Unglaubliche Orte im Weserbergland

Unglaubliche Orte Weserbergland
Inhalt

Das Weserbergland ist mehr als Weserrenaissance-Architektur und Radfahren. Wusstest du, dass es dort Pyramiden gibt und Schwefelquellen?

1. Die Felsformation Adam und Eva im Ith

Sächsische Schweiz? Fichtelgebirge? Nein, Ith! Im Mittelgebirge bei Coppenbrügge gibt es spektakuläre Felsformationen, die nicht nur aussehen, wie aus dem Märchen, sondern auch ebensolche Namen tragen. Adam und Eva sind wohl die berühmtesten, ein langer, dünner Felsen und ein dicklicher, runderer, Wer welchen Namen trägt, ist leicht auszumachen, zumindest wenn man an Stereotypen glaubt. Die Wanderung zu Adam und Eva beginnt am besten am (ehemaligen) Gasthaus Felsenkeller in Coppenbrügge. Von dort aus ist der Weg ausgeschildert, es geht aber stellenweise bergan, also nicht unbedingt auf einen Spaziergang einstellen. 

Felsen Adam und Eva am Ith
Felsen Adam und Eva am Ith

2. Der Lügenstein von Brunkensen

Es ist eine Mutprobe der besonderen Art: unter dem Stein eine Frage beantworten. Bei Brunkensen klemmt nämlich ein dicker Steinklotz zwischen zwei steilen Felswänden. Er scheint auf geheimnisvolle Art zu schweben. Zum Glück ist seine Position schon sehr lange so waghalsig, denn dem Brocken wird nachgesagt, im Mittelalter ein Gerichtsplatz gewesen zu sein: Wer unter dem Stein nicht die Wahrheit spricht, der bringt ihn ins Rutschen. So jedenfalls lautet die Legende. Kein Wunder also, dass er auch als Lügenstein in die Geschichte von Brunkensen eingegangen ist. Übrigens hat er ein berühmtes Pendant – den Kjeragbolten in Norwegen: Auch dieser Felsbrocken sieht so aus, als würde er jeden Moment herabfallen.

Der Lügenstein ist nicht das einzige mystische Erbe der Gegend. Bekannter noch ist die Lippoltshöhle daneben. In ihr soll einst der Räuber Lippolt gehaust haben – mit einer entführten Schmiedetochter aus Alfeld als Geisel.

3. Münchhausens Spuren in Bodenwerder

Wenn wir übers Lügen reden, dann müssen wir auf jeden Fall einen Ausflug nach Bodenwerker machen. Dem Ort, in dem der Meister der Lügen geboren wurde: Baron Münchhausen, genau genommen hieß er übrigens Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, hat hier sein Leben verbracht. In Bodenwerder erinnert nicht nur ein Museum an den Mann mit den unglaublichen Geschichten, sondern auch Münchhausengrotte. Sie liegt etwas abseits des Münchhausen-Rummels in Bodenwerder und wird gegen Abend in besonderes Licht getaucht – unbedingt besuchen! 

4. Der Weser Skywalk

Skywalks gibt es nicht nur am Grand Canyon, sondern auch im Weserbergland. Spektakulär ist der Sonnenaufgang am Weser Skywalk bei Bad Karlshafen. Rund 80 Meter über der Weser schwebt dieser Aussichtsbalkon hoch über den Hannoverschen Klippen. Die Klippen sind übrigens eine geologische Besonderheit, der Buntsandstein ist so exponiert nach Süden ausgerichtet, dass er sich extrem aufheizt und somit auch wärmesuchenden Tieren wie vielen seltenen Schmetterlingen ein Zuhause bietet. Übrigens liegen die Klippen am Dreiländereck Niedersachsen, Hessen und gehören zu NRW. 

Sonnenaufgang am Weser-Skywalk
Sonnenaufgang am Weser-Skywalk

5. Pyramiden im Weserbergland

Pyramiden gibt es nur in Ägypten oder Mexiko? Weit gefehlt, es gibt sie auch in Niedersachsen. Diese steht im Schatten eines wunderschönen Schlosses. Doch der Reihe nach. Die Hämelschenburg soll der Sage nach das Schloss von Frau Holle sein und ist auf jeden Fall spektakulär anzusehen. Ein Geheimtipp aber befindet sich auf dem Rückseite des Schlosses, im angrenzenden Wald: Vorbei am Gestüt und dem gegenüberliegenden jüdischen Friedhof führt der Weg an in den Wald. Dort befindet sich das einzigartige, architektonische Zeugnis – eine echte Pyramide. Der Baumeister Georg Friedrich Ludwig Laves hat sie für die Familie von Klencke als Begräbnisstätte errichtet. Sie steht auf Privatbesitz und ist nicht zugänglich, der Blick ist dennoch beeindruckend.

