Elbe – my love

Elbe

Die Elbe ist mein Fluss – ich bin dort aufgewachsen. Von Kindesbeinen an begleitet sie mich. Eine Liebeserklärung an einen Fluss.

1. Was ist eigentlich Heimat?

Was ist es eigentlich, das uns Heimat gibt? Dieses Wohlige der Geborgenheit, das Gefühl, angekommen zu sein und uns ganz tief fallen lassen zu können. Heimat ist irgendwie etwas Undefinierbares, was sich schwer in Worte fassen lässt, jeder jedoch in seinem Herzen trägt. Vielleicht ist sie auch nur mit dem Herzen zu erfassen, möglicherweise lässt sich Heimat auch gar nicht erfassen oder erforschen, sie ist einfach nur. Heimatgefühle lassen sich nicht künstlich erschaffen, sie entstehen in den irrwitzigsten Situationen.

Sonnenuntergang an der Elbe
Sonnenuntergang an der Elbe

Wenn tausende von Kindheitserinnerungen im Gehirn aufpoppen, weil man etwas riecht oder ein bestimmtes Geräusch hört. Dann entsteht eine enge Verbundenheit, die man spürt, vielleicht nicht nur zu diesem Ort, sondern auch zu sich selbst. Vielleicht ist Heimat der Ort, an dem man die stärkste Vertrautheit spürt, erst mit Landschaften und Städten und daraus folgend die tiefe Verbindung zu den eigenen Wurzeln.

2. Die Elbe als Heimat

Auf der Elbe
Auf der Elbe

Meine Heimat ist die Elbe. Dieser Fluss, an dem ich aufgewachsen bin. Der erste, zarte Kuss war an der Elbe, die erste Party nur einen kleinen Spaziergang vom Elbufer entfernt, Liebeskummer und Heulmomente – an der Elbe. Dieser Fluss ist ein ganz besonderer für mich, das beginnt schon bei seinem Geruch. Heute mag sie wie jeder andere Fluss auch riechen, einst hatte die Elbe eine ganz eigene Note, ein wenig streng, vielleicht nach Entwicklerflüssigkeit von Fotos oder vielleicht Schwermetall, undefinierbar eben. Aber typisch, wenn ich über die Geesthachter Elbbrücke fuhr, sog ich ihn ein, den Duft meiner Heimat.

Für die Umwelt zum Glück, für mein Heimatgefühl aber leider, hat er seinen Geruch verändert. Als ich dort aufgewachsen bin, galt die Elbe, aufgrund der ganzen Chemiefabriken der DDR als am stärksten verschmutzter Fluss Deutschlands und möglicherweise Europas. Sie hatte tatsächlich einen eigenartigen Duft, der vom Wasser aus aufstieg, eine ganz eigene Elbe-Marke eben.

Elberadweg, Tschechien, Leitmeritz, Litomerice, Schönau,

Das ist heute verschwunden, auch diese graudunkle Wasserfarbe hat sich verändert und die Elbe erinnert wieder mehr an einen Fluss als an Chemiebrühe. Doch irgendwie vermisse ich den Geruch von früher auch, denn er war es, der sofort in meinem Gehirn Verknüpfungen erschaffen hat, die mir signalisierten: Hier bist du zuhause. Hier kannst du dich fallen lassen.

Elberadweg, Tschechien, Leitmeritz, Litomerice, Schönau,

Es war nicht nur der Duft, der meine Heimatgefühle weckte. Es waren und sind diese vielen Kleinigkeiten. Das Leuchten der Geesthachter Schleuse zur Blauen Stunde, die schaukelnden Hausboote, die schimpfenden Schwäne, die großen, brummenden Elbkähne, die sich ihren Weg nach Hamburg bahnen. Vielleicht war es auch immer der Gedanke, diesem Fluss einfach zu folgen oder wie im Film „Die Liebenden von Pont Neuf“ einfach auf einen Lastenkahn zu springen und sich wegtragen zu lassen. Vielleicht ist so ein Heimatfluss auch immer Ausdruck der Sehnsucht, die weite Welt zu erkunden, die Sorgen und Ängste am Ufer zu lassen und sich einfach treiben zu lassen. Wer möchte das nicht? Sich treiben lassen, im Fluss sein, einfach dem Fluss des Lebens vertrauen. Mein Fluss des Lebens ist die Elbe.

