Verantwortungsvolles Bloggen – was ist das überhaupt?

Langeoog, Fährte, Karte, Sehenswürdigkeiten, Wetter, News, Inselbahn, Veranstaltungen, Bilder, Nordsee, Reiseführer, Tipps

Ich habe Bauchschmerzen. Nicht erst seit dieser aktuellen Instagram-Verfehlung einer Influenzerin in Berchtesgaden. Als Reisebloggerin und Buchautorin habe ich Einfluss.

Ich lenke mit Büchern, Posts, Instagram-Bildchen und deren Verortung Touristenströme. Egal, wie viele Aufrufe mein Blog hat, egal, wie klein mein Insta-Kanal ist. Ich mache Dinge sichtbar, die bis zu meiner Entdeckung einen unsichtbaren Geheimtippschlaf geschlafen haben. Wie kann ich verantwortungsvoll damit umgehen und nicht dazu beitragen, dass Influencer mit ihrem Leben spielen, nur um schöne Bilder zu machen oder vielleicht noch schlimmer, dass die Natur von Massen überrannt wird, da wo sie einzigartig und besonders empfindlich ist? Wie gehe ich eigentlich mit diesen Situationen um?

Langeoog, Fährte, Karte, Sehenswürdigkeiten, Wetter, News, Inselbahn, Veranstaltungen, Bilder, Nordsee, Reiseführer, Tipps

Schon lange denke ich über diese Thematik nach. Aber bei der Recherche zu meinem aktuell erschienenen Eskapaden-Buch bekam ich Klarheit in diese Frage, die mir schon lange Bauchschmerzen bereitete. Wie kann ich verantwortungsvoll bloggen und berichten?

Der hungrige Entdeckergeist

Für das entstehende Buch sollte ich 52 außergewöhnliche Touren in Ostfriesland darstellen, die draußen zu erleben sind. Natürlich regt sowas enorm das Ego an und den Entdeckergeist, der immer auch danach strebt, es Christoph Kolumbus nachzutun und Unbekanntes zu entdecken und berühmt zu machen. Selbstverständlich immer und nur dann, wenn der eigene Name damit verbunden ist. Dieser Mechanismus wurde mir schnell klar, als ich das Konzept für das Buch erstellte. In Ostfriesland gibt es tolle Orte und einige Plätze, die nur den Tieren gehören. Wildnisse in Deutschland, die es auch gerne bleiben sollen. Will ich, dass Instagramer oder auch normale Touristen durch das Watt stapfen, um spektakuläre Aufnahmen zu machen? Womöglich noch allein, weil sie die Gefahren der Nordsee unterschätzen?

Die Auswahl meiner Themen war wohl tatsächlich der Drehpunkt, denn plötzlich wurde ich mir meiner Verantwortung mehr denn je bewusst. Es ist die Nordsee. Was heute friedlich und sonnig aussieht, kann morgen lebensbedrohlich sein, denn das Gefährliche im Watt ist, dass man tatsächlich steckenbleiben kann, wenn man nicht die genauen Wege kennt. Nicht überall ist der Boden so fest, dass man darauf gehen kann. Schon wenige Meter weiter kann das Watt die Füße festsaugen, es folgen die Beine, die Hüfte. Man kommt einfach nicht mehr raus und das Wasser steigt unaufhaltsam – den Rest kennt Ihr.

Hafen, Fähre Spiekeroog, Ferienwohnung, Sehenswürdigkeiten, Hafen

Viele der schönsten Nordseetouren liegen genau in solchen Bereichen und dürfen nur mit Wattführern erreicht werden. Leuten eben, die sich auskennen. Und Leuten, die darauf achten, dass Gäste nicht einfach so in Gebiete tapsen, in denen Vögel brüten. Wir Menschen haben uns schon so viele Gebiete erschlossen, versiegelt und kultiviert. In Deutschland ist nur etwa ein Prozent unserer Fläche überhaupt Naturschutzgebiet. Sollten wir das nicht so gut es geht in Ruhe lassen und achtsam behandeln?

Ja. Ohne aber.

