Eselwandern in den Cevennen

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Eselwandern ist ein besonderes Erlebnis. In den französischen Cevennen lässt es sich gut mit einem Besuch auf dem Bauernhof kombinieren. Meine Tipps zum Eselwandern.

#1. Hoch in den Cevennen

Der Wind pfeifft an diesem Morgen kalt über die Berge. Es ist Mitte Mai, doch der warme Frühling ist im Tal geblieben. Narzissen und Schlüsselblumen präsentieren ihre dottergelben Blüten. Auf 800 Metern Höhe herrscht eben ein raueres Klima als in den Gorges du Tarn, wo wir morgens im sonnigen Florac gestartet sind.

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Dieser Ausblick! Sogar eine Zisterne gibt es auf dem Bauernhof.

Einsam schmiegt sich das Steinhaus der Ferme des Cévennes an den Hang. Weit über dem Tal ist die Zeit stehen geblieben. Hier scheint es absurd, auf das Smartphone zu blicken oder einen Computer anzuwerfen, denn das Leben hat den Rythmus wie vor 200 Jahren.

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Die Esel stehen auf der Weide.

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So kann eine Klingel aussehen.

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Ganz in den Hang gebaut.

Im kleinen Laden trocknen die Salamis und Schinken, Käse steht in der Auslage, ebenso wie Kastanienhonig und selbstgemachter Sirup. Die Ferme des Cévennes ist vor allem für ihre  Pélardon-Produktion bekannt, dem nussig schmeckenden Ziegenkäse mit der weichen Weißschimmelrinde.

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Eingelegte Kastanien – typisch für die Cevennen.

Ziegen statt Esel

Wir treffen Charlotte. Eigentlich hatte sie in einer großen Firma in der Stadt gearbeitet. “Mehr und mehr hinterfragte ich den Sinn dieser Arbeit. Und da ich Pélardon liebe und schon immer mit Ziegen arbeiten wollte, bin ich nun hier. Ich habe mir ein Haus im Wald gekauft und bin glücklich hier auf der Farm”, sagt sie und führt uns in den Ziegenstall.

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Dieser Blick!

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Im Ziegengewimmel

Dort werden erstmal die Zicklein gefüttert, denn die Milch der Mütter wird für die Käseproduktion gebraucht. Aufgeregt und hungrig stürzen sie sich auf den Eimer mit Milch, während die großen Ziegen sich um das Heu drängen. Als alle aufgefressen haben, öffnet Charlotte die Stalltür und die adulten Tiere drängen heraus – Weidezeit.

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Das kann gar nicht schnell genug auf die Weide gehen.

#2. Wie entsteht aus Milch Käse?

Es ist so kühl, dass ich mir eine warme Tasse Tee zum Finger wärmen wünsche. Doch daraus wird so schnell nichts, denn wir lernen zunächst noch, wie der Käse hergestellt wird und dürfen selbst die kleinen Becher mit der geronnenen Milch befüllen. Anschließend schrumpft der Weichkäse für elf Tage, bevor er als Pélardon gegessen wird. Man kann ihn aber auch länger reifen lassen, dann wandelt sich der weiße Schimmel in Blauschimmel.

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In der Käsemanufaktur,

“Käse machen ist nichts anderes, als Milch zu trocknen”, erklärt uns Charlotte. Hier oben auf der abgeschiedenen Farm fällt die Notwendigkeit dieser Vorratshaltung nicht schwer zu begreifen. Wie man ausgerechnet darauf gekommen ist, dass Käse mit Lab aus Kälbermägen zu gerinnen beginnt, selbst darauf weiß Charlotte eine Antwort: “Früher hat man alles von den Tieren verwertet und die Mägen wurden als Transportgefäße für die Milch benutzt, um sie zu den Märkten zu bringen. Darin hat sich die Milch verändert und ist zu Käse geworden.” Bis heute benutzt man Lab, also die Flüssigkeit aus dem Kälbermagen, um den Käse haltbar zu machen. Deswegen ist Käse auch nicht wirklich vegetarisch.

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Zwei verschiedene Reifegrade des Käses.

Als die Ziegen vorsorgt sind und der Käse angesetzt ist, holt Charlotte Anis und Origan von der Weide. Die beiden Esel werden für die nächsten Stunden unsere Begleiter beim Eselwandern sein.

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Noch einmal bürsten!

#3. Berühmtes Eselwandern mit R. L. Stevenson

So störrisch und eigensinnig sehen sie gar nicht aus, als die Französin ihnen den Dreck vom Fell bürstet und ein Korbgeflecht auf den Rücken legt. Sie sehen fast aus wie aus einem früheren Film.

