Gänsehaut bei den Wildpferden von Dülmen

Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

Wilde Pferde – dafür muss man nicht in die Camargue fahren. Das einzige Wildpferdegestüt Europas liegt in Dülmen/NRW: Die Dülmener Pferde sind ein lebendes Naturdenkmal.

Es ist ein Zauberwald. Irgendwie schon. Farn wuchert unter den Kiefern, Dammwild raschelt im Unterholz und eine Maus läuft über den Asphalt. Von Pferden aber ist keine Spur. Nur der Wald mit seinen knallig grünschimmernden Lichtungen ist zu sehen und ein Gatter. Und noch eines. Wer die Wildpferde im Merfelder Bruch bei Dülmen sehen will, muss ein wenig wandern. Das ist gut so, denn Pferde mögen es gar nicht, wenn man die Sorgen aus der Vergangenheit oder Pläne der Zukunft mitbringt. Sie leben im Jetzt und wer sich auf sie einlässt, voll und ganz, bekommt das größte Geschenk: Mit allen Sinnen in diesem Moment zu sein. Als hochsensible Tiere spüren Pferde ganz genau, wann sich der Mensch voll und ganz auf sie einlässt oder wann er seinen Sorgen und Gedanken nachhängt. Deswegen ist so ein klärender Spaziergang jetzt genau das Richtige. Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt. Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

     Ältestes Wildpferdegestüt Europas

In Dülmen lebt nicht nur ein Pferd oder zwei auf dieser Weide, es ist eine ganze Herde. Keine normale Herde aus Reitpferden, sondern echte Wildpferde, die im ältesten Wildpferdegestüt Europas leben. Seit dem Jahr 1316 ist die Wildpferdehaltung auf den Gebieten des Herzogs von Croÿ nachgewiesen. Und bis heute sind die 350 Hektar des Gebietes im Merfelder Bruch vor allem den Wildpferden gewidmet. Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

Der erste Blick auf die Herde ist überwältigend. 400 Tiere stehen dort, grasen, Fohlen flehmen, trinken bei der Mutter, doch die meisten stehen und rupfen Gras aus. was für ein Geräusch, wenn 400 Pferde synchron Grasbüschel aus der Erde zupfen und mit ihren Zähnen zermalmen. Es gibt wohl nichts Vergleichbares in Deutschland, was eine derartige Ausstrahlung hat wie diese Pferdeherde. Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

     Ohne Tierarzt und Hufschmied

Schon vor zehn Jahren war ich hier, damals habe ich für eine Reportage mit der Forstoberinspektorin Friederike Rövekamp gesprochen, sie arbeitet noch immer mit den Pferden. Dieses deutsche Naturdenkmal wohnt ziemlich zurückgezogen. Mitten im Nichts zwischen Münster und Recklinghausen steht die Herde, in kleine Grüppchen aufgeteilt. 400 graue und braune Pferde, kompakt im Körperbau, mit zotteligem dicken Fell, langen, schwarzen Mähnen und einer schwarzen Zeichnung auf dem Rückgrat, dem Aalstrich. Diesen Aalstrich gibt es nur noch bei Primitivpferden, erinnere ich mich an die Worte der Forstoberinspektorin. Und dass sie damals gebeten hat, die Tiere nicht zu füttern, denn das kann zu Koliken und Krankheiten führen. Die Dülmener Pferde sind eine gefährdete Rasse: Sie gelten als eine der letzten und ältesten Wildpferdeherden Europas. Die Tiere leben im Winter wie im Sommer draußen, ohne Tierarzt, Hufschmied oder gar Sattel. Geburten, Kältewellen und Krankheiten müssen sie selbst durchstehen.Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

Zwei Stuten beknabbern sich gegenseitig am Hals, denn Fellpflege und Sozialkontakt sind wichtig für die Tiere. Etwas weiter steigt ein junger Hengst auf einen anderen. Beginnende Rangkämpfe.Damit diese nicht ausufern, vor allem aber, damit die Pferde sich nicht per Inzucht vermehren, werden einmal im Jahr die jungen Hengste in einem riesigen Spektakel, dem Wildpferdefang Ende Mai, aus der Herde genommen. Sie werden per Hand gefangen und weiter verkauft.Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