Verzicht statt Anleitungen geben

Für mich als Bloggerin und Autorin bedeutete das Verzicht. Ja, ich verzichte einfach darauf, diese Orte in die Welt zu posaunen und Menschen eine Anleitung zu geben, das einfach nach zu machen und im eigenen Größenwahn sich selbst zu überschätzen und womöglich allein loszuziehen. Ich bin oft an der Nordsee. Kann den Gezeitenkalender lesen – und habe dennoch so oft Überraschungen erlebt und das Wasser kam schneller, als mir lieb war. Nicht auszudenken, wie das also mit Newbies ist, die die Gefahren nicht einschätzen können.

Außerdem: Die kleinen, stillen Orte, die mich so fasziniert haben. Ihr werdet sie hier nicht finden. Manche im Buch. Aber auch dort habe ich Abstand genommen, über XXXXX und YYYYYY zu schreiben. Wer dorthin will, soll auch Mühe haben, es zu finden. Ich muss nicht alles rausposaunen.

Narzissmus beim Bloggen

Damit wären wir beim nächsten Punkt. Rausposaunen. Narzissmus leben. Ich, ich, ich. Das ist es, was Instagram fördert mit diesen Bildchen, auf denen man sich zeigt, mit Bikini, von hinten, mit Zopf oder Wanderschuhen. Aber immer schön dem Ego schmeicheln und der Welt sagen, was man alles Tolles erleben kann. Für mich ist das ein Armutszeugnis von Aufmerksamkeitshascherei, denn eigentlich dürfte man das nicht brauchen, wenn man sich selbst genug ist. Ich mag diese vermeintlichen Starletts nicht, die sich selbst darstellen und platte Posts veröffentlichen ohne Tiefe. Ich mag Menschen, die eine Botschaft haben. Die mich aufklären über Heilkräuter oder ihren Kummer, weil sie eine andere Hautfarbe haben und täglich verstecktem Rassismus ausgesetzt sind. Das ist, was ich lesen möchte. Und das ist auch, was ich senden möchte. Nicht immer gelingt es mir, aber es sollen Dinge sein, die Menschen zum Nachdenken bewegen oder helfen, das Leben bewusster, im Einklang mit der Natur und besser zu machen. Plattes Geposte von Statussymbolen – und dazu zählen auch Reisen und das Sammeln von Stempeln im Pass oder schönen Orten – ist mir zu flach und erreicht mich nicht.

Das Watt ist nicht grau. Es ist bun! Strand, Regenbogen. Zwielicht am Abend, nur Sonne, Licht und Watt, Nordseeküste, Nordsee. Warum ich die Nordsee liebe - Gründe für den Urlaub an der Nordsee, Nordseeinseln, einsame Inseln in der Nordsee,

Was will ich nun damit sagen?

Ich habe Bauchschmerzen. Nicht erst seit Corona, aber jetzt umso mehr. Denn die vielen Reiseblogger, die um die Welt gejettet sind und nun, weil es so grün und hipp ist, plötzlich einen auf “Deutschland ist so schön” machen – können die auch ihre Klappe halten, wenn es darum geht, empfindsame Plätze zu verschweigen? Der Run, der jetzt auf Deutschland kommt, dem ist die Natur nicht gewachsen. Ich sehe heute schon Vans und Wohnmobile (ich habe selber einen) dort, wo sie nicht parken sollten: Mitten im Wald. Dank so “toller” Apps wie Park4Night kann jeder wiederrum seinen Ort rausposauen und dafür sorgen, dass der schöne Platz, den man gefunden hat, schon bald zur Kloake wird, weil eben nicht jeder so verantwortungsvoll handelt. Davon muss ich ausgehen. Nicht jeder nimmt seinen Müll mit und nicht jeder trägt seine Kacke in der Plastiktüte zum nächsten Mülleimer.

Es braucht nur ein Foto mit einer Ortsangabe. Ich kann es suchen, bin begeistert, fahre hin. So wie viele andere auch. Mit Sicherheit auch einige, die mehr Follower auf Instagram haben. Und schon ist das Kind in den Brunnen – nee, die Instagramerin den Wasserfall runtergefallen.

