Beim Schamanen in der Mongolei

Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane, Ulan Uul

Manchmal spielt das Leben merkwürdige Geschichten mit kaum zu glaubenden Zufällen. Soetwas habe ich bei meiner Reise erlebt, als ich im Tal der Schamanen in der Mongolei zu Gast war.

Die Vorgeschichte

Mongolei – wie schön fremd klingt dieser Name. Er hat irgendetwas Unberührtes in sich und mir sofort weite, kahle Landschaft assoziiert. Wohl nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen. Bevor ich losfuhr, drückte mir meine Freundin ein Buch in die Hand: „Hier, lies das mal, das erzählt von der Mongolei.“ Es hieß „Der Pferdejunge“ und spielte im Norden des Landes. Eine Familie macht sich mit ihrem autistischen Sohn auf die Reise, weil sie Heilung sucht. Es ist eine packende und spannende Geschichte, die sofort meine Reisesehnsucht weckt. Ich schlage in meinem Mongolei-Programm nach und sehe, dass ich fast genau in diese Region des Landes fahren werde. Nur leider ist unser Weg weiter östlich avisiert und dabei würde ich doch gerne in den Westen – in das Tal der Schamanen in der Mongolei, zu den heiligen Quellen und magischen Plätzen. Aber unsere Tour ist entlang des Ostufers des Hovsgol-Sees geplant.

Angekommen in der Mongolei

Als wir vor Ort sind und ich vor Faszination für diese unberührte Weite alles vergessen habe, was ich in Deutschland wollte und fast ständig nur in dem Moment bin, macht mich ein Satz unserer Reiseleiterin Ono plötzlich sehr wach: „Am Ostufer des Hovsgol-Sees sind die Wege überschwemmt, dort können wir nicht fahren. Wir müssen unsere Route ändern und fahren in den Westen.“ Als sie die Gegend auf der Karte zeigt, sehe ich, dass es das Tal der Schamanen ist. Ich kann es irgendwie nicht glauben.

Im Tal der Schamanen

Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane,Nach einigen Tagen am Hovsgol-See fahren wir nach Ulaan Uul – eines der unberührtesten Täler des Landes. Ich habe immer wieder nach einem Besuch beim Schamanen in der Mongolei gefragt – und immer wieder skeptische Blicke unserer Reiseleiterin geerntet. Eigentlich sind wir ja hier, um uns über den Umweltschutz in der Mongolei schlau zu machen und später darüber zu berichten. Ich bleibe hartnäckig und erfahre dann: „Die Schamanen sind für uns eine wirklich ernste Sache“, sagt sie mit Ehrfurcht in der Stimme. „Man muss aber den richtigen finden, es wird auch viel Schindluder damit getrieben. Manche geben sich für die Touristen auch nur als Schamanen aus.“ Gut, dann vertraue ich mal, dass alles schon so passen wird. Und es ist ja auch schon so viel Zufälliges passiert: In dem Buch „Der Pferdejunge“ ging es im Heilende Quellen, Heilige Orte und wie die Landschaft die Menschen doch in ihrem Inneren verändert. Wir waren auch an heiligen Orten, besuchten ein Mitsommeritual und ich traf auf Menschen, die mir sagten, wenn ich zum Sonnenaufgang am Seeufer meditiere, dann spüre ich eine besondere Kraft. All das hatte ich ausprobiert, habe an den heiligen Stätten Wodka geopfert und gesungen – so wie es die Mongolen eben auch tun. Nur der Schamane fehlte noch.

Unsere Zeit nähert sich dem Ende zu und immer noch haben wir keinen Schamanen in der Mongolei getroffen. Am vorletzten Tag vor unserer Abreise schließlich ist es soweit. Morgens sitzt er mit uns am Lagerfeuer, in seinem roten Wollmantel gehüllt wie die anderen Mongolen hier auch. Trotzdem erkenne ich ihn sofort und nicke ihm zu.

Weiße und schwarze Schamanen

Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane, Ulan UulEr nickt zurück, es ist wie ein stilles Erkennen. Zur Begrüßung reicht er eine Dose Schnupftabak herum, ein übliches Begrüßungsritual in dem Land. Und dann beginnt er zu erzählen, sein erster Satz allerdings macht mir Angst: „Es gibt weiße und schwarze Schamanen in der Mongolei. Ich bin ein schwarzer, das sind die mächtigsten.“ Ich muss an schwarze Magie denken und spüre Beklemmung in mir aufsteigen. Einige Sekunden länger als erwartet ruhen seine Augen dabei in denen des Anderen als ob sie direkt bis ins Innere sehen. „Alles, was wir Mutter Erde antun, kommt zu uns zurück“, sagt er. Wodka macht die Runde, mit einer selbstverständlichen Handbewegung spritzt der Schamane einige Tropfen des Schnapses als Opfergabe in die Luft, bevor er trinkt. Es wird immer erst den Naturgeistern geopfert. Ein schöner Brauch, den ich auch von anderen Schamanen kenne.