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Die Esel sind startbereit zum Wandern.

Oder aus einem Abenteuerbuch. Letzteres hat das Eselswandern in den Cevennen berühmt gemacht: “Reise mit einem Esel durch die Cevennen” heißt die Erzählung, die der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson vor 140 Jahren veröffentlicht hat. Robert L. Stevenson? Hat er nicht? Ja, hat er. Der Autor von Werken wie “Die Schatzinsel” oder “Dr. Jekyll und Mr. Hide” hat seine autobiographische Erzählung über seine zwölftägige Cevennen-Querung weit vor seinen Welterfolgen niedergeschrieben.

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Na, wer führt? Die beiden sind sich noch nicht einig.

28jährig suchte er in den französischen Bergen damals Trost, weil er in die verheiratete us-amerikanische Malerin Fanny verliebt hatte. Die Verarbeitung seiner Gefühle, aber auch den Weg und die Erlebnisse beim Eselwandern beschrieb er in der Erzählung. Heute ist der mehr als 250 Kilometer lange Trail einer der beliebtesten Wanderwege der Region und als Stevensonweg bekannt. Standesgemäß natürlich mit dem Esel in Begleitung zu bewältigen.

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Wie weich er ist!

#4. Wie führt man einen Esel? Tipps zum Eselwandern

Genau das haben wir auch vor. Charlotte gibt uns eine schnelle Einweisung, deren Hauptsatz darin besteht: “Die ersten Minuten sind entscheidend, dann zeigt sich, wer von euch beiden Chef ist.” Sie weist uns darauf hin, dass wir andere Esel treffen könnten und dass es wichtig sei, das Tier immer fest am Halfter zu führen. Na dann.

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Es geht los – und Maribel führt.

Ich bin froh, dass nicht ich als erstes führe, sondern meine Mitreisenden Sonja und Maribel, Bloggerkollegen, die mit mir auf dieser Tour sind. Sonja geht vor und alles sieht sehr schön aus. Sogar die Sonne kommt heraus und wärmt uns mit ihren Strahlen. Doch dann passieren wir einen sehr engen Hohlweg und ausgerechnet dort machen sich andere Esel breit. Origan bleibt nicht nur stur stehen, sondern gerät in Angst, weicht aus, zieht Sonja mit ins Abseits. Ich spüre seine Angst und scheuche die anderen Esel beiseite.

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Auf einmal war die Landschaft anders, die Bäume verschwanden und der Blick war frei.

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Sonja und ich mit dem gebändigten Esel.

Irgendwie kriegen wir die Situation gemeinsam in den Griff und Sonja reicht mir die Eselszügel. Was so leicht und beschwingt aussah, ist ganz schön anspruchsvoll. Origan zieht nämlich und das mit richtiger Kraft. Das Tier beim Eselwandern zu führen, ist nicht so einfach, wie es eben noch aussah.

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Ein kleiner Snack zwischendurch muss sein.

Kommunizieren mit dem Esel

Origan möchte voran gehen, Erster sein. Dass das nicht geht, weiß ich von Erfahrungen mit anderen Tieren. Entweder gehe ich vor – oder ich habe verloren. Doch der Esel hat seinen Trott und ist schnell. Also muss ich mich beeilen, ohne dabei ins Laufen zu kommen (das würde ihn erschrecken) und darf schon gar nicht meine Sicherheit, die ich ausstrahle, verlieren oder den Esel zum Wettlauf anstiften.

Frankreich, Cevennen, Eseltrekking, Eselwandern, Stevenson, Urlaub auf dem Bauernhof, Ferme des CevennesLeichter gedacht als getan. Irgendwann bin ich vorn. Da kommt schon das nächste Hindernis: Es geht bergab und Origan wird schneller, schiebt mich so sehr, dass ich all meine Kraft aufbringen muss, um ihn zu halten. Ich ruckele sanft und kurz am Halfter und sage bestimmt: “Ich geh vor.” Vor allem meine ich es auch so und mache mich innerlich ganz groß. Origan scheint zu verstehen und verlangsamt seinen Schritt.

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Pause – das haben sie sich verdient.

#5. Im Rythmus mit dem Tier

Nach einigen Metern Eselwandern haben wir uns aufeinander eingestimmt. Ich führe, er folgt. Meine Anspannung legt sich. Seine auch. Schon bald zieht er auch nicht mehr, sondern trottet locker neben mir her. Vertrauen scheint das Stichwort zu sein. Während ich übermütig überlege, ob der Esel wohl auch ohne Halfter und Leine mitkommen würde, erreichen wir unseren Picknickplatz, wunderbar an einem Bach gelegen. Der Esel grast, ich knabbere an meinem Sandwich, wir haben denselben Rythmus gefunden.

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Der Esel wird zutraulich.

Natürlich lasse ich ihn nicht frei laufen. Als wir weitergehen, merke ich, dass er zu spüren scheint, was ich spüre. Habe ich Angst, schreckt auch er auf. Bin ich sicher, ist er es auch. Verliere ich mich in Gedanken jenseits unserer Wanderung, merkt er es sofort und macht das, was er möchte. Zupft Unkraut vom Rand oder überholt mich unbemerkt. Ich muss also ganz präsent sein. Das ist ja fast wie Meditieren.

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Typisches Panorama der Cevennen.

Besser mit Gelassenheit

Origan straht Gelassenheit aus. Nur seine Ohren zittern leicht beim Gehen, fast wie das Periskop eines U-Boots dreht er sie, um wahrzunehmen, was um ihn herum passiert. Stoisch geht er seinen Weg. Der ist übrigens wunderschön mit kleinen Schluchten, knorrigen Kiefern, Trockensteinmauern und immer wieder schönen Ausblicken am Wegesrand.

Viel zu früh kommt das Panorama der Farm in unser Blickfeld. Origan und ich haben grade unseren Rythmus gefunden. Am liebsten würde ich jetzt noch Tage weiter mit ihm durch diese Landschaft ziehen.

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Brav ist er, oder?

#6. Das kostet Eselwandern in den Cevennen

Wer sich einen Esel wie Origan in der Ferme des Cévennes ausleihen möchte, zahlt 48 € für einen Tag, 30 € für einen halben Tag Eselwandern. Mehr Informationen bei der Webseite des Bauernhofes: www.lafermedescevennes.com 

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Die Farm liegt mitten in den Bergen.

Übernachten in Florac

Der Bauernhof ist zugleich eine Pension und vermietet Zimmer mit einem wunderbaren Landfrühstück. Die Übernachtung kostet ab 38 € im Doppelzimmer. Wer es weniger abgelegen und ländlich möchte, bucht im Hotel Gorges du Tarn ein Zimmer ab 69 €.

Die Reise wurde unterstützt vom französischen Fremdenverkehrsamt und Lozère- Tourisme – danke dafür.

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Kein Esel, Ponies haben sie auch auf dem Bauernhof.

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Ziegenauftrieb

Trinkwasser vor dem Haus

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Französische Landwurst.

 

 

5 Kommentare

  1. Ach Andrea, perfekte Eselführerin, die Du bist!
    So anstrengend es zu Beginn auch war, missen möchte ich dieses tolle Erlebnis auf keinen Fall. Hätte ich gewusst, dass Esel untereinander so biestig sein können, hätte ich mich nie und nimmer am Rande des Abgrunds platziert. Und mir andere Schuhe angezogen. Mit mehr Grip.
    Super froh bin ich, die Erinnerungen mit Dir, Maribel, Elsa und Roberto zu teilen.
    Bis ganz bald,
    Sonja

    • Danke, liebe Sonja, es war wirklich ein tolles Erlebnis mit dir <3. Du hast dich da ja nicht hin platziert, es ist irgendwie geschehen, das wäre jedem anderen noch schlimmer ergangen. Ich freu mich auch, dass die Erinnerungen hier nun festgehalten sind. Liebe Grüße

  2. Also ich stelle mir das auch nicht so einfach vor, denn ein Esel hat nun mal seinen eigenen “Kopf” ! Kann mich erinnern, als wir mit den Kindern mal was Ähnliches gemacht haben, hier in der Nähe. Da gibt es einen Eselparcours und der Esel ging mit mir spazieren und ich nicht mit dem Esel !!!! Stur und eigenwillig stelle ich mir die Tiere vor !
    Anscheinend habt ihr euch aber sehr schnell angefreundet und so klappte das wohl auch !
    Das ganze noch mit wunderschönen Fotos festgehalten ! Toll Andrea und hauptsache es hat richtig Spaß gemacht !!!! LG Manni

    • Das ist auch alles andere als einfach gewesen. Aber so stur war der gar nicht, er wusste nur genau, was er wollte 🙂 aber ich empfand ihn eigentlich als ganz lieb. Danke für einen Kommentar, es freut mich immer sehr

  3. esel und ziegen *.* eselwandern gibt es bei uns auch, das will ich auch unbedingt mal machen. was du schreibst kenne ich übrigens auch von dem pferd, mit dem ich öfter mal spazieren gehe. vertrauen, “vorgehen”, so stark auf den menschen reagieren. es ist sehr spannend, sich selbst zu beobachten durch das verhalten eines tieres.

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