Dangast, Strand, Regenbogen. Zwielicht am Abend, nur Sonne, Licht und Watt, Nordseeküste, Nordsee. Warum ich die Nordsee liebe - Gründe für den Urlaub an der Nordsee, Nordseeinseln, einsame Inseln in der Nordsee,

Mein Fazit

Ich werde ruhiger. Schreie nicht alles heraus. Klar habe ich Geheimtipps. Aber die gerne in Städten, weil ich damit kleine Cafés unterstützen kann oder hübsche Läden. Das bietet beiden einen Mehrwert: Dem Café und dem Besucher. Der See oder das Moor aber leidet, wenn ich zuviele Leute schicke. Deswegen werde ich immer leiser, während andere mehr und mehr rumposaunen, wie schön doch Deutschland sei. Meistens übrigens Menschen, die sich die Träume von einer Reise zu den Bahamas, den Malediven oder Machu Pichu gleich alle erfüllt haben, anstatt wie Otto Normalo, jahrelang darauf zu sparen. Wenn ich alles gesehen habe, fällt es mir natürlich leicht, meinen Reisedurst zu stillen. Aber auch hier geht es um Verzicht.

Meine Bestätigung für mein hungriges, aufmerksamkeitshaschendes Ego hole ich mir woanders. Ich muss ja dafür nicht die Natur ausnutzen, muss nicht jenseits der Pfade gehen, sondern AUF ihnen. Ich habe Freunde und Kreativität, die mich nähren. Und mein Blog? Der wächst. Vielleicht trotzdem oder gerade deswegen.

Blogparade

Und ich frage hiermit die anderen Blogger in diesem virtuellem Universum: Welche Gedanken macht Ihr euch? Wie geht Ihr damit um? Ich versuche mal eine Blogparade zu starten. Wer mag mir noch von seinen Bauchschmerzen erzählen, die das Bloggen und Herausposaunen schöner Orte macht? Schreibt mir, verlinkt bitte auf diesen Post, hinterlasst mir Euren Link im Kommentar und ich werde im Juli eine Zusammenfassung Euerer Gedanken veröffentlichen. Na, macht wer mit? Wir brauchen mehr, die verschweigen und verzichten, anstatt viele, die posen und posaunen! Meine Idee ist es, dass wir unsere Reichweiten nutzen, um wieder mehr Bewusstsein in die Welt zu tragen.

Ich bin nicht die Erste, die über dieses Thema schreibt. Die Idee zur Blogparade hatte Talky on Tour letztes Jahr auch, die ich glatt wieder vergessen hatte. Es haben ganz viele Blogger teilgenommen, lest doch mal hin, die Ergebnisse gibt es hier. Ich habe übrigens auch teilgenommen und es total verdrängt. Peinlich. Wenn man in Rage schreibt wie ich heute, dann vergisst man manchmal, dass es schon ganz viele tolle Sachen zum Thema gibt. Etwa den Beitrag zum Thema Influencer. oder die Worte von Nadine von Planethibbel.

Nachtrag: In diesem Beitrag sind mir meine Schreibpferde durchgegangen. Fehler korrigiere ich gern, es sind sicher einige drin, aber er musste jetzt erstmal raus. Solltet Ihr also Vertipper und Co finden, bin ich für Hinweise dankbar!

Bleib mit dem Newsletter auf dem Laufenden!

*Ich habe die Datenschutzerklärung und das Impressum zur Kenntnis genommen

31 Kommentare

  1. Ich verstehe dich gut… gerade dieser “Ich war schon überall, schaut, ich verzichte und entdecke jetzt Deutschland”-Trend… darüber hatten wir es ja eh schon mal 😉

    Ich gestehe, dass ich mir auch mit Geheimtipps in Städten durchaus schwer tue. Das fiel mir auf, als ich meinen Bamberg-Artikel schrieb. Die Stadt ist klein und schrecklich überlaufen, Overtourism ist dort durchaus ein Problem. Will ich wirklich jedem auch noch die paar Lokale verraten, in dem die Einheimischen auch so einfach mal einen Platz kriegen? Finanziell schlecht gehts den Lokalen auch nicht – die sind ja bei den Einheimischen beliebt. Aber will ich, dass sie die gleiche Entwicklung durchmachen, wie manches ehemals bei Einheimischen beliebte Lokal, in das man heute eigentlich gar nicht mehr kann, weil es eine totale “Touristenschänke” geworden ist?

    Tipps geben ist immer eine sehr zweischneidige Sache. Und wie Du sagst: Wenn es um Natur und deren Gleichgewicht geht, erst recht.

    • Liebe Ilona,
      wahre Worte. Ja, das mit dem Overtourism in Städten stimmt. Ich hatte dabei mehr Leer und Norden im Sinn als Paris und Bamberg. Aber du hast absolut recht. Ich würde gerne mehr von diesen deinen Gedanken lesen, denn wir brauchen eine Gegenstimme. Machst du mit?
      Ganz liebe Grüße

      • Ich muss mal schauen, ob mir genug für einen ganzen Beitrag einfällt!

