Wandern in NRW: Auf zum Hohe-Mark-Steig

NRW Wandern, Hohe-Mark-Steig

Es gibt einen neuen Wanderweg: Der Hohe-Mark-Steig führt über 137 Kilometer und sechs Etappen von Olfen bis nach Wesel. Auf der Strecke vom Müsterland an den Rhein gibt es viel zu entdecken.

Hohe-Mark-Steig: Ein neuer Wanderweg ist geboren

Ein Ausflug ins Münsterland lohnt sich immer, nicht nur wegen der schönen Gutshöfe und Gärten, sondern auch wegen der Natur. Jetzt gibt es eine Möglichkeit, vom Münsterland an den Rhein zu wandern: Der Hohe-Mark-Steig verbindet Olfen mit Wesel. Olfen befindet sich südlich von Münster, auf halber Strecke nach Dortmund. Dort startet der Hohe-Mark-Steig. Der 137 Kilometer lange Weg gliedert sich in sechs Etappen mit einer Länge von bis zu 27 Kilometern. Man kann ihn selbstverständlich auch andersrum gehen, von Wesel nach Olfen. Fest steht: Der neue Weg bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten und Infotafeln. Wer dem Hauptweg nimmt, folgt einfach den magentafarbenen Hinweisschildern.

NRW Wandern, Hohe-Mark-Steig
Neben breiten Wegen warten auf Wanderer auch immer wieder schmale Passagen in den Wädern.

Der Weg folgt dem nördlichen Rand des Ruhrgebietes. Wer ihn nicht ganz laufen möchte: Auch eine Tagestour lohnt sich. In NRW muss es ja nicht immer die Route der Industriekultur, Köln oder Düsseldorf das Ziel sein. Mit dem Hohe-Mark-Steig wartet ein wahres Naturparadies auf den Wanderer. Wir sind ihn von Wesel nach Olfen gewandert.

Etappe 1: Schmuckstücke rund um Wesel am Rhein

26,3 Kilometer, Gehzeit ca. 6,5 bis 7 Stunden (schwer)

Jede Menge Wasser wartet beim Start in Wesel. Diese Tour lohnt sich auch sehr gut als Tagesetappe, da die Strecke rund um Wesel führt und es vom Etappenziel nicht weit zurück zum Start. Mit einem Taxi sind es nur wenige Minuten. Allerdings haben es die mehr als 26 Kilometer auch in sich – daran ändert auch die Tatsache nichts, dass kaum Höhenmeter absolviert werden müssen.

NRW Wandern, Hohe-Mark-Steig

Am Parkplatz Uhlenhof geht es zunächst an felder vorbei – nach einem guten Kilometer gelangt man zu den Hexenbuchen. Foto: RVR / Volker Wiciok

Zunächst führt die Tour am Rhein entlang, kurze Zeit später gleitet der Blick über den Auesee. Nach einer Strecke durch ein Waldgebiet wartet das idyllisch gelegene Schloss Diersfordt, das zwar etwas weniger bekannt ist als beispielsweise Schloss Lembeck der gräflichen Familie von Merveldt, aber nicht minder sehenswert. Historisch wird es auch im Naturschutzgebiet „Schwarzes Wasser“ – es ist Wesels ältestes Naturschutzgebiet.

Etappe 2: Wesel nach Schermbeck

 25,5 Kilometer, Gehzeit 6,5 Stunden (schwer)

Ebenfalls wenig bergab und bergauf geht es auf dem zweiten Abschnitt. Dafür ist hier jede Menge Kultur angesagt. Der Streckenabschnitt führt ein ganzes Stück an der Issel entlang, ehe das Pankok Museum Haus Esselt auftaucht. Aktuell ist das Museum nicht nur wegen Corona geschlossen. Seit 2018 wird es saniert. Die Wiedereröffnung ist für 2022 geplant. Nichtsdestoweniger darf man den Blick auf die Gebäude genießen. Otto Pankok gilt als einer der radikalen Künstler der modernen Malerei. Er verzichtete früh auf Farben und wollte sich auch nicht den Stilrichtungen seiner Zeit anpassen.

