Tee aus Pilzen? Pfifferlinge in süß eingelegt als Dessert? Soetwas kann sich nur ein Biologe ausdenken. Lefteris Lachouvaris ist pilzverrückt und einer meiner Tipps für Euböa. Seine Leidenschaft ist nicht nur sein Beruf, sondern er hat richtig Erfolg damit und versorgt fast ganz Griechenland mit seinen Austern- und Shiitake-Pilzen.
Manche Menschen bekommen ihre besten Ideen, wenn sie Scheiße rühren müssen. Kein Witz. Lefteris Lachouvaris kam hoffnungsfroh nach Deutschland, um bei einem bayerischen Champignonzüchter zu jobben. Dass er allerdings auf diese Weise in die Pilzindustrie hineinschnuppern würde, hätte er sich in seinen kühnsten Alpträumen nicht zusammenreimen können. „Ich musste Pferdemist und Hühnerkot rühren und mischen, den ganzen Tag lang“, erinnert er sich heute mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Leidensgeschichten sind eben noch immer die besten. „Am ersten Tag habe ich nur gebrochen, am zweiten ging es.“ Eine Folter, die sich lohnen sollte.
Während andere Reißaus genommen hätten, erkannte der Grieche schon bald die Chance der Pilzzucht und passte sehr genau auf, was sich in dem Unternehmen tat. Doch froh war er auch, als er Wochen später vom Rührer wegkam. „Ich habe mich dann später erneut für ein Praktikum in einer Pilzfarm beworben, dieses Mal in Norddeutschland, sie war kleiner und ich musste auch keine Exkremente mischen.“ Der Biologe lernte, wie man Shiitake-Pilze zum Wachsen bringt und Austernpilze schießen lässt. Er lernte Zitronensaitlinge kennen und Morchel schätzen. Pilze? Das muss doch auch in Griechenland gehen, überlegte er sich und experimentierte herum. Nicht lange. Schon bald entstand seine Pilzfarm Dirfis in Kathenoi auf Euböa.
In seiner Zucht experimentiert er heute gerne herum. Denk sich Tees aus, die zwar nach Süßholz schmecken, aber Shiitake-Pilze in sich haben. Oder Schokolade mit Pilzen. Ganz besonders überraschend fand ich die Pfifferlinge, die er so süß eingelegt hat, dass sie eher wie Kompott schmecken als nach Pilzen.Ist zwar witzig, aber ich mag es mehr, wenn es danach schmeckt, was drauf steht. Und Trüffel gehen sowieso immer. Lefteris hat schwarze Trüffel in Öl eingelegt und, besonders schmackhaft, im Käse. Schwarze Trüffel wachsen auch auf der Insel, wo wird natürlich nicht verraten. Aber dieses Aroma! Vom Käse bleibt kein Stück übrig.
Er führte uns auch in seine Zuchthäuser, die immer ein konstantes feucht-kühles Klima halten müssen. Dort wachsen Austernpilze, Zitronensaitlinge und Shiitake-Pilze.
Mit prüfendem Blick geht er durch seine Reihen und denkt sich bestimmt schon wieder neue, lustige Dinge aus, die er aus seinen Pilzen herstellen kann. Er ist mit den Pilzen so erfolgreich, dass er inzwischen ganz Griechenland mit seinen Pilzen beliefert und dort 85 Prozent des Marktes abdeckt. Übrigens: Klar war für ihn immer: In seine Pilzzucht kommen keine Exkremente! Davon hat er wirklich die Nase voll.
Die Reise wurde unterstützt von der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr – danke dafür!
Weitere Geschichten aus Euböa, auch Evia genannt, findet Ihr hier und hier gibt es Rezepte für ein Olivenbrot oder süße Loukoumades.. Und auf dem Blog Travel-Food-Art, schaut mal hier.
4 Antworten
Ich bin leidenschaftliche Pilz-Sammlerin. Aber ganz ehrlich, am liebsten esse ich Pilze als Pilze.
Liebe Bea! Ja, so geht es mir auch. Aber ich mag es auch exotisch und finde es toll, was er auf die Beine gestellt hat und dann diese Wuchsformen der Pilze, einfach schön. Danke übrigens fürs fleißige Kommentieren <3