Korsika in der Nachsaison

Korsika

Mittelmeerinsel klingt nach großen Hotels und überfüllten Stränden? Es gibt auch Ausnahmen – Korsika zum Beispiel überrascht mit unaufgeregtem Urlaub – ein wunderbares Ziel für den Herbst.

Hier laufen die Kühe noch frei auf der Straße und die Urlauber machen am liebsten Camping. Doch viel schöner als das Meer sind die klaren Flüsse in den Bergen. Eine Momentaufnahme aus der wunderbaren Nachsaison.

KorsikaBeim Anflug auf die Insel machen gerade zwei Löschflugzeuge ihre Runde. Sie tanken kurz im Meer Wasser und machen sich auf ins Inselinnere. „Waldbrände sind eine große Gefahr bei uns“, erzählt uns Stéphane Orsoni vom Tourismusverband Korsika später. Es riecht tatsächlich leicht verbrannt, als ich das erste Mal die berühmte Inselluft schnuppere. Schon Napoleon hat davon geschwärmt und soll gesagt haben, er erkenne Korsika immer am Geruch. Nun heute liegt das Aroma des Feuers in der Luft – warten wir die anderen Tage ab. Der Tag war lang mit Anreise über Nizza und Flug nach Bastia – Zeit für ein Abendessen. Wir haben einen herrlichen Ort dafür – der Campingplatz Perla di Mare.

KorsikaIch tauche meine Füße in das ganz warme Mittelmeer, oben leuchten die Sterne und hinter mir duftet es köstlich nach Knoblauch und Olivenöl. Wunderbare Baignets, kleine Gemüsekuchen, mit Lauch und Minze locken hier, dazu anderes Fingerfood wie frittierter Käse und Thunfischrollen. Sehr köstlich – und regional, denn der Chef legt Wert darauf, dass die Meeresfrüchte von lokalen Fischern kommen.

Aufwachen und durchstarten heißt es am nächsten Tag auf Korsika. Dass die Korsen ein besonderes Völkchen sind, hatte ich schon im Asterix auf Korsika gelesen – vor allem, wie speziell ihr Käse sein kann. Im Comic hat er ein Schiff zum Explodieren gebracht. Vielleicht esse ich zum Frühstück doch eher klassisch französisch – ein Croissant. An den Käse traue ich mich heute morgen noch nicht ran.

Korsika KorsikaDafür geht es in die Berge – Das Massiv de Bavella wird von der Sonne angeleuchtet, unten rauschen klare Flüsse über große runde Steine, oben haben Wind und Witterung die Felsen so zerfressen, dass sich eigenartige Skulpturen in das Gestein gehauen haben. Ich schnuppere und bekomme eine Ahnung, wie das mit dem Geruch gemeint war. Pinienaroma erfüllt die Morgenluft. Wir fahren an zum Pulischello-Fluss, ziehen uns Neoprenanzüge und wasserfeste Schuhe an und starten mit dem Canyoning. Eine wunderbare Weise, die Natur zu Fuß zu erkunden.

KorsikaDrei Stunden dauert die Tour (davon später mal mehr), danach sind wir wirklich reif fürs Picknick. An diesem Platz möchte ich sofort einziehen – der Campingplatz Ponte Grossu liegt nicht nur herrlich an einem Fluss, sondern überall sorgen Pinien, Nektarinenbäume, Pflaumen, Äpfel für Schatten. Zelt aufstellen und einfach Urlaub machen – perfekt. Janine, eine Korsin, erzählt uns, dass viele Familien Korsikas Flüsse dem Meer vorziehen. „Wir haben festgestellt, dass die Kinder am Meer abends immer hyperaktiv werden und schlecht zur Ruhe kommen. Am Fluss ist es genau anders herum, da werden die Kinder abends ganz gelassen.“ Bei der Ruhe hier kann ich mir das glatt vorstellen.

Korsika KorsikaKorsikaNie vergessen werde ich das Abendessen an diesem Tag in den Bergen in der Auberge de l´Inzecca in Ghisoni. Antoine Ottavi serviert Hausgemachtes. Er hat einen eigenen Bauernhof, baut Gemüse, Früchte selbst an und versorgt Hühner und Schweine. Auch seine Wurst ist selbstgemacht – die Fleischesser freut es. Die Canneloni au Brocciu zergehen mir auf der Zunge, dieser Ricottakäse! Ottavi verrät ein Geheimnis: „Wir haben auf Korsika keine Kuhmilch, traditionell wird alles hier mit Schafs- oder Ziegenmilch gekocht.“ Das gibt dieses wunderbar kräftige Aroma. Herrlich.

PS: Dieser Artikel wurde schon 2015 geschrieben, deswegen habe ich ihn rückdatiert. Im Zuge des Umzugs meines Blogs mische ich hier immer wieder meine Archiv-Artikel dazu, denn es wäre ja zu schade, sie einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

2 Kommentare

  1. Liebe Andrea,

    um diesen interessanten Bericht über Korsika wäre es wirklich schade.

    Ich finde man kann sich durchaus auch ältere Urlaubsberichte anschauen.
    Für mich ist er eh NEU.

    Also hab herzlichen Dank für die Einblicke in diese, für mich, ganz unbekannte Welt.
    Deine Begeisterung kann ich sehr gut verstehen, denn ich mag das einfache Leben

    Lieben Gruß zu Wochenende,
    Lilo

    • Liebe Lilo, hab vielen Dank, das ist sehr motivierend. Ich weiß immer nicht, ob ich das nicht lieber lassen soll, aber wie gesagt, ich fände es dann auch schade. Gute Nacht dir

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