Elberadweg von Prag nach Deutschland (Etappe 2)

Elberadweg Tschechien, Veltrusy, Schloss

Der Elberadweg ist der beliebteste Radweg Deutschlands. Doch jenseits der Grenze hat die Route am Fluss entlang viel zu bieten – etwa am Elberadweg Tschechien. Nachdem ich Euch neulich schon von Prag nach Mělník mitgenommen habe, geht es heute weiter gen Westen.

Elberadweg, Tschechien, Melnik,Das Schloss von Mělník  thront wie eine stolze Königin über der Landschaft. Von hier haben wir einen schönen Ausblick auf Moldau und Elbe, die sich hier vereinen. War die Elbe vorher noch ein unscheinbarer, schmaler Fluss, wird sie nun majestätisch breit mit dem eingesammelten Wasser der Moldau. Wir verlassen die Stadt und überqueren die Elbe.

Elberadweg, Tschechien, Melnik, SchleuseAls wir die Schleuse hinter uns gelassen haben, wandelt sich auch die Landschaft. Farbenfroh blühen Kamille und Raps an dieser Seite des Elberadwegs. Mein sportlicher, belgischer Kollege Guy macht lauter Faxen und pflückt mir im Vorbeifahren ein paar Mohnblumen. Ich hingegen muss ja gestehen, dass ich nicht mal freihändig Radfahren kann.Elberadweg, Tschechien, Veltrusy, LeitmeritzElberadweg, Tschechien, Veltrusy, Leitmeritz Ich merke wieder, wie sehr ich Radfahren mag, die Freiheit, überall hinzufahren ohne durch Fahrpläne oder Tankstellen eingeschränkt zu sein, die frische Luft in der Nase und vor allem das Reisetempo. Nicht zu schnell, sondern genau richtig, um die Feinheiten der Landschaft aufzunehmen. Hopfen für das berühmte tschechische Bier rankt dort an Stangen hoch, im Himmel jagt gerade eine Krähe einen Falken, ein imposanter Kampf. Ich kann einfach anhalten und zuschauen. Wunderbares Radfahren auf dem Elberadweg Tschechien.

Auf der Fähre

Elberadweg, Tschechien, ElbfähreElberadweg Tschechien, ElbfähreWir müssen auf die andere Seite der Elbe, aber weit und breit ist keine Brücke zu sehen. Lukáš unser Guide weiß sich zum Glück zu helfen. An einem unscheinbaren Zaun mit einer ebenso unscheinbaren Klingel läutet er. Heraus kommt der Fährmann. Wir tragen unsere Räder auf das floßähnliche Gefährt, das ganz ohne Motor auf die andere Seite schippert. Umweltfreundlicher geht es nicht auf dem Elberadweg Tschechien – nur mit Strömungskraft.

Elberadweg Tschechien, Veltrusy, SchlossUnsere nächste Station ist Veltrusy, wieder ein Adelssitz. Es ist angenehm, durch die schattigen Alleen zu radeln, manchmal stehen Pavillons mitten im Grün oder künstliche Grotten liegen am Wegesrand. Das weinrote Schloss im Rokokostil ist natürlich ein Pflichtstopp auf dem Elberadweg.

Es wirkt ein wenig verschlafen wie ein Dornröschenschloss, eingebettet in eine wunderbare Parklandschaft. Bei der Schlossbesichtigung müssen wir große Puschen anziehen – noch mehr Märchenstimmung kommt auf der Tour am Elberadweg Tschechien auf.Elberadweg Tschechien, Veltrusy, Schloss Elberadweg Tschechien, Veltrusy, Schloss Elberadweg Tschechien, Veltrusy, Schloss Elberadweg, Tschechien, Veltrusy, Schloss

Am nächsten Tag liegt Terezín – Theresienstadt auf unserer Elberadweg-Tour. Schon beim Annähern an diesen Ort spüren alle diese bedrückende Stimmung. Ein großer Davidstern mit vielen davorliegenden Gräbern zeugt von der grausamen Vergangenheit der ehemaligen Festung. Sie wurde während der NS-Zeit in ein Konzentrationslager verwandelt.

Elberadweg, Tschechien, Teresienstadt, KZDer 22-jährige Vojtěch erklärt uns auf einer Führung, was man eigentlich kaum in Worte fassen kann: Massenlager von Menschen, die auf Holzlatten schlafen mussten, von Wasser-Suppe immer dünner und im eiskalten Winter in nasse Kleidung gezwungen wurden. Wie blanker Hohn wirkt dazu das Schild „Arbeit macht frei“, am Hoftor durch das die Insassen das Internierungslager betreten haben. Mein Kloß im Hals wird größer und ich möchte am liebsten fliehen. Aber Geschichtsaufarbeitung muss sein, also höre ich mir die grausamen Erzählungen an  und bin wieder einmal froh, in dieser Zeit zu leben, in der ich lebe.

Elberadweg, Tschechien, Teresienstadt, KZAls wir dann noch durch einen Tunnel laufen sollen, gebe ich auf. Das ist mir dann doch zu bedrängend. Vojtěch geht mit mir einen Sonderweg durch das Gelände, immer schön am Tageslicht und ich frage ihn, wie er es aufhält, jeden Tag an diesem Ort zu sein und die schrecklichen Geschichten ständig präsent zu haben. Er sieht es von der praktischen Seite.  „Es gibt nicht viele Jobs in dieser Gegend, in denen ich mein Englisch verbessern kann. Ich bin hier, wegen der Sprache.“ Ob er es lange aushält, weiß er selbst noch nicht. Er sei jung und möchte noch viel sehen von der Welt.

Elberadweg, Tschechien, Teresienstadt, KZNicht nur mir, auch meinen anderen Mitreisenden ist die Farbe nach diesem Besuch aus dem Gesicht gewichen und die Beine sind wackelig. Gut, dass wir auf dem Rad sitzen, frische Luft und Bewegung strampeln die schrecklichen Bilder schon bald aus dem Kopf und schweigend fahren wir durch die leicht hügelige Landschaft nach Litoměřice – der letzten Etappe unserer Tour.

Die Reise wurde unterstützt von Czech Tourism, dem tschechischen Tourismusamt. Danke dafür.

4 Kommentare

  1. wunderschöner Bericht wieder mal ! Was mich jetzt persönlich sehr interessiert hat waren die Fotos und dein Eindruck von Theresienstadt ! Danke dafür ! LG Manni

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