        Es ist jedenfalls ein schmaler Grat. Menschen in andere Regionen “zu lenken” ist ja durchaus erst mal gut. Wie Oliver es auf dem Weltreiseforum mal schrieb: Overtourism ist ein Verteilungsproblem.
        Aber wie schnell leidet dann z.B. ein kleines Städtchen, wenn plötzlich Leute “einfallen”?

        • Auch diese Gedanken würde ich gerne lesen. Und natürlich reicht es für einen ganzen Beitrag 😀 bei wem denn sonst, wenn nicht bei dir.
          <3

  2. Da sprichst du mir aus dem Herzen, liebe Andrea. Aus diesem Grund mag ich auch deinen Blog ganz besonders gerne, denn damit inspirierst du mich immer wieder und bringst mich zum nachdenken – das ist wertvoll. 🙂

    Liebe Grüsse
    Nicole

  3. Liebe Andrea,

    ich stimme dir absolut zu. Über dieses Thema habe ich schon oft nachgedacht und dachte immer, ich stelle mich mal wieder zu sehr an.
    Mir schwirren schon einige Gedanken und Beispiele im Kopf umher, über die ich in einem Text berichten werde.

    Danke für diese Blogparade. Es brauchte sie wohl, damit ich meine Gedanken aufschreibe.

    Liebe Grüße
    Christine

    • Liebe Christine,
      ich musste mal meine ganze Wut ablssen und meine Bedenken und freue mich über jeden, der das Bewusstsein mehr anhebt, anstatt dem wilden Insta-Geposte nachzugeben. Insofern freu ich mich drauf, von dir zu lesen!
      Ganz liebe Grüße

  4. Vielen Dank für diesen wichtigen Artikel!

    Als Landschaftsfotograf liebe ich es, selbständig auf Entdeckungstour zu gehen. Schöne Bilder davon teile ich auf Instagram. Was ich aber nicht mehr mache, ist, den genauen Ort anzugeben. Der Landkreis, die nächstgrößere Stadt, das genügt, um dem geneigten Betrachter zu vermitteln, wo UNGEFÄHR das schöne Foto aufgenommen wurde. Genaue Angaben (z.B. Namen weniger bekannter Seen) oder gar Anreisetipps (“Hier parken”) gibt es von mir nicht.

    Ich persönlich finde schöne Orte durch Recherche (z.B. Google Earth) und Vorstellungskraft. Ist es dort nicht so schön wie gedacht, habe ich meist trotzdem eine tolle Wanderung mit meinem Hund 🙂

    “Geheim”-Tipps zu verteilen und das auch noch öffentlich auf Instagram ist Blödsinn.

    • Das stimmt total. Obwohl ich auch oft Geheimtipp zu meinen Städteartikeln schreibe. Was für eine blöde Angewohnheit, auf die du mich grade hingewiesen hast. Danke. Gegen Parktipps hätte ich gar nichts, aber sie sollten halt angemessen sein

  5. Hallo Andrea,

    ich schreibe nicht über alle Orte, die ich erkundet habe. Genau aus dem Grund, die Geheimecken auch geheim zu lassen.
    Bei Instagram bin ich genau aus dem kurzlebigen “Klick und Weg” Grund nicht. Man muss nicht alles zeigen, was man abgelichtet und entdeckt hat.
    Meine “Geheimtipps” sind eher Sehenswürdigkeiten, an denen viele vorbeilaufen ohne sie eines echten Blickes zu würdigen oder mal die Geschichte dahinter zu erkunden.
    Aber es ist und bleibt ein ewiger Zwiespalt und ich bin selbst manchmal in der Zwickmühle: schreibe ich oder lasse ich das.

    Liebe Grüße
    Liane

    • Liebe Liane, das ist ein toller Ansatz, der mir gefällt. Ich mache das meistens so: Orte, die mehr Touristen verkraften können, nenne ich. Andere eher nicht. Und Orte, an denen sowieso jeder ist, die nenne ich auch, aber andere eben nicht. Schön, dich mal wieder hier zu lesen.
      Liebe Grüße
      Andrea

  6. Hallo Andrea,

    ich habe den sogenannten sozialen Medien aus verschiedenen Gründen vor einiger Zeit vollständig den Rücken gekehrt. Einen dieser Gründe hast Du ja hier sehr treffend beschrieben. Hier hat sich eine sehr schräge Kultur entwickelt, der man schon lange die rote Karte hätten zeigen müssen. Aber der platte Kommerz gewinnt leider nach wie vor.

