Von Krk nach Cres bis zum Festland nach Rabac oder Livade – Kroatien hat viel zu bieten. Wie wäre es mit Inselhüpfen mit Boot und Bike?
Unterwegs mit Boot und Rad in der Kvarner Bucht
„Der Wind ist ein Arschloch“, sagt David neben mir auf der Bank an Deck. Wir starren beide stur auf den Horizont, weil uns geraten wurde, das sei das Einzige, was gegen die aufkommende Seekrankheit hilft. Das Schiff schwankt beachtlich, Regen fällt wie ein grauer Vorhang vom Himmel und irgendwo vor uns liegt Cres. Inselhüpfen in der Kvarner Bucht hatte ich mir anders vorgestellt. Doch was grau und nass beginnt, wird später richtig schön.
Mehr als 550 Inseln liegen in Kroatiens Kvarner Bucht. Einige davon lassen sich auf eine besondere Art entdecken: nicht per Auto, nicht per Fähre, sondern mit einer Kombination aus Motorschiff und Fahrrad. Das Prinzip nennt sich Inselhüpfen – und führt von Hafen zu Hafen, von Altstadt zu Altstadt, von Weinberg zu Schafsweide.
Ich war eine Woche genau so unterwegs: von Krk über Cres bis aufs istrische Festland nach Rabac, Labin, Grožnjan und Livade. Im Folgenden findest du meine Route, die wichtigsten Orte, Erfahrungen und alles, was du wissen solltest, wenn du überlegst, selbst eine solche Reise zu machen.
Was bedeutet Inselhüpfen mit Rad und Schiff?
Du schläfst die ganze Woche auf einem malerischen und komfortablen Motorschiff. Während du frühstückst, fährt es zum nächsten Hafen. Dort steigst du mit deinem Fahrrad aus und erkundest Insel oder Festland auf zwei Rädern. Am Nachmittag oder Abend wartet das Schiff bereits im nächsten Ort auf dich oder du kehrst in den Urspungshafen zurück. Die Vorteile von Boot und Bike: Kein Kofferpacken. Kein Hotelwechsel. Keine Fähren. Nur Radfahren, Ankommen, Weiterfahren.
Die Boot-und-Bike-Route in Kroatien
Diese Kombination aus Natur, Kultur und kleinen Orten macht unsere Route in der Kvarner Bucht so besonders.
1. Krk – Omišalj, Vrbnik und der Heilschlamm von Soline
Krk ist Startpunkt der Reise. In Omišalj gehst du an Bord. Von dort führt eine erste Erkundungstour zur Bucht von Soline. Dort sammelt sich schwarzer Heilschlamm (Peloid), den sich Einheimische und Besucher bei Gelenk- und Hautproblemen auftragen.
Später geht es weiter nach Vrbnik. Der Ort klebt spektakulär an den Felsen über dem Meer. Bekannt ist er für den autochthonen Weißwein Zlahtina, der nur hier wächst. In einem dieser kleinen Weinkeller stehen wir plötzlich frierend zwischen Holzfässern, bekommen ungefragt zwei Gläser in die Hand gedrückt und hören nur „Živjeli“. Draußen nieselt es, drinnen riecht es nach Stein, Keller und Wein. Der Zlahtina wärmt sofort von innen – was bei diesem Wetter sehr willkommen ist. Die Kroaten sind ein sehr geselliges und gastfreundliches Volk.
2. Cres – Schafe, Wildschweine und glagolitische Schrift
Cres ist rauer, stiller und ursprünglicher. Im Hafen von Valun steht in der Kirche Sv. Marija eine der ältesten glagolitischen Inschriften der Welt. Glagolitisch nennt sich die alte, kroatische Schrift.
Auf Cres begegnest du Menschen wie Ivan, der von der traditionellen Schafzucht lebt. Oder Claudia, die in einem Bergdorf mit fünf Einwohnern lebt und Radfahrern selbstgemachtes Feigeneis anbietet. Ivan kommt mit einem Sack altem Brot über der Schulter auf uns zu, ruft laut nach seinen Schafen und schüttet das Futter auf den Boden. Während die Tiere blökend angerannt kommen, erzählt er mit wütendem Blick von den Wildschweinen, die hier eigentlich nie hätten sein dürfen und inzwischen ganze Lämmer reißen. 20 seiner 70 Schafe hat er in den letzten Jahren verloren. Cres ist keine Postkartenidylle, sondern ein Ort, an dem Menschen von dem leben, was diese karge Insel hergibt.
Hoch oben über der Steilküste breitet sich Lubenice malerisch aus. Als wir dort ankommen, hängt der Ort wie ausgestorben im Regen. Nebelschwaden ziehen durch die Gassen, keine Menschenseele ist zu sehen. Es wirkt weniger wie ein Dorf, mehr wie eine Filmkulisse. 370 Meter unter uns liegt der Strand Sveti Ivan, den man nur über einen steilen Wanderweg erreicht. Von hier führt ein steiler Pfad zum Strand Sveti Ivan – einem der schönsten Strände der gesamten Insel.
