Norwegen hat 150.000 Inseln. Eine davon ist Tysnes. Ein ideales Ziel für alle, die Natururlaub mögen und trotzdem gerne auch Bergen sehen wollen.
#Sommer auf Tysnes
Hört dieser Tag denn nie auf? Irgendwie habe ich das Zeitgefühl verloren. Es ist 23 Uhr abends und noch immer so hell, dass man problemlos ein Buch im Wohnzimmer lesen kann. Ich bin seit einigen Stunden in Våge auf Tysnes und mir kommt es schon wie eine Ewigkeit vor. Möglicherweise liegt es daran, dass die Insel so unkompliziert ist. So unaufgeregt und friedlich. Da sitze ich nun und kann mich gar nicht satt sehen an diesem Panorama: Blaue Berge am Horizont, ein kleiner Hafen direkt vor unserem Fenster und dann dieses besondere Licht, das es eben nur im Norden gibt, wenn die Mittsommernacht nicht mehr lange auf sich warten lässt.

#Wohin in Tysnes?
Ich könnte stundenlang auf den Fjord in Våge vor unserer Haustür schauen, doch dafür bin ich nicht hergekommen. So weit gefahren. Es ist mein erstes Mal Norwegen und ich möchte dieses Land erfühlen, erwandern und erleben. Also ab zur Touristeninformation, Tysnes ist nicht grade der heiße Tipp in den Reiseführern. Deswegen erhoffe ich mir in der Touriinfo mehr.

Dort begrüßt mich eine Irin. Ihr Englisch hat eine eindeutige Färbung und sie sagt es auch schon bald, dass es sie vor mehr als 30 Jahren nach Norwegen verschlagen hat. Inzwischen hat sie ihre Kinder hier groß gezogen, Enkelkinder bekommen und offensichtlich macht es ihr Freude, Fremde für ihre Insel zu begeistern. Ihre Tipps für Tysnes habe ich mit meinen ergänzt.

#Våge
Die größte „Stadt“ der Inse ist Våge. Sie liegt im Norden und von dort fährt eine Fähre in Richtung Bergen. In Våge gibt es nicht nur den beschaulichen Hafen, sondern auch zwei Supermärkte, Geldautomaten, Frisör und sogar Massagesalos und Restaurants. Das Mandelhuset wurde uns empfohlen, wir konnten uns aber irgendwie nicht aufraffen, dort hinzugehen. In Våge kann man schön am Hafen entlang flanieren oder eben zum Ramnanuten wandern.

#Wanderung zum Ramnanuten
Wer ist Våge ist, kann direkt von der Haustür aus eine schöne Wanderung machen: Sie startet hinter dem Schulgelände. Dort gibt es zunächst einen wunderschönen Platz am Wald, direkt an einem Bach. Mit Moos bewachsene Mauern, knorrige, dicke Bäume und eine Lichtung verbreiten eine zauberhafte Stimmung.

Beim Näherkommen sehe ich Schaukeln und muss sie erstmal alle ausprobieren. Gleich hinter dieser Lichtung aber wird der Weg steil und teilweise anspruchsvoll, ich war froh, dass ich meine Wanderschuhe trug und keine einfachen Turnschuhe, das wäre zu rutschig gewesen.

Etwa eineinhalb Stunden brauchte ich für die Strecke nach oben, hinab waren es dann nur 45 Minuten. Es lohnt sich aber, diesen Hügel zu besteigen. Oben ist die Aussicht auf den Fjord von Våge phänomenal, sogar bei grauem Himmel. Außerdem wechselt die Landschaft am Wegesrand – vom Zauberwald über Hochmoor bis zu schroffen Felsbrocken. Ich fand es faszinierend.


