Urlaub am Fluss ist im Sommer entspannter als am Meer. In Frankreich schlängelt sich der Lot wie ein Schlaufenband durch die Midi-Pyrenäen. Eine perfekte Gegend für Sommerferien mit Teenagern.
#Mein Reiseführer für das Lot-Tal
Es gibt sie noch, die Gegenden, die fast unbekannt sind. Die selbst die Franzosen kaum kennen. Und die derart dünn besiedelt sind, dass man zum nächsten Geldautomaten 45 Minuten Autofahrt in kauf nehmen muss – nur die Hinfahrt. Eine Region, in der das Mehl für das Brot noch von der Mühle aus dem Nachbardorf kommt und wir nur im örtlichen Feinkostgeschäft einkaufen können, weil auch der nächste Supermarkt knapp eine Autostunde entfernt liegt. Kein Spar, kein Hyper-U oder wie sie alle heißen, sondern Wochenmärkte, Käse aus dem Nachbarort und Einfachheit. Kurz: Quercy oder das Lot-Tal in der Region Aquitanien in Frankreich.

Eine Gegend, die südlich der berühmten Dordogne liegt und nicht nur mit vielen kulturellen Höhepunkten wie mittelalterlichen Dörfern punktet, sondern mit klaren, wilden Flüssen zum Baden und herrlicher verwunschener Berglandschaft.


#Sehenswürdigkeiten im Lot-Tal in Frankreich
Entlang des Flusses haben sich einige hübsche Dörfer angesiedelt, deren Charme vor allem darin besteht, dass sie sich scheinbar seit dem Mittelalter nicht verändert haben. Zu den schönsten Dörfern gehören Carennac, Figeac, Rocamadour und Saint Cirque de Lapopie.



#Saint Cirque de Lapopie
Ich habe nur Saint Cirq de Lapopie gesehen und – ganz ehrlich – ich brauchte kein weiteres Sight-Seeing mehr, Saint Cirq war einfach nur schön. Die Kirche auf einem Felsen, der wie ein einsamer Zahn in die Landschaft hoch über dem Fluss ragt. Drumherum ein autofreies Gewirr aus engen Gassen, kleinen Läden und natürlich vielen Restaurants. Wir haben zwei ausprobiert und müssen sagen: Preis-Leistungsverhältnis stimmt.

Wer Abwechslung braucht, der besucht den Wochenmarkt in Figeac (samstags und mittwochs vormittags) oder macht sich auf in den Norden der Landschaft, nach Rocamadour, die mittelalterliche Siedlung, die sich auf drei Etagen den Berg entlang zieht und deren Häuser sich mit derselben Farbe wie der Stein der Berge perfekt in die Landschaft einpassen. Übrigens befand sich direkt unterhalb des Dorfes eine tolle Badestelle – mehr dazu weiter unten im Text.


#Sehenswürdigkeiten in Cahors
Wie ein Hufeisen schmiegt sich der Fluss Lot an diese Stadt: Cahors zählt zu den großen Zentren am Rande des Naturparks. Und sie ist erste Anlaufstelle für alle, die etwas zu erledigen haben, etwa tanken, Geldautomaten oder so wie wir, die einen neuen Badeanzug kaufen mussten. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Cahors zu besichtigen, muss aber sagen: Die Stadt ist wunderschön.


#Pont Valentré und heilige Quelle
Die größten Attraktionen sind die Pont Valentré mit ihren sechs Bögen und den Spitztürmen.Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und war einst eine Verteidigungsanlage. Heute führt sogar der französische Jakobsweg über das charakteristische Bauwerk von Cahors. Ebenfalls überragend ist das Gebäude der Kathedrale Saint-Étienne mit ihren Kuppeln. Das Gotteshaus geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Wir haben es einfach nur genossen, durch die Straßen zu schlendern, Eis zu essen und in die kühlen Geschäfte zu gehen, denn es war 38 Grad im Schatten.

Der Wochenmarkt von Cahors findet übrigens samstags und mittwochs vormittags statt. Spirituell interessant ist auch eine Quelle, die Fontaine de Chartreux am Lot. Die Quellle geht auf römische Zeit zurück und wurde sehr verehrt.