6. Schloss Marienburg

Spätestens seit Maxton Hall ist es in die Riege der Traumschlösser aufgenommen: Das Schloss Marienburg in Nordstemmen steht eigentlich dem Schloss Neuschwanstein in Bayern in nichts nach, zumal es zuerst erbaut wurde. Doch die Bayern haben es schon immer verstanden, Sehenswürdigkeiten besser touristisch zu vermarkten und so blieb die Marienburg eher ein Dornröschen. Ein Dornröschen, das mittlerweile ein Sanierungsfall geworden ist und deswegen auch für Innenbesichtigungen geschlossen. Doch malerisch bleibt das Märchenschloss dennoch, wie es so am Hang thront.

Unser Märchenschloss war eher da als Neuschwanstein und hat die Bayern inspiriert, es der Marienburg nachzutun.
Unser Märchenschloss war eher da als Neuschwanstein und hat die Bayern inspiriert, es der Marienburg nachzutun.

7. Die Schwefelquelle in Bessingen

Diese Quelle habe ich durch Zufall entdeckt: Ich fuhr vorbei und las den Straßennamen „Schwefelborn“. Da Born das alte Wort für Quelle ist, hatte es sofort meine Neugier geweckt und ich bin abgebogen. Schon bald roch ich den Namensgeber dieses Weges: Tatsächlich stank es nach faulen Eiern, denn in Bessingen tritt eine Schwefelquelle aus der Erde. Übrigens ganz unaufgeregt. Während in anderen Ländern für solche Naturereignisse Eintritt genommen wird, haben die Bessinger ihre Quelle einfach eingefasst und jeder kann dort hinwandern. Übrigens gibt es noch eine zweite Schwefelquelle, sie befindet sich in Stadthagen.

8. Der Wasserbaum von Ockensen

Was ist denn bitteschön ein Wasserbaum? Wer dieser Frage auf den Grund gehen möchte, der sollte sich nach Salzhemmendorf aufmachen, genauer gesagt nach Ockensen. Dort regnet Wasser aus einem Baumstamm – kein Wunder, dass die Menschen ihm den Namen Wasserbaum gegeben haben. Was wie ein Naturwunder aussieht, ist menschengemacht. Vor über 100 Jahren kam ein findiger Handwerker auf die Idee, seine Mühlteiche für den Antrieb der Sägen zu nutzen. Dazu installierte er ein Rohr, aus dem das Wasser sprudelte. Im Laufe der Zeit arbeiteten Wasser, Mineralien und Rohr ein eigenes Kunstwerk aus. Heute ist das alte Rohr mit Moos und Kalkablagerungen überwuchert – es wirkt wie ein lebender Baum, aus dem das Wasser unaufhörlich fließt.

9. Süntelbuchen

Was sind das denn für merkwürdige Bäume? Sie sehen aus wie Hexenbäume, kein Ast gerade, die Krone wächst nach unten wie ein Schirm. Die Süntelbuche stammt, wie der Name schon verrät, aus dem Süntel, einem mehr als 400 Meter hohen Gebirgszug westlich des Deisters. Dorther stammen die Süntelbuchen, die vor allem in der Süntelbuchenallee in Bad Nenndorf zu finden sind, aber auch überall sonst in der Region, etwa in Lauenau oder in Bad Münder oder oben am Dachtelfeld. Einfach mal die Augen offenhalten bei einem Spaziergang. Ein schönes Exemplar der Süntelbuchen steht beim Gasthaus Ziegenbuche in Bad Münder. 

10. Gierseilfähre Polle und die Aschenputtelburg

Wer die Weser überqueren will, der muss nicht nur Brücken suchen. Zwischen Polle und der anderen Weserseite verkehrt eine Fähre. Wer sie nimmt, entschleunigt auf natürliche Art und Weise, denn die Fähre gleitet langsam ans andere Ufer. Wer mitfahren will, zahlt 2,50 € für einen PKW – das Erlebnis ist wirklich einmalig. Am besten kommt man von der anderen Weserseite und nimmt sich Polle als Endstation vor, dann hat man das beste Panorama auf die Aschenputtelburg in Polle. 

11. Lappland im Solling

Hoch oben im Solling, nahe des Ortes Silberborn, liegt ein Platz, der wie aus einem anderen Land entflohen zu sein scheint: Dort leben Rentiere und Huskies und wer Glück hat, sieht auch Schlittenhunde vorbeiziehen. Oben im Solling hat Axel Winter seine kleine Wildnis-Farm und bietet unter anderen auch Kurse an. Dort kann man aber auch mit dem Wüstenbussard auf dem Arm spazieren gehen oder eine Hundeschlittentour buchen. Er baut dort gerade seine Lodge im Lapplandstil weiter aus. 

