Inselhüpfen in Kroatien – von Cres nach Rabac

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In Kroatiens Kvarner Bucht gibt es mehr als 550 Inseln zu entdecken. Ich war mit dem Schiff und Rad unterwegs, und nehme Euch heute mit auf meine Etappe durch Cres.

„Der Wind ist ein Arschloch“, sagt David – und heute kann ich ihm nur Recht geben. Der passionierte Downhiller aus Göttingen ist mit mir auf der Tour durch die kroatische Inselwelt unterwegs.Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres Er meint gar nicht den Jugo, der uns hier zwei Tage frieren lässt, sondern spricht vom Radfahren allgemein: „Ich mag den Wind nicht. Er kommt irgendwie immer von vorn. Und wenn man sich auf den Rückenwind zur Rückfahrt freut, dann schlägt er einem ein Schnippchen, hat gedreht und kommt wieder von vorn.“ Ja, leider muss ich ihm da irgendwie zustimmen. Heute aber ist der Wind besonders unfreundlich zu uns, denn er wühlt die Adria so dermaßen auf, dass unser Schiff nicht nur schwer voran kommt, sondern auch beachtlich schwankt. Eigentlich habe ich keine Probleme mit Seekrankheit und es ist auch alles gut – bis ich kurz in die Kabine gehe und beinahe von einer Wand zur anderen geschmissen werde. Ad hoc wird mir schlecht. Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresNach draußen setzen und immer schön auf den Horizont sehen, wird mir oben im Speiseraum geraten. Also setze ich mich draußen auf die Bank. Dort sitzt auch schon Jenny, ebenfalls etwas grün im Gesicht und wortkarg wie gestern nicht. So starren wir gemeinsam auf den Horizont, lassen die grauen Berge an uns vorbei passieren, weit reicht die Sicht sowieso nicht, denn der Regen fällt wie ein Vorhang davor. Wellen klatschen über die Reling, ich bin froh, im oberen Deck zu sitzen. Und irgendwie beruhigt, dass ich nicht die einzig Leidende bin.

Delfine begleiten uns ein Stück des Weges, aber ich traue mich nicht aufzustehen. Lieber sitzenbleiben und die Fahrt überstehen, sind Jenny und ich uns einig. Nach knapp drei Stunden erreichen wir den Hafen von Cres. Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresGegenüber liegen drei Fischtrawler, neben uns ein hübscher alter Schoner. Inzwischen kommt der Regen fast waagerecht. Radfahren fällt also wieder aus. David ist traurig, er hatte sich schon auf die schönen Downhillpassagen hier gefreut. Schon gestern war es nichts geworden. Doch dafür ist es zu nass und schlickig. Niemand von uns will aufs Rad, alle frieren. Wir starten wieder zu einer Inseltour. Irgendwie schade, aber der Regen wird immer schlimmer.

Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresWir fahren in den Hafen nach Valun. Dort gibt es nicht nur ein Mittagessen am warmen Kamin, in dem die Hölzer von alten Weinreben vor sich hin glühen, sondern vor allem auch eine Kirche mit einer der ältesten Steintafeln in glagolithischer Schrift. Glagolithische Schrift? „Das ist unsere alte, slawische Schrift. Erfunden haben sie zwei Mönche im 8. Jahrhundert, so sagt man, um die Menschen hier besser missionieren zu können.“

Petra führt uns in eine Kirche Sv. Marija und zeigt uns einen unscheinbaren Stein, der links vom Eingang an der Wand hängt. „Das ist die zweitälteste Inschrift glagolitischer Schrift auf der Welt“, erklärt sie. Es ist ein Grabstein, der für mich unslesbare Zeichen darstellt.Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres

Wir fahren weiter, aber nur ein paar Meter, denn wir treffen Ivan Mlacovic, Besitzer der Konoba Juna wieder. Er hatte eben noch hinter dem Tresen gestanden und Hammel und Kartoffelpüree serviert und jetzt steigt er aus seinem Auto und geht schnurstrackts auf eine Schafsweide zu, einen Sack mit Futter über die Schulter geworfen. „Folgen Sie mir doch“, sagt er und bedeutet uns mitzukommen. Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresEr ruft mehrfach laut nach seinen Schafen. Als sie schließlich blökend angelaufen kommen, streut er sein altes Brot aus und erzählt: „Diese Schafe sind eine ganz besondere Rasse, es gibt sie nur hier auf der Insel. Sie sind die karge Nahrung gewöhnt. Ob es sie aber die nächsten Jahre auf Cres geben wird, davon ist Ivan nicht sehr überzeugt. Ein wütendes Flackern geht durch seine braunen Augen, als er von den Wilschweinen berichtet. „Die sind nicht nur eine Plage, sondern ein richtiges Problem. Sie gefährden den Bestand unserer Schafe.“ Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresEr habe schon zu viele Schafe verloren, 20 seiner 70 Schafe seien in den letzten Jahren Opfer von Wildschweinen geworden. „Die holen sich auch Lämmer, wenn sie es schaffen“, sagt der Jäger. Wildschweine gehören nicht auf die Insel, ist er sich sicher. „Sie wurden vor etwa 30 Jahren von Jägern auf die Insel gebracht und sind heute eine Plage.“ Wildschweine haben dort keine natürlichen Feinde – bis auf die mit der Flinte. „Aber es sind so viele, das schaffen wir Jäger gar nicht mehr. Und die Wildschweine machen alles platt.“ Dabei sei Cres eine Insel, die auf die Schafzucht angewiesen sei. Natürlich gebe es auch Tourismus als wichtigen Wirtschaftszweig, doch die Schafszucht sei eben auch bedeutsam. „Wir essen nicht nur Lammfleisch, sondern stellen aus der Milch Käse her und benutzen die Schafwolle als Dämmmaterial“, erklärt er uns. „So viele Wildschweine können wir gar nicht essen, wie wir schießen müssten.“

Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresDer Meinung ist auch Claudia Heckl. Die Österreicherin hat es vor sieben Jahren nach Cres verschlagen – der Liebe wegen. Heute lebt sie in einem Bergdorf mit fünf Einwohnern und versucht, sich so weit wie möglich selbst zu versorgen. Radfahrern bietet sie selbstgemachtes Feigeneis an – am Zweig nicht am Stil.Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, CresKroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres

Sie lebt in einem kleinen, einfachen Haus und erzählt uns von der Wildschweinplage, die sie viele Lämmer gekostet hat. Und von den langen Wintern auf der Insel. Einst ist sie als Dokumentarfilmerin durch die Welt gereist und hat lange in Südamerika gelebt, bis sie sich in Roberto verliebt hat und nach Cres zog. Was macht sie hier im Winter, wenn keine Radler ihr Feigeneis essen? „Ich schreibe Bücher. Und ich habe Wollreste geschenkt bekommen, aus denen ich Tragetaschen häkele.“ Diese kleinen Netze verkauft sie und lässt sich Fotos schicken, wo die Netze ihr neues Zuhause gefunden haben. „Wir haben hier oben kein Internet, deswegen habe ich die Aktion gestartet „Podol im Netz“.“ Die kleinen Häkelnetze verbinden nun auch die Menschen aus aller Welt. Kroatien, Kvarner Bucht, Krk, Vrbnik, Inselhüpfen in der Kvarner Bucht, Cres

Weiter geht es. Wieder an einen Ort, in dem nur eine handvoll älterer Menschen wohnt, nach Lubenice. etwa 370 Meter hoch an der Steilküste ragt dieser Ort über die Adria auf. Noch immer hängen Regenwolken tief, doch man kann erkennen, wie schön es hier bei Sonne sein muss. Ein Wanderweg führt steil gen Meer, unten wartet einer der schönsten Strände der Insel Cres – Sveti Ivan. Schafzucht und Weinbau sind hier die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren und so wundert es mich nicht, dass es hier auch ein Schafzuchtmuseum gibt. Doch als wir dort sind, hat der Ort etwas Geisterhaftes und wirkt wie ausgestorben. Einst war dieser Ort, wie viele in Kroatien, wohl ein Piratennest. Ein wunderbarer Platz auf dieser Welt, an dem man sicher schöne Filme drehen könnte. Doch zu Kroatien als Filmkulisse mehr im nächsten Beitrag. Jetzt geht es erstmal zurück aufs Schiff – und zu einem Rundgang durch Cres-Stadt.Lubenice, Kvarner Bucht, Kroatien, Cres, Strand Sveti IvanLubenice, Kvarner Bucht, Kroatien, Cres Lubenice, Kvarner Bucht, Kroatien, Cres
Die Reise wurde unterstützt vom Veranstalter Inselhüpfen – danke dafür. Teil 1 und Teil 3 der Reise findet ihr hier.

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