Warum ich keine Muscheln esse

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Spätestens nach der Wattwanderung auf Juist habe ich einen Entschluss gefasst: Miesmuscheln und andere Muschelarten gehören nicht auf den Teller. Sie zu essen ist eigentlich ganz schön eklig. Manche Geschichten, die man unterwegs hört, verändern einfach: Das Denken, alltägliche Abläufe oder einfach nur die Eßgewohnheiten. Und genau deswegen mag ich das Reisen und das andere Menschen und Kulturen treffen so sehr. Irgendwo sind immer Denkanstöße oder Begegnungen dabei, die man zuhause eben nicht bekommen hätte. Dabei muss es nicht immer Malaysia oder Madagaskar sein – ein Aufenthalt auf Juist reicht auch. Die Wanderung mit Wattführer Heino etwa, der eindrücklich klar machte, dass Miesmuscheln in der Nordsee sowieso schon stark rückläufig sind. „Warum muss man sie in München essen, wenn wir hier schon nicht mehr genug davon haben?“ fragt er und erzählt, dass einst sogar Herzmuscheln im Wattenmeer gefischt werden durften. „Muscheln sind die Kläranlagen unseres Meeres, ohne sie verschlickt es. Das können wir doch nicht einfach aufessen.“

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Miesmuschelschalen

Kläranlagen? Damit verbinde ich vor allem organische, stinkende Abfallstoffe – ja, genau, eben jene. Miesmuscheln sind omnivor, das heißt, sie fressen alles, was ihnen zwischen die Kiemen kommt. Leider alles. Alles? Ja. Kacke! Genau, auch die. Exkremente eben auch. Hierzu hat Wattführer Heino eine wirklich eindrückliche Geschichte aus seiner Kindheit parat, die ich hier nicht ausplaudern werde, aber sie ist so ekelig, dass man danach sicher keinen Appetit auf Meeresfrüchte hat.

Nicht nur deswegen sollte man Miesmuscheln meiden. Dadurch, dass sie das Wasser filtern, das heute oftmals mit Schwermetallen und Giften belastet ist, nehmen sie diese Gifte auch in sich auf und speichern sie. Etwas, was wir Menschen mitessen, wenn wir Muscheln essen. Zwar sind diese Belastungen in den vergangenen Jahren gesunken, aber sie sind eben noch messbar. Was oftmals nicht gemessen wird, ist die Plastik- und Mikroplastikbelastung der Tiere. Will man das alles mitessen? Ich finde eher nicht. Gut, ich esse sowieso eher vegan und vegetarisch, doch manchmal, vor allem unterwegs, wenn es kaum etwas anderes gibt, landet schon mal ein Fisch auf meinem Teller. Muscheln aber, das habe ich mir auf Juist geschworen, werden es nun wirklich nicht mehr sein. Übrigens sind Austern auch Muscheln.

7 Kommentare

  1. Ich mag zwar Meeresfrüchte so überhaupt nicht, aber diese Omnivor-Sache mit den Muscheln war mir so auch nicht bekannt…krass!

    Vielen Dank für deinen Bericht.

    Ganz liebe Grüße,
    Amara

  2. Hmmm…dein Artikel macht mich wirklich nachdenklich!
    Eigentlich mag ich Meeresfrüchte aller Art sehr….aber aus dieser Sicht hab ich das Leben und die Funktion einer Muschel noch nicht betrachtet…
    Ich werde mich dir anschließen und keine Muscheln mehr essen….damit sie weiter unsere Meere filtern können.‘
    Danke dir sehr für diesen tollen Beitrag, liebe Andrea.

    Fühl dich lieb umärmelt
    Gabi

    • Liebe Gabi, Das finde ich ja total schön, diese Rückmeldung. Ich glaube, wenn man in Büsum oder auf Juist ist, geht es sogar. Aber diese Sache, dass die Muschekn überall gegessen werden müssen, auch in den Bergen und damit das Watt leer fischen, finde ich bedenklich. Ganz liebe Grüße

  3. Pingback: Ostfriesische Inseln: 15 Tipps für Juist -

  4. Hm, habe mir auch noch nie bewußt gemacht, welche besondere,wichtige Aufgabe die Muscheln haben. Dabei fahre ich so gerne ans Meer. Gut, dass ich nie Muscheln gegessen habe. Besonders dieses Schlürfen von Austern… brrr, schon der Gedanke schüttelt mich. Aber jetzt finde ich Muscheln nicht nur ungenießbar, jetzt habe ich auch noch ein super Argument dazu sie nicht zu essen.
    Viele Grüße Beate!

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