Und so ist es eine riesige Versammlung von Stuten und Jungtieren, die auf dem Gelände zu sehen ist. Dabei führen die Stuten die Herde und geben den Ton an. Rennt die Leitstute, setzen sich alle anderen Tiere auch in Bewegung. Doch, auch wenn es so schön wäre: Aufgewirbelter Staub, Hufgeklapper und springende Pferde – im Galopp sieht man die Wildpferde selten in Dülmen. Normalerweise stehen die Dülmener Pferde den ganzen Tag auf der Weide, grasen, schlafen und beknabbern sich. Und strahlen eine Ruhe aus, die zumindest mir, eine große Gänsehaut macht. Naturbeobachtungen gibt es viele in Deutschland, aber dieser Moment bei den Wildpferden ist schon etwas sehr Besonderes. Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

     Info: Dülmener Wildpferde

Eigentlich ist es falsch, die Dülmener Pferde als Wildpferde zu bezeichnen, denn streng genommen ist es eine Zucht. Deswegen bezeichnen Fachleute sie als Wildlinge. Die Deckhengste werden von Mai bis September in die Herde integriert, um Nachwuchs zu zeugen. Das Reservat, in dem die Wildlinge leben, ist rund 400 Hektar groß und am Samstag und Sonntag begehbar. Eintritt: 3 €, Kinder 1,50 €, Hunde dürfen angeleint mitkommen. Wer eine Führung buchen möchte, findet mehr Infos auf der Webseite: www.wildpferde.de

Wildpferde Deutschland: Im Merfelder Bruch bei Dülmen leben die grau gefärbten Tiere ganz auf sich gestellt.

Du interessierst dich für Wildpferde? Hier habe ich noch einen Bericht darüber, von den Wildpferden auf Langeland.

10 Kommentare

  1. toller Beitrag und für jeden Pferdefreund ein “Muss” diesen Ort mal zu besuchen. Leider bin ich keiner !!! Nicht mißverstehen, ich habe nichts gegen Pferde aber kann irgendwie auch nichts abgewinnen. Für mich sind das Tiere unter vielen die ich natürlich respektiere. Ich bin eben eher der Hundefan ( Deutscher Schäferhund ) das wäre meins !!!!

  2. Einfach genial die Pferde in freier Wildbahn zu sehen und am liebsten möchte ich gleich hin fahren, aber das muss ich mir auf den Urlaub irgendwann verschieben. Meine Wunschliste wird immer größer. Vielen Dank für den Beitrag?
    LG Andrea

  3. Liebe Andrea,

    mit deinen Aufnahmen von den Wildpferden hast du mir eine ganz persönliche Freude gemacht.
    Ihre Lebensweise ist einfach beeindruckend. So sollte Natur funktionieren! Ich will hoffen dass uns diese Tiere noch sehr lange erhalten bleiben. Sie und ihre Lebensräume nicht zerstört werden.

    Lieben Gruß,
    Lilo

    • Liebe Lilo, da bist du ja wieder, ich freu mich, danke für deinen Kommentar. Die Wildpferde sind sehr beeindruckend, es hat mich sehr berührt und deswegen freut es mich umso mehr, dass du darauf antwortest. Ganz liebe Grüße

  4. Katrin Finn

    Liebe Andrea, Dein Artikel über die Wildpferde ist sehr schön und interessant geschrieben. Ich habe ihn auf unserer Facebook Seite von Dülmen Marketing geteilt – er kommt sehr gut an. Wir bieten übrigens auch Sonnenaufganfsführungen bei den Wildpferden oder Oldtimerbustouren zur Wildbahn an. Bei Interesse einfach melden: z.B. PN auf facebook

  5. Sarah Merlin

    Schöner Bericht. Allerdings sind die Deckhengste nur April/Mai in der Herde zum Decken 🙂

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