#Spaziergang zum Sonnenaufgang
Wer Norwegens Farbenzauber ganz erleben will, der macht sich zum Sonnenaufgang auf den Weg. Dann sind alle Farben am intensivsten. Ihre intensive Leuchtkraft hat mich fasziniert. Ein weiterer Grund für Sonnenaufgangsspaziergänge ist übrigens das Wetter: Es war bei unserem Besuch zu Sonnenaufgang meistens schön, der Regen zog immer erst später auf. Schön ist es ja überall zum Sonnenaufgang, aber am schönsten ist es an den Buchten mit den herrlich nordisch-roten Häusern.


#Nach dem Regen raus
Das Wetter in Norwegen ist von Regen bestimmt. Das hat sein Gutes und sein nicht so Gutes. Das Gute aber ist: Wer gleich nach dem Regen rausgeht, der bekommt ein besonderes Spektakel zu sehen: Blätter an den Bäumen, die aussehen wie frisch lackiert. Oftmals sind auch Regenbögen zu sehen. Als ich auf Tysnes war, hat die Erde gedampft und leichte Nebelschwaden stiegen vom Regen auf, das sah richtig toll aus.


#Alter Kaufladen in Årbakka
Einen Tipp hat uns die nette Irin am Hafen nicht verraten, wir mussten selbst drauf kommen: In Årbakka, einem kleinen Dorf im Osten der Insel, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Der dortige Kaufmannsladen mit angeschlossenem Museum für alte Maschinen sowie einer Poststation zählt unbedingt zu den Sehenswürdigkeiten auf der Insel Tysnes.

In einem der Nebengebäude befindet sich sogar ein Kunstmuseum. Doch deswegen kommen die Menschen nicht, sondern wegen der wunderbaren Waffeln, die einem schon weit vor dem Gebäude entgegenduften. Ein wirklicher Tipp für Tysnes.


#Blaubeerfeld Blåbærhaugen
Die Frau im Waffelladen rät uns, wie wollen unbedingt zu den Blaubeerfeldern Blåbærhaugen in Tysnes wandern. Das tun wir auch. Der Weg ist auch wunderschön, mit tollen Aussichten. Doch dann holt uns Norwegen ein – es beginnt in Strömen zu regnen und wir brechen unsere Tour ab und setzten uns wieder vor unser Panoramafenster in Våge. Übrigens gibt es auf Tysnes nicht nur Blaubeeren, sondern dort lassen sich auch viele Pilze finden, etwa Maronen, Steinpilze oder Pfifferlinge.


#Ziegenfarm auf Tysnes
Manche Zufälle sind merkwürdig und womöglich gar keine Zufälle: Die Tochter einer Freundin hat ein freiwilliges Jahr in Norwegen gemacht – ausgerechnet auf Tysnes. Klar, dass wir uns die Ziegenfarm auch einmal ansehen mussten. Der Käse war lecker, aber viel besser waren die Eier, die natürlicherweise ganz unterschiedliche Farbe hatten: Von Grün bis Braun reichte ihr Spektrum. Die Ziegenfarm ist unbedingt einen Stopp wert, allein schon, um sich mit hochwertigen Nahrungsmitteln zu versorgen.

#Ausflug zum Folgefonna-Nationalpark
Nur zwei Inseln weiter befindet sich eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Norwegens: Der Folgefonna-Nationalpark. Er lässt sich von Tysnes prima erreichen, die Fähren fahren regelmäßig und verbinden die Inseln miteinander.


#Ausflug nach Bergen
Tysnes liegt südlich von Bergen und lässt sich prima mit Fähre und Bus erreichen. Die Fähre startet mindestens stündlich im Sommer in Våge, wer in Halhjem ankommt, kann gleich weiter in den Bus steigen. Achtung: Busfahrkarten in Norwegen sind in den Bussen sehr viel teurer als am Automaten. Wer Zeit und Nerven hat, löst sein Ticket also an der Maschine. Wir sind mit der Schneefähre etwa 45 Minuten nach Halhjem und von dort eine gute Stunde per Bus nach Bergen. Ein Ausflug, der sich unbedingt lohnt. Aber ein Tipp für Bergen: Wer in die Stadt will, sollte sich unbedingt vorher schlau machen, wann Kreuzfahrtschiffe ankommen. An unserem Ausflugstag waren es 4, da war es ganz schön voll in der Stadt.

