Ach, Euböa!

Euböa, Waldbrand, Feuer

Die zweitgrößte griechische Insel brennt. Waldbrände wüten und zerstören grade etwas, was mich damals unglaublich beeindruckt hat: Den Pinienwald auf Euböa. Ein Nachruf.

Die Bilder sind so schrecklich, dass es mir spontan die Tränen in die Augen treibt. Der Pinienwald von Euöa brennt. Orangerot gefährlich verschlingt das Flammenmeer das, was mich an der Insel vielleicht am meisten beeindruckt hat. Klar gibt es auf Euböa auch schöne Strände wie Metoxi oder Pefki, doch wirklich berührt hat mich die grüne Lunge der Insel. Der wunderschöne Pinienwald.

Wälder auf Mittelmeerinseln sind selten, oftmals sind sie Ferienhäusern oder Neubausiedlungen, Straßen und Supermärkten gewichen. Nicht so auf Euböa, denn die Insel hat sich immer noch ihren Geheimtippcharakter bewahrt. Obwohl sie die zweitgrößte griechische Insel ist, obwohl sie so leicht von Athen aus erreichbar ist, machen wohl mehr Griechen auf Euöa Urlaub als Deutsche. So kann es leicht passieren, dass man in einer Taverne oder einem Laden landet, in dem die Mitarbeiter wirklich nur Griechisch sprechen und Besucher Hände und Füße zur Hilfe nehmen müssen, um sich zu verständigen. Andenken auf Euböa? Muss man lange suchen, ebenso wie die typischen schnelllebigen Touristenbegleiter wie Shops mit Barbies und Schwimmhilfen. Dafür gibt es viele Bauernstände oder Menschen, die aus dem Kofferraum ihres Autos heraus ihre Ernte verkaufen. Ich habe auf diese Weise einmal eine riesige Melone gekauft, war mir aber bis zum Schluss nicht sicher, ob es nicht doch ein Kürbis wäre…

Euböa, Pinienwald
Typisch: Olibenhain zwischen den Pinienwäldern auf Euböa.

Euböa ist bekannt für vieles, doch oftmals sind es grade die Dinge, die eben nicht in den Reiseführern stehen, die uns anziehen und begeistern. So war es bei mir, als wir im Oktober auf der Insel waren und ich diesen Duft das erste Mal eingeatmet habe. Pinienduft. Wunderbar würzig und unglaublich wohltuend. Dass es einer der größten Pinienwälder auf den griechischen Inseln ist, das habe ich damals nicht gewusst. Jetzt brennt er. Der Waldbrand auf Euböa ist unter anderem hier zu sehen.

Euböa, Pinienwald
Alpenveilchen

Mindestens 35.000 Hektar Wald stehen in Flammen, rotglühend und als schwarze Stümpfe bleibend. Was für ein Verlust. Die Bäume zogen sich bis auf eine Berghöhe von 1000 Metern hinauf, leuchteten mit ihrem Frühlingsgrün so lebensfroh und sorgten für eine ganz besondere Luft. Die Klimaanlage der Insel brennt, sie hat dafür gesorgt, dass es auf Euböa nie so drückend war wie auf anderen Inseln. Was das jetzt mikroklimatisch für Auswirkungen haben könnte, das müssen andere erforschen, sicher ist: Es wird Auswirkungen haben und zwar keine guten.

Euböa, Pinienwald
Der Ort Edipsos war für viele kein Ferienort mehr, sondern die letzte Rettung, um mit der Fähre aufs Festland evakuiert zu werden.

Waldbrände sind immer etwas Schlimmes, aber als ich von dem von Euböa gehört habe, wusste ich, dass es vielleicht noch einen Tucken schlimmer als schlimm ist.Denn die Menschen dort sind tatsächlich noch arm. Leben vom Verkauf von Oliven oder Honig. Was ist, wenn das alles jetzt einfach so verbrannt ist, was den Lebensunterhalt sichert? Schon eine Woche brennt es, auch wenn die Nachrichten darüber langsam weniger werden, bleibt die Tatsache nicht minder schlimm. Der Wald ist auch eine eder Lebensgrundlagen auf der Insel. Nicht nur für die Bauern, die dort an den Kiefern Plastiksäcke aufgehängt haben. Mit gezielten Schnitten in die Rinde „melken“ sie Bäume, fangen das Harz in Plastiktüten auf und benutzen es für den Retsina-Wein. Tja, das kann lange dauern, bis es wieder soweit sein wird.

Euböa, Pinienwald

Wer auf Euböa war, weiß, dass die Insel mehr als andere in Griechenland von dörflicher Struktur geprägt ist. Ich kann mich noch erinnern, wie ich die Feuerwehrleute gesehen habe, wie sie in ihren Autos Tag und Nacht im Wald Wache schoben, um eben genau das zu verhindern, was jetzt passiert ist.

Im Kiefernwald standen im Herbst immer viele Bienenstöcke, um den Honig dort zu gewinnen. Das wird nun dieses Jahr ebenso wenig möglich sein, wie Wanderungen zum Drymonas- Wasserfall mit seinen wunderbar duftenden Wäldern und den kleinen Flüsschen, denn in der Nähe wüteten die Feuer. Alpenveilchen wucherten unter den Pinien wie Unkraut, Orchideen honnte man finden, das alles ist mit verbrannt. Ursprüngliche Natur, einfach so weg. Unfassbar eigentlich.

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Rauchschwaden verdunkelten die Sonne, die Bilder waren einfach schrecklich. Aus wenn es jetzt scheint, als ob der Brand sich langsam zurückzieht, auch wenn es scheint, dass alles unter Kontrolle ist, wird der Schaden groß sein. Denn zurück bleibt eine riesige Narbe – in der Landschaft, aber auch in den Seelen der Bewohner. Eigentlich ein Grund, grade jetzt dorthin seinen Urlaub zu planen. Wenn das Reisen grade jetzt nicht so schwer wäre. Die Menschen dort hätten Touristeneinnahmen bitter nötig und vielleicht auch die damit wiederkehrende Hoffnung, dass aus Altem wieder Neues wachsen kann.

Mehr über Euböa habe ich schon hier geschrieben. Und hier gibt es Tipps für Euböa.

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