Viele Opfergaben wurden dort gefunden, um die Quellgöttin milde zu stimmen. Ein ganz besonderer Ort, der übrigens noch heute Cahors mit Trinkwasse versorgt. Er sieht ganz unscheinbar aus und befindet sich nur etwa 100 Meter flussaufwärts von der berühmten Brücken allerdings auf der anderen Flussseite. Cahors ist bekannt für seinen dunkelroten Rotwein aus dem gleichnamigen Anbaugebiet.


#Cabrerets
Ohne es zu wissen, habe ich unsere Unterkunft und damit den Mittelpunkt unserer Ferien in das für mich schönste Dorf des Lot-Tals gelegt. Nagut, Saint Cirq de Lapopie war das schönste, aber es ist sehr museal und touristisch. Ein Ausflugsziel eben.


Zum Leben und Ferien machen eignet sich Cabrerets besser. Ein Miniort mit einer Post, zwei-drei Restaurants, einem kleinen Laden und einer wunderbaren Bäckerei. In Cabrerets kann man toll in den Bergen wandern, es gibt viele Campingplätze und Unterkünfte, in denen man in Jurten schlafen kann.

Die Bäckerei „Du Moulin au Fournil“ und arbeitet mit eigenen Mehl, das in der Region gemahlen wird. Daraus fertigt sie nicht nur knusprige Baguettes, sondern auch die längsten Brote, die ich jemals gesehen habe, ich glaube, sie waren wohl 1,50 Meter lang. Man konnte sich Stücke davon abschneiden lassen und kaufen. Wir haben lieber die leckere Gemüsetarte und die Croissants Amandes gegessen.

#Pech Merle
Im Ort befindet sich nicht nur ein Schloss, sondern auch eine sehr bekannte Höhle: Die Grotte Pech Merle zählt zu den berühmtesten Höhlen Frankreichs. Das liegt vor allem an ihren Höhlenmalereien. Sie sind etwa 20.000 Jahre alt und teilweise unglaublich gut erhalten. Vor allem die Pferdezeichnungen sind beeindruckend. Das Besondere ist, dass man die Zeichnungen besichtigen kann.

Während Lauscaux eine Replik der Grotten errichtet hat, um dem Besucherandrang gerecht zu werden, ist die Besucherzahl in Pech Merle streng geregelt und man muss unbedingt vorher reservieren, um einen Platz auf einer Führung zu bekommen. Die Wärme des menschlichen Körpers und der Atem setzt der Grotte und ihren Zeichnungen zu, deswegen dürfen nur wenige Besuchergruppen pro Tag die Kunstwerke sehen. Aber es lohnt sich unbedingt, auch wenn der Eintritt hoch ist.


#Bouziès
Nur einige Kilometer von Cabrerets entfernt befindet sich Bouziès, ein kleines Dorf am anderen Ufer des Lot-Flusses. Die Brücke und das Dorf an sich sind schon sehr hübsch, aber Bouziès hat noch ein Geheimnis: Der Treidelpfad am Lot-Ufer ist etwas ganz Außerordentliches, denn er ist wie eine halbe Höhle in den Stein gehauen.

Der Bildhauer David Monnier hat einen Teil der Wand mit seinem Kunstwerk verziert. Sehenswert im Ort ist zudem das Château des Anglais, eine in den Felsen hineingebaute Wehranlage, die ich aber nicht fotografiert habe.

#Goufre de Padirac
Eines der wohl spektakulärsten Ziele am Lot habe ich verpasst: Die Höhle Goufre de Padirac ist über einen kreisförmigen Tageslichtschacht erreichbar, ein Stahlturm führt in die Unterwelt, sehr spektakulär.

#Vers
Hübsch ist auch der Ort Vers. Etwas außerhalb befindet sich die KIrche Notre-Dame-de-Vêles, ein alter Steinbau aus dem 13. Jahrhundert. Im Ort selbst gibt es eine Kunstgalerie und auch das Aquadukt ist sehenswert. Insgesamt ein niedlicher Ort mit etwas Infrastruktur.