12. Rapunzel in Bad Karlshafen

Das Weserbergland ist ein Märchenland: Die sieben Berge gibt es bei Alfeld (dort, wo Schneewittchen gewohnt haben soll), Höxter ist die Hänsel und Gretel-Stadt mit dem entsprechenden Brunnen, Baron Münchhausen kommt aus Bodenwerder und in Polle soll Aschenputtel gewohnt haben. Die Gebrüder Grimm hatten offensichtlich alle Hände voll zu tun, als sie im Weserbergland unterwegs waren und Geschichten aufzeichneten. In Bad Karlshafen gibt es einen Turm, der sieht aus, als würde dort Rapunzel persönlich gewohnt haben. Er befindet sich an der Ecke von Weser und Diemel nahe der Anlegestelle zum Weserdampfschiffhafen.

13. Mystische Krukenburg

Ruinen können so unglaublich schön sein. Wenn dann noch der Ausblick stimmt, weil sie auf einem Burgberg liegen, dann noch viel mehr. Die Krukenburg ist eine Schwesterburg der berühmten Sababurg und gehört mit der Trendelburg zu den nordhessischen Burgen im Reinhardswald. Sie steht in Helmarshausen und das Spektakuläre an ihr sind nicht nur ihre Burgruinen, die sich an den Hügel schmiegen, sondern sie bietet auch noch einen fantastischen Ausblick auf das Diemeltal. Besonders beeindruckend ist der Kirchenbau in der Mitte der Burg, er stammt aus dem Jahr 1107. Dort soll sich auch eine frühchristliche Tauf- und Kultstätte befunden haben, man sagt, die Kirche sei der Grabeskirche in Jerusalem nachempfunden. 

14. Schwefelquelle und Lusthaus in Stadthagen

Stadthagen ist bekannt als Stadt der Weserrenaissance mit dem Haus Amtspforte, dem Fürstenmausoleum und dem Schloss. Doch es gibt zwei wirklich beeindruckende Sehenswürdigkeiten jenseits der bekannten. Da ist zum einen das Lusthaus im Schlosspark. Ein ehemaliges Lusthaus für die Fürsten, das heute zum Café umgewandelt wurde und eine herrliche Atmosphäre bietet, weil man sich fühlt, als säße man direkt auf dem Wasser. Zum anderen lohnt sich von dort aus eine kleine Radtour zur Schwefelquelle im Heisengrund. Ein Wanderweg führt von Wendhagen dorthin. An der Quelle gibt es auch ein Kneipp-Tretbecken. Dort sprudeln immerhin 1600 Liter pro Stunde aus dem Erdreich, immer mit einer konstanten Temperatur von +2 Grad. 

15. Das Märzenbecherwunder am Schweineberg

Im März wird es am Schweineberg in Hameln weiß: Dann stecken Tausende von Märzenbechern ihre Köpfe aus dem Laub und beginnen zu blühen. Die Märzenbecherblüte am Schweineberg bei Hameln ist ein riesiges Naturspektakel und lockt Besucher von nah und fern. Immerhin wächst dort eines der größten Märzenbechervorkommen Deutschlands. Bei einer Wanderung lassen sich die Blüten herrlich bewundern – und anschließend lockt das Forsthaus Heisenküche zur Einkehr. 

15. Wundersame Grabanlage tom Roden

Unweit des berühmten Kloster Corvey in Höxter befindet sich eine ungewöhnliche Grabanlage – dort befand sich einst eine Kirchenanlage. Sie hieß tom Roden und nur noch Teile davon lassen sich heute als Bodendenkmale erkennen. Wer also beim Kloster ist, sollte sich diesen unscheinbaren Platz nicht entgehen lassen. Die alten Steine erzählen mehr Geschichten als man glaubt. 

Du möchtest mehr lesen? Hier findest du meine aktuellen Beiträge.

Wer schreibt hier?

Hallo! Ich bin Andrea Lammert. Als Wegreisende, Bücherschreibende und Bloggerin bin ich stets auf Achse.

Beliebte Artikel

Meine Bücher

Indigoblau wie...

...der Himmel zur blauen Stunde, tiefes Meer, das 3. Auge, ein Nazar-Amulett, mongolische Gebetsschals, der Mantel der Jungfrau Maria, Weite, Unendlichkeit und Harmonie, Türen in Marokko und Fensterrahmen in Griechenland, Tücher der Tuareg... und was fällt Euch zu dieser Farbe ein?

"Die Erde ist blau wie eine Orange"

Paul Eluard