„Weich ist stärker als hart. Wasser ist stärker als Fels. Liebe ist stärker als Gewalt.“

(Hermann Hesse)

So ist es für mich immer mehr als ein Ausflug, zu diesem Fluss zu fahren. Ob nach Hamburg oder nach Tschechien mit dem Rad auf dem Elberadweg. Oder, wie in diesem Fall, nach Schönebeck, Pömmelte (wie ich diesen Namen mag) oder nach Aken. Meine kleine Elbetour führte in diesem Falle durch Sachsen-Anhalt.

3. Schönebeck

Schöningen

Schönebeck nennt sich selbst Mittelpunkt Sachsen-Anhalts. Das kleine Städtchen bezaubert mit der für die Region doppeltürmigen St. Jakobi-Kirche, einer bezaubernden Innenstadt mit vielen Türmchen und natürlich – der Lage direkt an der Elbe. Ich hatte es aber eilig und wollte weiter – zum Ringheiligtum.

Ringheilitum Pömmelte bei Magdeburg, Sonnenaufgang
Wunderbare Morgenstimmung

4. Ringheiligtum Pömmelte

Es ist ein wirklich magischer Ort: In Pömmelte muss einst eine Anlage ähnlich wie in Stonehenge gestanden haben. Die Geschichte des Ortes lässt sich bis ins 3. Jahrtausend vor Chr. zurückverfolgen, damals wurde sie als Kreisgrabenanlage errichtet, um die sich heute viele Fragen drehen. Da ganz in der Nähe die Himmelsscheibe von Nebra gefunden wurde und die Kreisgrabenanlage nach den Sonnenständen ausgerichtet ist, gehen Forscher heute davon aus, dass sie ein wichtiger Ritualplatz war. Ich war zu Sonnenaufgang da und war völlig allein dort und total geflashed von der Magie dieses Platzes.

Ringheiligtum Pömmelte, Sommersonnenwende, Sonnenaufgang,
Rote Tore im Ringheilitum Pömmelte bei Magdeburg

5. Calbe

Von Pömmelte aus ging es dann weiter nach Calbe, kein Ort direkt an der Elbe, aber ein kleines Städtchen, das mich völlig überrascht hat mit seiner Schönheit. Da ich nun Zeit hatte und nicht zu Sonnenaufgang irgendwo sein wollte, guckte ich mir Calbe genauer an – und war begeistert. Auf meinen kleinen Rundgang hörte ich den Kirchenchor aus der St. Stephani-Kirche (natürlich auch mit Doppelturm) singen, das war schon mal ein wunderbarer Empfang.

Kirche in Calbe
Kirche in Calbe

Das Kopfsteinpflaster, die niedlich renovierten Häuser bildeten ein stimmiges Ensemble wie in vielen Kleinstädten, doch nicht alle liegen so idyllisch am Fluss wie Calbe. In diesem Fall ist es nicht, die Elbe, nein, aber die Saale ist ebenso schön. Vor allem hinter dem Rathaus (das mit der davorstehenden Rolandstatue zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählt). Hinter dem Rathaus geht es durch einen schmalen Gang, entlang alter Häuser und Lagerhallen zu einem Platz, bei dem die Saale sich rauschend ihren Weg durch ein Wehr sucht.