#Die schönsten Badestellen und Strände am Lot
Überall in der Gegend kann man baden und schwimmen. Das Wasser der Flüsse ist sauber und klar und lädt zur Abkühlung ein. Das Schöne ist, dass es an den Badestellen auch in der Hochsaison nicht überfüllt ist. Und Badestellen finden sich eigentlich überall, vor allem dort, wo es Campingplätze gibt.


Unterhalb von Saint Cirq de Lapopie befindet sich ein schöner Sandstrand, der kostenlos zu benutzen ist. Angeschlossen ist ein Campingplatz mit einer kleinen Imbiss- und Verkaufsbude, manchmal stellt sich auch die örtliche Käserei mit einen Verkaufswagen hin und bietet Schafskäse feil.

In Cabrerets liegt die Badestelle am Ortseingang, direkt am Wehr. Der Strand ist kieselig und man sollte auf jeden Fall Badeschuhe tragen. Die Einheimischen gehen mit Turnschuhen ins Wasser. Dort befindet sich auch eine Rutsche für die Kanus. Die Einheimischen benutzen sie als Rutsche für Kinder und Erwachsene. Oberhalb der Rutsche ist der Fluss schön breit und tief zum Schwimmen.


In Vers gibt es auch noch eine wunderschöne Badestelle, direkt am Campingplatz. Das Wasser ist nicht tief und sehr kühl. Es ist ideal für kleine Kinder oder Kinder, die planschen möchten, schwimmen kann man dort nicht wirktlich.

#Aktiv mit der Familie
Die Region des Lot in Okitanien ist ideal für Familien mit Teenagern, denn es lässt sich sehr viel machen, ohne dass es langweilig wird. Campingplätze säumen die Flüsse und wie Anbieter Kalapca oder andere bieten viele Aktivitäten an, etwa Höhlenwandern, Canyoning (ab 14 Jahre), Paddeln oder Klettern. Zwei haben wir ausprobiert.


Paddeln
Die Paddeltour auf der Célé dauert 3-4 Stunden und ist eine wirklich schöne Tour. Der Höhepunkt ist natürliche ide Rutschpartie mit dem Kanu bei Cabrerets, aber auch sonst ist es landschaftlich einfach großartig, an den Steilhängen vorbei zu paddeln und manchmal sogar kleine Höhlen zu entdecken. Unbedingt erforderlich sind aber Kopfbedeckung, Schwimmschuhe, Sonnenmilch, Wasser und Proviant an Bord. Das würde ich jederzeit noch einmal buchen.

Klettern
Die Klettertour hat mich nicht so überzeugt. Wir waren drei Stunden an einem Felsen und mühten uns, auf und ab zu klettern. Das fanden nicht nur die Kinder langweilig, ich auch nach einiger Zeit. Zudem sollte man unbedingt gut französisch sprechen, denn nicht jeder Guide kann es in Englisch erklären, es geht aber um so wichtige Dinge wie Knoten machen etc. Das würde ich nicht mehr buchen, einmal reicht.

Wandern
Die Gegend am Lot ist ideal zum Wandern und Pilgern, auch der Jakobsweg Via Podiensis führt durch diese Gegend, perfekt zum Wandern, aber auch zum Radfahren.


Märkte
Die Wochenmärkte in Frankreich sind etwas Besonderes, auch im Tal des Lot. Dort gibt es sonnensüße Tomaten und andere Früchte, aber auch so manches Kleid und schöne Taschen, das ist aber wohl vor allem für weibliche Familienmitglieder spannend. Jeder Ort hat einen Wochenmarkt.

#Unterkünfte und Hotels am Lot
Wir haben in einer außergewöhnlichen Unterkunft gewohnt, ein kleiner Bauernhof mit angeschlossenem Campingplatz. Dort kann man auch in Jurten übernachten, wir haben allerdings das Ferienhaus gemietet, klein, schmal, sehr gemütlich, total romantisch und ohne jeglichen Telefonempfang, W-Lan gab es natürlich auch nicht. Erhohlung pur. Les Cadichons punktet vor allem mit guten Preisen. Dort kann man auch mit dem Esel wandern, aber das ging wegen der Hitze nicht. Das nächste Mal allerdings würde ich mir eine Unterkunft etwas näher am Geschehen suchen, am besten in Cabrerets selbst, so dass man zu Fuß zur Badestelle gehen kann, wann man möchte.

#Allgemeine Infos zur Region am Lot-Fluss in Frankreich
Zwischen Limoges und Toulouse liegt der Naturpark Causses du Quercy. Schon bei der Anreise ahnte ich, dass die Gegend sehr dünn besiedelt ist, denn über weite Strecken gab es dort kein Telefonnetz. Solche ausgedehnten Funklöcher habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Also Tipp für die Reise zum Lot: Karte mitnehmen oder Anreisebeschreibung ausdrucken, auf das Handy kann man sich nicht immer verlassen.

Mobil vor Ort im Tal des Lot
Ich wollte eigentlich mit Bus und Bahn zum Urlaubsort fahren, war aber froh, dass ich es gelassen habe. Es fahren zwar Busse, aber sehr selten. Wir haben nie einen gesehen. Und dann ist man am Urlaubsort auch sehr festgelegt. Also besser mit Bus und Bahn anreisen und dann vor Ort einen Mietwagen nehmen. Achtung! Ich musste meinen lange vorher bestellen, auf gar keinen Fall kann man hinfahren und hoffen, dort ein Auto zu mieten, das läuft fast ausschließlich auf Bestellung. Ein Auto ist aber grade mit Familie ratsam, um unabhängig zu sein, denn wie gesagt: Manchmal ist der nächste Geldautomat 45 Minuten Fahrtzeit entfernt. Die gange Gegend ist sehr wenig entwickelt. Es gibt wunderbare Restaurants und Cafés, aber nur sehr wenig Dinge für den täglichen Bedarf, auch Apotheken und Co. sind nicht breit gestreut.

Nach unserem Aufenthalt am Lot waren wir dann doch noch am Meer. Darüber kannst du hier lesen. Unsere Reise nach Südfrankreich haben wir mit Bus und Bahn und ein wenig Auto (Leihwagen) geplant. Wie das ging, liest du hier. Wunderschön sind aber auch die Cevennen in Frankreich, dort kann man zum Beispiel Eselwandern oder den größten Bambuswald Europa entdecken.
Mehr Impressionen unserer Reise








4 Antworten
Liebe Andrea Lammert,
da sitzt man nun 2 Wochen vor seinem Frankreichurlaub im Büro und träumt von einem schönen Campingurlaub an der Lot (war ein „Geheimtipp“ unserer Zeltnachbarn im letzten Frankreichurlaub) und findet dann so eine inspirierende Seite! Da muss ich mich einfach mal ganz herzlich bedanken! Wir sind immer auf der Suche nach dem „alten Frankreich“ und haben dabei in den letzten Jahren auf unseren „tour de France“ so wundervolle Plätze entdeckt. Nun bin ich mir sicher, dass uns die Lot gefallen wird. Herzliche Grüße, Lutz
Lieber Lutz, ach wie schön! Da danke ich dir aber herzlich für diese Worte <3 und ich beneide dich auch ein wenig, denn du bist bald schon wieder dort. Es ist sooooo schön dort, berichte gerne mal, wie es für dich war. Ich wünsche dir ganz, ganz viel Spaß und wundervolle Eindrücke
Andrea
Wir waren 2012 am Lot und hatten eine schöne Unterkunft bei Lalbenque. Es war wie eine Reise in die Vergangenheit und wir waren wie verzaubert von der Ursprünglichkeit der Orte und der freundlichen Gelassenheit der Menschen.
Wir waren seit dem mehrfach in der Bretagne, in Drome Provencal, im Jura und an der Ardèche.
Die nächste Reise wird uns zum Stevensonweg in die Cévennes führen, aber dann auf jeden Fall nochmals nach Midi Pyrénées.
Frankreich ist und bleibt traumhaft zu bereisen.
Vielen Dank fuer die guten Informationen. Ich werde mit dem Fahrrad und Zelt eine Woche von
Montauban an den Lot fahren und dort campen.