    Ich lese da lieber Blogs wie Deinen hier, das ist viel spannender und authentischer als die vielen Insta-Selbstdarsteller. Aber ganz ohne diese Medien geht es wohl doch nicht, und so bin ich nun seit ein paar Wochen auch selbst wieder bei Instagram aktiv.

    Mein Fokus ist die Fotografie, weniger der ausführliche Reisebericht, und ich beschreibe mal kürzer oder ausführlicher, wo die Bilder entstanden sind. Niemals mit dem Ziel, irgendjemanden im Sinne einer Sensation zu beeindrucken. Aber natürlich freut man sich als Autor aber auch, wenn Bilder und Texte Gefallen finden.

    Instagram habe ich mir da als nach wie praktisches Medium mit Reichweite ausgesucht und mich gerade erst über meine 200 Leser gefreut. Die Inhalte sind auch frei von Sensationstourismus oder verbotenen Geheimtips.

    Aber es regt sich inzwischen ja durchaus Widerstand gegen den ausartenden Missbrauch der Reichweiten, und durch Artikel wie Deinen hier werden hoffentlich auch weitere Instagram-Nutzer angeregt werden, einfach mal wieder den Verstand zu gebrauchen.

    Liebe Grüße, Rob

    • Lieber Rob, danke für deine Worte. Du sitzt auch in Hannover? Das ist ja praktisch 🙂 Auch ich mache viele Fehler, doch ich habe mir vorgenommen, immer weniger zu machen, denn Authentizität ist mir wichtig. Ich hoffe, dass sich diese Selbstdarstellerkultur auch irgendwann selbst überholt und tatsächlich weniger mehr ist. Viele Grüße
      Andrea

  7. Hallo Andrea, danke, denn dann geht dieser Eitelkeits-Hype vielleicht ein wenig schneller vorbei. Wer mag eigentlich noch all diese Hochglanzbildchen sehen? Satt, satter, überdrüssig 😉 Liebe Grüße, Annette

  8. Ilona erwähnt in den Kommentaren Bamberg und die Stadt ist ein gutes Beispiel. Man fragt sich in der Tat, warum schreiben eigentlich immer noch BloggerInnen über Bamberg? Steht denn da wirklich noch Neues drin, etwas worüber sonst noch nirgends berichtet wurde? Überlaufen wird die Stadt aber nicht der Blogs wegen, sondern auf Grund der Auszeichnung als Weltkulturerbe. Die BloggerInnen sind letztlich nur Trittbrettfahrer und wollen eben auch ein paar Euros vom Kuchen abhaben.
    Das Dilemma von Reiseblogs ist, dass meistens kein vertieftes Wissen über das bereiste Land oder die Gegend vorhanden ist. Um nicht nur umformuliertes Halbwissen zu produzieren, müsste man sich mit Geschichte, Archäologie, Politik, Religion, Kunst, Kultur, Geologie, Pflanzen- und Tierwelt auseinandersetzen. ReisebloggerInnen schreiben oft über Länder deren Sprache sie nicht verstehen und deren Schriftzeichen sie nicht entziffern können. Also bleibt nur ein paar Geheimtipps auszuforschen und schicke Fotos zu machen. Dazu kommt dann noch ein nichtssagender Werbetext.
    Aufhänger des Themas ist die so genannte Influenzer-Gumpe am Königsbach bei Berchtesgaden. Mangels echtem Wissen, wird versucht, mit spektakulären Fotos Likes zu erzielen. Man könnte stattdessen erklären, wie diese Gumpen entstehen, wie der dort aufgeschlossene Dachsteinkalk entstand, wie früher die gefällten Baumstämme mit der Technik des Nassen Holzfalls über den Königsbach in den See gelangten, über geschützte Pflanzen, die dort wachsen… Aber welcher Reiseblogger weiß darüber schon Bescheid? Man muss ja schnell zum nächsten Hotspot weiterhetzen.
    Ich denke nicht, dass wir uns als Blogger zensieren sollten. Aber wir sollten unsere Posts informativer und weniger werbend gestalten und nicht den Likes hinterherlaufen.

    • Lieber Alois,
      ich finde schon, dass man auch über Bamberg schreiben darf und wie es jeder tut, das bleibt ja ihm oder ihr überlassen. Geschichte kann auch kompliziert sein und den Zusammenhang zu bekommen, dazu hat nicht jeder Zugang. Du hast sicher Recht mit vielen der Dinge, die du ansprichst, aber auch ich verbreite ja kein tiefes Wissen, sondern Schmapschüsse. Und auch wenn ich eine Region wirklich gut kenne, weiß ich nicht, ob ich ihr gerecht werden kann überhaupt. Immer und sowieso. Im Glashaus sitzen, du weißt. Liebe Grüße

  9. Ein guter und vernünftiger Beitrag! Was auch immer wir in die Welt tragen, da haben wir einfach Verantwortung – egal ob’s um’s Reisen, Shopping oder was auch immer geht. Natur sollte geschützt werden, daher gehen wir auch nur auf gekennzeichneten Wanderwegen und der Hund ist auch an der Leine, weil gerade Setzzeit ist.
    Danke, dass du dir dieser Verantwortung auch bewusst bist.
    Liebe Grüße!
    Lana

    • Liebe Lana, danke für deinen Kommentar. Und eines noch: Wir machen alle genug Fehler und sind nicht perfekt, aber es geht letztendlich darum, was wir im Sinn haben und diese Fehler möglichst kein zweites Mal zu machen. Das fiel mir noch zu deinem Post ein. Liebe Grüße

  10. Liebe Andrea,
    Das Problem ist nicht das einzelne Medium, das Problem ist die Vielzahl – und fast alle zeigen halt nur die Schokoladenseiten. Ich gebe zu, auch ich lasse mich beeinflussen- und ganz oft bin ich enttäuscht, weil halt Bilder extrem bearbeitet und aufgehübscht wurden. Leider ist Bloggern und Journalisten oft nicht klar, welchen Hype sie auslösen können. Und ist es nicht schrecklich, dass bestimmte Städte mittlerweile am Tourismus ersticken und Naturschutzgebiete ohne Rücksicht auf Verluste gestürmt werden? Deshalb behalte ich bestimmte Tipps lieber für mich. Hier meine Überlegungen zu deiner Blogparade.

    https://bruder-auf-achse.de/verantwortungsvoll-bloggen-bleibt-oft-ein-frommer-wunsch/

  11. Auf Umwegen gerate ich gerade an diesen impulsiv und deshalb sehr schönen Beitrag. Das Thema beschäftigt mich seit Mitte März ganz besonders. Kurz zuvor war ich in der Pfalz auf Einladung einer Buchautorin. Wir drei Bloggerinnen haben damals schon beschlossen mit der Veröffentlichung unserer Artikel und auch mit der Werbung auf Insta, FB und Twitter zu warten, bzw. nur verhalten zu posten.

    Ebenso verfahren sind wir mit Hotspots (bei uns z.B. Blüte der Orchideen und Küchenschellen, der wilden Narzissen) weil wir das Entsetzen der Anwohner mitbekamen, welche Heerscharen an Ausflüglern in diesem Jahr dort unterwegs waren. Abstandsregeln ade

    Gut, wir Deutschlandblogger/innen haben vom lock down profitiert, weil Webseiten mit diesem Schwerpunkt stark gefragt waren. Abschalten wollte ich die natürlich auch nicht.

    Will aber sagen, ja ich sehe mich in der Verantwortung sorgsam mit dem umzugehen, was ich entdecke. Verortete Fotografien gibt es von mir sehr selten, weil selten Handyfotos genutzt werden. Das ist ein Vorteil, sehe ich gerade.

    Ich schreibe momentan keinen Beitrag zum Thema. Falls ich es doch tue, melde ich ihn Dir.

    Liebe Grüße und Danke für Deine Art und Weise die Welt und unser Tätigkeit als Informationsgegber/innen zu sehen.

    • Liebe Elke, oh, das sind aber schöne Ansätze, sie freuen mich wirklich. Du hast einen so schönen Blog und irgendwie finde ich, dass Küchenschellen und Co auch noch ne Weile ein Geheimleben führen dürfen.
      Liebe Grüße
      Andrea

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.