Wenn die Heide blüht und die sonst eher verlassenen Wege schwarz vor Menschen sind, die dieses Naturschauspiel nicht verpassen möchten, lohnt es sich früh aufzustehen. Bei einer Sonnenaufgangswanderung in Undeloh hat man die lila blühende Fläche fast ganz für sich allein.
Start im dunklen Wald
Es ist dunkel. So dunkel, dass ich den Weg im Wald nicht finden würde. Doch ich habe zum Glück meine Hündin dabei, sie findet immer den Weg. So tapse ich vorsichtig der strammen Leine hinterher und sie zieht mich in den Morgen.
Mal sehen, wohin, vielleicht stehen wir zwei auch gleich vor einer Kaninchenhöhle. Gibt es überhaupt Kaninchen in der Heide? Wir wandern weiter, als mir einfällt, dass diese Gegend ja auch bekannt ist für die Wölfe. Es ist schon sehr, sehr dunkel. Und ehrlich gesagt, ist mir mehr als ein bisschen mulmig. Doch die Sonne muss ja bald aufgehen, dann ist sicher alles anders.
Im Wald ist es stockfinster und ich weiß auch nicht, ob wir richtig gehen. Doch tatsächlich wird es so langsam heller und Grautöne setzen sich im Schwarz ab. Der prasselnde Regen hat die Bäume mit einem Netz aus Tropfen beschenkt, die langsam herabfallen.
Ich stehe am Ende des Waldes und vor mir müsste Heidefläche liegen, doch gestern abend sah dieses Stückchen Weg ganz anders aus, dort gab es eine Bank und eine Eiche, beides ist nicht in Sicht. Wir scheinen uns verlaufen zu haben.
Wege zum Wilseder Berg
Zum Glück führen wohl alle Wege aus Undeloh zum Wilseder Berg, denn das schwache Licht schimmert jetzt so, dass ich den in den Stein gestemmten Wegweiser erkennen kann: Wilsede, links abbiegen.
Wir kommen zu einer Bank, der Himmel färbt sich nachtblau. Ich genieße den Blick auf den Lichtfleck, der sich genau über dem Wald zeigt, aus dem wir eben gekommen sind.
Weiter geht es, doch das Licht will sich nicht so recht zeigen, Wolken hängen tief, alles ist eher grau und farblos. Dafür kann ich jetzt gut sehen und erkenne weite Heideflächen, Wacholder und kleine Eichenwälder. Eine wunderschöne Landschaft, die nicht von Straßen und Siedlungen durchzogen ist.
Weite Sicht und Picknickplatz
Nach etwa eineinhalb Stunden erreiche ich den Wilseder Berg, der auch als das Herz der Heide gilt. Mit seinen 169 Metern ist er die höchste Erhebung der Lüneburger Heide. Tatsächlich umgibt ihn etwas Erhabenes, der Blick reicht weit, mit Glück sogar bis Hamburg.
Doch das Schönste sind die tiefhängenden Wolken, die der Landschaft Struktur verleihen. Die verschiedenen Blautöne, die die Hügelketten immer weiter in der Ferne abgrenzen. Als ich oben ankomme, sitzen schon zwei Frauen auf einer Bank und frühstücken in den Sonnenaufgang aus ihren Brotdosen.
Eine kurze Rundtour auf dem Wilseder Berg führt vorbei an Steinmännchen, einer Hütte und Bänken, von denen aus man eine wunderbare Fernsicht genießt.
Während ich mich über die tiefhängenden Wolken freue, entschließt sich die Sonne durchzubrechen und schickt ihre Lichtstrahlen in die Landschaft. Jetzt strahlt die blühende Heide in einem wunderbaren Lila, daneben gelb-verdorrtes Gras – Komplementärfarben, die die Landschaft spannend wirken lassen.
Perlen von Tautropfen
Ich suche meinen Weg zurück, finde Gräser und Spinnweben über und über mit den Perlen der Tautropfen benetzt. Bis auf die beiden Frauen auf dem Berg habe ich keinen Menschen getroffen, es ist wunderschön, die Heide für sich zu haben.
Als ich den Parkplatz erreiche, kriechen die ersten Camper aus ihren Wohnmobilen und machen sich startklar, Autos parken ein. Mein Tageshighlight liegt schon hinter mir. Ich sollte das öfter machen, denn morgens, im Schweigen zu wandern und so großartiges Naturkino zu erleben, hat mich durch den ganzen Tag getragen.
Wann blüht die Lüneburger Heide?
Anfang August bis Anfang September ist der Zeitraum, in der sich die Flächen der Lüneburger Heide lila färben.
Ihr wollt mehr über die Lüneburger Heide lesen? Dann surft doch mal rüber zu meinem Artikel über den Korbimker in der Lüneburger Heide. Auch Tanja vom Blog Spaness hat über die Heide geschrieben. hüpft doch mal rüber.
Eine Antwort
Moin liebe Andrea, ich bin auch immer gerne in Wilsede durch die blühende Heide gewandert. Diesmal habe sie in Dänemark in Graerup blühen sehen. Das war auch schon. Danke für Deine schönen Heide-Erinnerungen