Korbmacher aus Dahlhausen – ganz altes Handwerk

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Das Handwerk ist so alt wie die Menschheit. Immerhin soll schon Moses in einem Korb gefunden worden sein und auch die ersten Betten waren selbstgeflochten. Inzwischen sind Korbmacher in Deutschland selten geworden. Dabei hat die Arbeit mit den Weidenruten noch vor 60 Jahren ganze Dörfer ernährt – wie etwa Dalhausen bei Beverungen im Weserbergland .Leise gurgelt die Bever durch Dalhausen. Wenn das Flüsschen die malerischen weißen Fachwerkhäuser mit den schwarzen Balken passiert, umspült es manche Bündel abgeschnittener Weidenruten. Sie stehen im flachen Wasser der Uferzone, um bald als Körbe weiterverarbeitet zu werden. In dem kleinen Dorf im Weserbergland beherrscht fast jede Familie noch das uralte Handwerk des Korbmachers. Viele flechten aus Hobby oder Nostalgie. Doch im Gegensatz zu früher leben heute nur noch wenige Westfalen von dieser Kunst, etwa Ursula Butterweck.

Korbmacher: Ein uraltes Handwerk

Korbflechter, Korbmacher, