden.
  • Und bei Lena von Blog Family4travel gibt es auch eine Betrachtung der Stadt Warburg.
Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Goldener Hirsch

Goldener Hirsch – Wahrzeichen der Apotheke.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Fachwerk

Was für ein Spruch: Gott, du schlugest mich nieder, du erhebest wieder.

Im Dreiländereck zwischen Niedersachsen, Hessen und NRW liegt Warburg mit seinen 23 000 Einwohnern. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort 1010, Kennzeichen war die Burg auf dem Wartberg. Hier Fachwerk

Gepflegte Hauseingänge verbreiten Urlaubsstimmung.

10 Kommentare

  1. wunderschöner und informativer Beitrag und das Foto mit der Kanone gefällt mir besonders gut. Das ganze ist mal wieder aufgemacht wie ein kleiner Reiseführer und besser kann man es nicht machen !!!!

    • Oh, danke lieber Manni! Das freut mich sehr. Kann ich eigentlich auf deinem Blog wieder kommentieren oder nur mit PW? Falls nur mit PW dann hätte ich es gern noch mal, ich habs verbummelt (fass an den Kopf…)
      Liebe Grüße
      Andrea

  2. Nein du kannst ganz normal kommentieren wie früher. Das mit dem Passwort funktioniert nicht weil die Beiträge nicht auf dem Reader erscheinen und dann kann ich es gleich sein lassen. Ich mache ganz normal weiter wie bisher !

    PS: Nächsten Dienstag geht es nach Griechenland / Rhodos !!!!

    • ach danke, das ist gut zu wissen. Ich muss mich erstmal wieder einfinden in die Blogleserei, nachdem Jetpack nun weg ist 🙁 und ich nicht mehr automatisch verbunden. Ist irgendwie auch doof. Viel, viel Spaß in Griechenland.

  3. Deine Bilder sind große Klasse, mal Detail, mal Großansicht. Und am liebsten würde man gleich hinziehen, wie Du so schreibst. Du erweckst in Deinen Beiträgen die Dinge zum Leben, das finde ich einfach gut. – Heimat mit Herz!

    LIebe Grüße,
    Johannes

    • Lieber Johannes, was für ein Kommentar. Das ist ja einfach wunderbar, danke dir dafür, das motiviert in dieser Zeit weiterzumachen. Vor allem, wenn die Rückmeldungen so sind wie deine.
      Ganz lieben Dank
      Andrea

  4. Ein ganz toller Bericht über Wartburg mit wunderbaren Fotos. Die Stadt interessiert mich sehr und ein Besuch möchte ich gerne in naher Zukunft machen. Du hast mir auf jeden Fall viele Ideen zum Anschauen gegeben
    LG Andrea

    • Liebe Andrea, das klingt ja schön und ich kann Warburg und Umgebung nur ans Herz legen. Warte mal den nächsten Post ab, dann wirst du erst Recht gleich losdüsen wollen 🙂 Ich mochte es sehr dort. Liebe Grüße und schön, dass du wieder hier vorbeischaust
      Andrea

  5. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Ich kannte Warburg bis jetzt ja noch gar nicht. Was für ein hübscher Ort! Mein Lieblingsbild ist die Nummer 1, der Sonnenplatz am Morgen. Ich blicke auf das Bild und fühle mich Jahrhunderte zurückversetzt…

    Ganz liebe Grüße!

  6. Liebe Andrea,
    auch diesen Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen. Er liest sich sehr leicht und man möchte auch weiter lesen, was bei so manch anderen Reiseberichten nicht der Fall ist.
    Gemäß Deinen Reportagen, werde ich immer daran erinnert, wie schön es doch in unserer Gegend ist.
    Nochmals lieben Dank und auch für Deine Bilder. Ich sage nur: “Macht der Bilder” 🙂
    Viele Grüße

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