Wehr in Calbe
Wehr in Calbe

Wunderschön ist es dort. Das andere Ufer der Saale heißt übrigens Gottesgnaden, was für ein unglaublicher Name für einen Stadtteil, der als Insel in der Saale liegt. Und noch viel schöner: Es gibt eine Fähre nach Gottesgnaden.

Beeindruckt hat mich aber die Landschaft zwischen den Elbe- und Saaleorten: So weitläufig, flach, teilweise voller Sonnenblumenfelder und sehr dünn besiedelt.

Sonneblumenfeld an der Elbe

6. Aken

Völlig überrascht hat mich Aken. Hatte ich vorher nie gehört den Ort und musste gleich an sein Pendant in Dithmarschen denken – Wacken. Doch Aken ist ein kleiner, verschlafener Elbeort. Auch dort gibt es eine doppeltürmige Kirche, St. Marien, die die Stadt dominiert. Die kleine Innenstadt ist hübsch, aber auch irgendwie nicht so lebendig, wie man sich das so wünscht,, dafür ist am Ufer der Elbe viel mehr los. Dort befindet sich ein schöner Campingplatz, ein kleiner Hafen und ein Restaurant, das irgendwie zum Szenetreffpunkt der Akener geworden ist.

Es ist herrlich, abends einfach eine Runde am Elbufer zu drehen und den Fluss zu genießen. Besonders schön ist auch die Umgebung von Aken, denn es ist eine Art Wildnis erhalten geblieben, teilweise direkt an der Elbe. Dort kommen noch nicht einmal Spaziergänger bis ans Flussufer, dafür rackern sich dort die Biber ab und formen die Landschaft neu. Bekannt ist Aken, das übrigens mitten im Unesco-Biosphärenreservat „Mittlere Elbe“ zählt, auch für seine Weißstörche, die den Ort gerne zahlreich und früh anfliegen.

Storch bei Aken.
Storch bei Aken.

7. Dessau-Roßlau

Dieser Ort ist bekannt für sein Bauhausmuseum, denn die Architektur-Stilrichtung wurde dort 1925 bis 1926 von Walter Gropius im Rahmen einer Architekturschule geführt, nachdem Gropius den Stil 1919 in Weimar zum Leben erweckt hat. Bekannt ist Dessau-Roßlau aber auch für seine gestaltete Landschaft und die vielen Schlösser.

Schwan im Landschaftspark Dessau Roßlau
Schwan im Landschaftspark Dessau Roßlau

Der Ort bettet sich malerisch an eine Schlaufe der Elbe, genau dort befindet sich auch das Schloss Großkühnau mit dem dazugehörigen Park, der als Dessau-Wörlitzer-Gartenreich weit über die Region hinaus bekannt ist. Die Kombination aus natürlicher Gestaltung und dem Eingreifen des Menschen hat mir sehr gut gefallen, der Park sieht tatsächlich aus, als könne er beinahe wild so entstanden sein. Dazu die Elbe und die Mulde, sowie kleine Auwiesen immer wieder, die viele Vögel anlocken, man sollte sich schon Zeit mitnehmen, wenn man dort unterwegs ist.

Im Landschaftspark Dessau-Roßlau
Im Landschaftspark Dessau-Roßlau

An jedem dieser Orte habe ich aber gar kein Sehenswürdigkeiten-Hopping gemacht, sondern mich bewusst einfach an den Fluss gesetzt und der Elbe nachgesehen. Wünsche und Hoffnungen in den Fluss gegeben, den Geruch genossen und das Gefühl, irgendwo doch zu Hause zu sein. An meinem Fluss. Der mich immer wieder zu mir bringt. Vielleicht ist das auch die Hauptaufgabe der Heimat, dass sie einen immer wieder an die eigene Quelle führt. Deswegen brauche ich ab und zu einmal Elbezeit!

Fähre nach Gottesgnaden

Andere Blogs haben auch schon über diese Region geschrieben, etwa Lena von Family4travel über das Ringheiligtum. Oder Cornelia von Silvertravelers.

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