Yakdung gegen Mücken

Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane, OvoEr kräuselt die Stirn und richtet seine braunen Augen in die fernen Berge. Die die vom grünen Flaum bedeckten Gipfel hüllen sich in Nebel. Vor der kleinen Anhöhe weiden Pferde, sonst ist nirgendwo ein Zeichen von Zivilisation zu sehen. „Die Berggötter sind zornig“, stellt er fest. „Illegale Bergleute haben Mutter Erde beklaut und ihr Gold geraubt.“ Das sei eine ernste Sache und bleibe nie ohne Folgen. Es werde Jahre dauern, bis sie sich wieder beruhigen, sagt der Schamane und hat seine ganz eigene Erklärung für die kriminellen Auswüchse des Goldrausches. Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane, Ulan UulAuch die Natur leide: „Unsere Flüsse trocknen aus, die Gräser werden dünner.“ Deswegen opfert er zum Sonnenaufgang Milch. Er wirft sie vorsichtig mit einem Holzlöffel gen Himmel und versenkt sich anschließend in tiefes Gebet, um die Gegend von dem Fluch zu befreien. Während ich ihm zusehe und wieder einmal merke, wie viel Ruhe und Frieden Schamanen ausstrahlen, wenn sie einfach nur das sind. In dicken Schwaden räuchert derweil der getrocknete Yakdung am Lagerfeuer vor sich hin und vertreibt mit seinem würzigen Geruch die Taigamücken. Der Schamane ist heute nicht bereit für ein Ritual, weil der Mond ungünstig steht, so sagt er. Und mir fällt ein wenig ein Stein vom Herzen, mit dem schwarzen Schamanen wäre mir das jetzt auch irgendwie unheimlich. Diese Begegnung hätte mir völlig gereicht, um einen mongolischen Schamanen zu treffen.

Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane, Ulan UulAm Abend erscheint Ono und kündigt einen Besuch bei einem anderen Schamanen in der Mongolei an. Ich wundere mich, weil ich dachte, der Mond stehe nicht gut? Aber wir starten – um Mitternacht. Davon werde ich euch im zweiten Teil mehr berichten.

Die Reise wurde unterstützt vom Global Nature Fond – danke dafür!

Eine weitere, sehr traurige Mongoleigeschichte findet Ihr hier. Und warum die Bilder fast identisch sind mit dieser hier, erzähle ich im nächsten Beitrag.

 

 

 

 

 

 

 

18 Kommentare

  1. genau und schließe mich Micha an !!! Ein Land das man zwar kennt aber wahrscheinlich die wenigsten schon mal besucht haben. Stelle mir so das Weite und Unendliche vor ! Riesige Steppen ect. Wahrscheinlich auch eine sehr geringe Bevölkerungsdichte zur Größe gesehen.
    PS. tolle Fotos als Beilage zur Geschichte !!!! Manni

    • Lieber Manni,
      danke, das ist ja lieb. Das mit den Fotos war ein großes Problem, dazu schreibe ich in Teil 2 mehr. Und die Mongolei, ja, das ist ein wirklich großartiges Land. Es ist das am geringsten dicht bevölkerte Land der Welt, unglaublich schön. Danke für deinen Kommentar, ich freu mich drüber
      Liebe Grüße
      Andrea

    • Vielen Dank, das freut mich aber sehr. Es wird noch viel mehr Mystisches geben hier. Ist ja mein Spezialgebiet. Und Mongolei wirst du auch hier öfter finden.

  2. Hallo Andrea, der Beitrag ist total interessant, man kann sich das bildlich gut vorstellen. Die Fotos sind wunderschön. Denke, das dies bestimmt eine recht abenteuerliche Reise ist! Bin schon gespannt darauf, wie es weiter geht…liebe Grüße Eva

    • Liebe Eva,
      Danke dir! Die Reise war vor allem im Inneren spannend. Das kann ich gar nicht so fotografisch abbilden :-). Aber du wirst ja mehr lesen. Liebe Dank deine lieben Worte.
      Andrea

      • 🙂 vielen Dank für die zauberhaften Grüße. Und ich wäre unbedingt für einen 3. Teil. Genau genommen langt der kurze Kommentar nur begrenzt für die ganzen Eindrücke. Also lehne ich mich mal zurück und wünsche dir ein entspanntes Wochenende.

        Nächtliche Grüße 🙂

  3. Mit welcher Organisation warst du da unterwegs? Wir wollten auch schon länger mal in die Mongolei, gerade mit einem Schamanischen Schwerpunkt. Das klingt spannend.

      • Liebe Ilona, ja, das war eine Pressereise. Ich werde hier noch erstmal meine Berichte fertig schreiben und dann zum Reisen in der Mongolei allgemein. Oder wir tauschen uns mal so aus, geht ja auch 🙂 Danle für die Kommentare und das fleißige Lesen. Bist du auch schamanisch interessiert? Find ich spannend. Guck mal: http://schamanen-garten.de/ – mein zweiter Blog, der gerade etwas hinterherhinkt, weil ich diesen hier aufbaue. Liebe Grüße
        Andrea

  4. Pingback: Beim Schamanen in der Mongolei - Mitternachtssitzung mit Geisteranrufung

  5. Pingback: Interview mit Maurizio Biancarelli: Naturfotograf aus Italien

  6. Pingback: Magische Plätze auf El Hierro: Besondere Bäume und Wege

Du möchtest mir dazu etwas sagen? Nur zu!