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Auch in den Herbst- und Wintermonaten hat der Steig seine Reize.

Aber wir wollen weiter auf dem Hohe-Mark-Steig. Denn eine Besonderheit wartet kurze Zeit soäter mit dem Modellprojekt „Neue Wildnis Dämmerwald”, das die Erschließung der Wildnisentwicklungsgebiete für Wildnisbildung und sanften Tourismus initiiert hat. Dort gibt es einen 2,6 Kilometer langen Erlebnispfad. Hier darf der Wald noch Wald sein. In Schermbeck mit seinem hübschen Ortskern endet die Etappe.

Etappe 3: Schermbeck nach Lembeck

18,8 Kilometer, Gehzeit knapp 5 Stunden (mittel)

Das Hirschgebiet der Üfter Mark ist zentraler Ort der dritten Etappe. Es ist eines der größten Waldgebiete im Naturpark Hohe Mark. Vor rund 400.000 Jahren sorgten eiszeitliche Gletscher dafür, dass heute Moore und Sanddünen die Gegend prägen. Heute ist es ein großes Waldgebiet, vor 200 Jahren war es noch karge Heidelandschaft. Erst eine Kiefernaufforstung sorgte für den Baumbestand. In der Brunftzeit im Herbst hört man hier nicht selten die Hirschrufe. Weiter über den Rhader Mühlenbach liegt auch Schloss Lembeck nicht mehr fern. Im dortigen Garten ist Heimat wachsen mehr als 150 verschiedenen Rhododendren (von Mai bis Anfang Juni  verwandeln sie sich in ein farbenfrohes Blütenmeer) und diverse Azaleen. Das Wasserschloss liegt auf zwei Inseln und heißt auch Besucher willkommen. Vom Schloss sind es nur noch wenige Schritte bis zum Ziel der Etappe etwas östlich des Ortes Lembeck.

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Wasser spielt auf dem Steig an vielen Abschnitten eine wichtige Rolle.Foto: RVR / Volker Wiciok

Etappe 4: Lembeck nach Haltern am See

23,0 Kilometer, Gehzeit gut 6 Stunden (schwer)

Diese Etappe führt durch die Hohe Mark in reinster Form. Wer etwas mehr Zeit hat, der sollte sich nicht nur am Wegesrand, sondern auch abseits der Hauptwege etwas Zeit nehmen. Denn unterwegs kommt man am Wildpark Granat genauso vorbei wie an faszinierenden Ausblicken und der Holtwicker Wacholderheide.

Auch sonst ist dieser Abschnitt sehr abwechslungsreich. Es geht rund 210 Höhenmeter rauf und 230 runter. Wer genügend Zeit einplant, der kann kurz bei den Hexenbuchen in der Nähe der THW-Schutzhütte und des Fernmeldeturms Haltern/Hohe Mark vorbeischauen. Zudem ist der Bauerngarten bei der Biologischen Station Kreis Recklinghausen (Hof Punsmann) sehenswert.

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Der Fantasie freien Lauf lassen: Mächtige Bäume kennzeichnen die Strecken.

Die Etappe führt über Sandwege, die von Bäumen gesäumt sind. Der weiterhin abwechslungsreiche Weg erreicht bald die alte Hansestadt Haltern am See mit dem großen Stausee, der auch als Trinkwasserreservier für die Menschen der Region herhält. Der See kann übrigens umlaufen werden – rund zehn Kilometer ist die Strecke lang. Aber auch die Stadtmitte Halterns ist einen Besuch wert. Rund um den Brunnen am alten Rathaus gibt es zahlreiche Cafés und Eisdielen. Hier startet auch Wasserroute, eine Variante des Hohe-Mark-Steiges, die sich für Tagesausflügler lohnt.