3. Istrien – Rabac, Labin, Grožnjan und Livade
Am Festland wird das Radfahren anspruchsvoller.
Von Rabac geht es 350 Höhenmeter hinauf nach Labin. Unten am Hafen plätschert noch das Meer, Cafés locken in der Sonne – und dann beginnt dieser Anstieg. Nach kurzer Zeit schiebe ich. Neben mir knufft mich ein älterer Mitreisender in die Seite: „Wenn ich das schaffe, schaffst du das längst.“ Ich schaue auf seine Beine – ganz schön fit sind die. Oben angekommen weiß ich immerhin: Der Ausblick über die gesamte Kvarner Bucht ist jede geschobene Kurve wert. Spätestens hier merke ich: Diese Reise ist kein chilliger Badeurlaub am Meer.
Im Landesinneren führt die Strecke von Buje über das Künstlerdorf Grožnjan nach Livade. Grožnjan ist heute voller Ateliers und Galerien, nachdem der fast verlassene Ort in den 1960ern Künstlern überlassen wurde.
Livade ist Trüffelgebiet. Hier wurde 1999 der größte Trüffel der Welt gefunden. In den Auslagen liegen Trüffelkäse, Trüffelpaste, Trüffelschnaps und sogar Trüffeleis. Ein ganzer Laden, der sich nur um diese Knolle dreht. Nach den vielen Höhenmetern fühlt sich dieser Stopp an, als sei ich angekommen im Paradies – im Trüffelparadies.
Wie anstrengend ist Radfahren in der Kvarner Bucht?
Kurz gesagt: Es ist kein Spaziergang, sondern Sport, denn die Landschaft ist hügelig. Sehr hügelig.
Es gibt kaum flache Passagen. Dafür lange Anstiege und ebenso lange Abfahrten. Dazu kommt der Jugo, ein warmer Südwind, der Wolken, Regen und hohe Wellen bringt – und sich beim Radfahren fast immer anfühlt, als käme er von vorn.
Ein E-Bike zu wählen, ist eine sehr sinnvolle Entscheidung, wenn du die Landschaft genießen willst, statt ständig bis an die Belastungsgrenze gegen Steigungen zu kämpfen.
Was diese Reise besonders macht
Nicht nur die Orte bleiben im Kopf, sondern die Begegnungen:
Winzer, die spontan ihren Keller öffnen
Schäfer, die um ihre Tiere fürchten
Künstler in den Bergdörfern
Diese Nähe zu Menschen und Alltag unterscheidet das Inselhüpfen stark von klassischen Kroatienreisen.
Beste Reisezeit und der Einfluss des Jugo
Der Frühling ist landschaftlich ideal: blühende Wiesen, milde Temperaturen, klare Luft. Allerdings ist der Jugo hier häufig. Er bringt Regen und aufgewühltes Meer, was Überfahrten und Radtouren beeinflussen kann.
Der Sommer ist stabiler, heißer und touristischer. Der Herbst wieder ruhiger, aber ebenfalls windanfällig.
Für wen eignet sich Inselhüpfen per Rad?
Geeignet für dich, wenn du:
aktiv unterwegs sein willst
kleine Orte mehr magst als große Städte
Begegnungen suchst statt Hotelkomfort
Landschaft intensiv erleben willst
Weniger geeignet, wenn du:
flache Radwege erwartest
Strandurlaub suchst
wetterunabhängig planen möchtest
Fazit: Lohnt sich Inselhüpfen in der Kvarner Bucht?
Auf jeden Fall! Wenn du bereit bist, dich auf Wind, Höhenmeter und kleine Abenteuer einzulassen.
Du bekommst eine Reiseform, bei der Transportmittel, Unterkunft und Fortbewegung zu einem durchgängigen Erlebnis werden. Du siehst Kroatien nicht aus dem Busfenster, sondern riechst Pinien, hörst Schafe blöken und schmeckst Wein, Trüffel und Feigen direkt dort, wo sie entstehen.
Häufige Fragen zum Inselhüpfen in der Kvarner Bucht
Wie fit muss man sein?
Grundkondition ist nötig. Mit E-Bike gut machbar.
Welche Inseln besucht man?
Typisch sind Krk, Cres und Stationen auf dem istrischen Festland wie Rabac, Labin, Grožnjan und Livade.
Wann ist die beste Reisezeit?
April bis Juni und September sind landschaftlich ideal, aber windanfällig. Sommer ist stabiler.
Ist das eine Gruppenreise?
Ja. Du reist mit einer festen Gruppe und Guides.
Muss man seekrankheitsfest sein?
Bei starkem Jugo kann das Meer sehr unruhig werden.