#Einkaufen auf Tysnes
Tysnes ist eine sehr ländliche Insel. Mal eben zur Bank oder zum Supermarkt geht in einem Land wie Norwegen nicht so schnell. Da nimmt man dankbar an, was man findet. So ist das auch mit dem Obst und Gemüse dort. Sicher ist es preislich teurer als bei uns, dafür ist die Qualität tatsächlich auch besser. Auch eine Apotheke gibt es in der Stadt. Wer aber Souvenirs oder Kleidung und Co besorgen will, muss sich wohl auf den Weg nach Bergen machen.

#Unterkunft auf Tysnes
Ein Ferienhaus mit Boot – das ist eigentlich Standard in Norwegen. Wir hatten ein wunderbares Haus direkt an der Hafenfront in Våge. Dort hätten wir für das Boot extra zahlen sollen, was wir dann gelassen haben. Verschiedene Anbieter haben Ferienhäuser im Programm. Gerne werden sie von Anglern gebucht, denn auf Tsynes kann man gut Makrelen und Seelachs angeln.

#Wo liegt Tysnes?
Die Insel Tysnes liegt südlich von Bergen in der Provinz Hordaland am Hardangerfjord. Tysnes hat mehr als 2800 Einwohner. Die Inselhauptstadt liegt im Norden, ist gut mit der Fährlinie nach Bergen verbunden und heißt Våge.

#Anreise nach Tysnes
Mit dem Flugzeug nach Tysnes zu reisen, erscheint mir unsinnig. Wir haben es geprüft und dann schnell verworfen. Es ist viel schöner, mit dem Auto und der Fähre anzureisen. Das geht am besten von der Nordspitze Dänemarks aus. Bei Skagen liegt der Fährhafen Hirtshals. Von dort braucht die Autofähre zwischen 2 bis 3 Stunden bis ins norwegische Kristiansand. Die Fahrt kostet etwa 200 Euro für 2 Personen und einen normalen PKW. Das kann das Flugzeug nicht toppen, denn in Norwegen braucht man wahrscheinlich auch einen Leihwagen und der ist dort sehr teuer. Vom Umweltfaktor ganz zu schweigen.

Die Fährfahrt war wie eine Minikreuzfahrt und eine willkommene Pause der langen Fahrtstrecke. Von Kristiansand sind es nämlich noch einmal 7 Stunden Fahrt bis nach Tysnes, aber diese Strecke ist auch durch einige Fährfahrten unterbrochen. Die letzte Fähre Jektavik-Hodnanes (als Fähre nach Tysnes) startet um 23.10 in Jektavik (Mo-Fr), 21.50 am Sa und 22.30 Uhr am So. (211 NKK).

Wir haben auf der Fahrt einen Zwischenstopp in Skagen gemacht, den hätte ich gerne ein paar Tage länger ausgeweitet, denn die Gegend um Skagen ist wunderschön. Unser Stopp war aber unfreiwillig, da die kleine und schnelle Fähre der Fjordline wegen Sturmes nicht ausgelaufen ist. Damit müssen Reisende immer rechnen, dass das Wetter einen Strich durch die Pläne macht. Wir wurden auf den nächsten Tag umgebucht und es war kein Problem.
Übrigens: Wem der Name Tysnes bekannt vorkommt: IKEA verkauft einen Tischspiegel mit demselben Namen. Weitere Tipps über Norwegen gibt es bei Alexandra, lest doch mal in ihren Blog rein, etwa zum Thema Wandern mit Kindern.


Die Recherche zu diesem Artikel kam im Rahmen der Reiseblogger-WG zustande.




2 Antworten
Traumhaft, liebe Andrea! So was Schönes!!!
Danke, das freut mich. Und ja, ist es!