Etappe 5: Haltern am See nach Oer-Erkenschwick

22,2 Kilometer, Gehzeit fast 6 Stunden (schwer)

Auf dieser Strecke warten die meisten Höhenmeter – 240 an der Zahl (es geht hinauf bis auf etwa 140 Meter ü. NN). In Haltern führt der Weg zunächst am Stausee und der Stever entlang. Mit ein wenig Glück bekommt man sogar einen Fischadler zu Gesicht. Anschließend geht es durch die wunderbare und farbenfrohe Westruper Heide (sie ist übrigens die größte Zwergstrauchheide Westfalens) in Richtung des Stadtteils Flaesheim. Noch ist die Strecke recht flach.

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Die Lippe ist auf der Strecke immer mal wieder in Reichweite für einen Abstecher.

Ein kleines Abenteuer wartet mit der Überquerung der Lippe, wo es per Fähre übers fließende Gewässer geht. Per Muskelkraft und Kurbel muss die Führungskette bedient werden, um ans andere Ufer zu gelangen. Erst mit den kommenden Schritten im Naturpark Haard wird es dann hügeliger. Vorbei am großen Waldspielplatz führt die Strecke direkt zum Feuerwachturm Rennberg. Das Stahlkonstrukt ist fast 40 Meter hoch und kann bestiegen werden (wenn auch nicht bis ganz oben). Bei klarer Sicht sind der Dortmunder Westfalentur, die Ausläufer des Sauerlandes, die Industrie des Ruhrgebietes sowie die Schalke-Arena und das Horizont-Observatorium zu sehen.

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Am großen Waldspielplatz in Haltern-Flaesheim gibt es auf großen Infotafeln Informationen zum Steig. Foto: RVR / Volker Wiciok

Anschließend geht es weiter durchs Waldgebiet in Richtung Oer-Erkenschwick. Viel Wald belohnt hier die Mühen des Wanderns. Am Wanderparkplatz Haardgrenzweg ist Pause und Ende der Etappe. Wer sich selbst versorgen möchte, kann hier die Grillhütten samt Grillstation nutzen.

Etappe 6: Oer-Erkenschwick nach Olfen

26,8 Kilometer, Gehzeit etwa 7 Stunden (schwer)

Die letzte Etappe wartet zum Schluss (oder natürlich auch die erste, wenn man den Steig in umgekehrte Richtung gehen möchte). Gestartet wird im schönen Waldgebiet Haard. Dort ist die Strecke abwechslungsreich. Immer wieder steuert sie schmale Pfade an, große Baumwurzeln werden überquert, über Kiefernadelteppiche und und und. Ein Foto ist der Teufelsstein wert, der beim Weg rund um den Stimberg wartet. Das 40 Hektar große Gernebachtal (heute Naturschutzgebiet) war einst eine Feuchtlandschaft – mittlerweile als solches aber kaum mehr zu erkennen. Heute ist es nahezu baumfrei. Eine Infotafel gibt aber mehr über die Geschichte preis.

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Auf und ab geht es über teils schmale Wege.

Durch den Wald steuert der Wanderer auf dem Hohe-Mark-Steig weiter in Richtung Kanal, der an der Schleuse Ahsen überquert wird. Mit Glück wird dort vielleicht ein Kanalschiff geschleust. Rund sieben Meter Unterschied werden in den beiden Kammern überbrückt. Die große Kammer (aus dem Jahr 1930) ist 222 Meter lang, 12 Meter breit, die kleine aus dem Jahr 1970 ist 112 Meter lang und fast zwölf Meter breit. Auf der anderen Seite des Kanals liegt linker Hand der ehemalige Adelssitz Haus Vogelsang.

In Richtung Olfen präsentiert sich die berühmte, 1894 erbaute Dreibogenbrücke „Alte Fahrt“ als Fotomotiv. Anschließend gilt die Aufmerksamkeit den Steverauen, ein renaturiertes, ehemaliges landwirtschaftliches Gebiet. Kurze Zeit später ist das Ziel erreicht – das Naturbad Olfen.

Mehr Informationen gibt es hier: www.hohe-mark-steig.de

Du bist in der Gegend und möchtest mehr Ausflüge machen? Wie wäre es mit der Wildpferdeherde in Dülmen? Schön ist das Münsterland auch bei Tecklenburg.

 

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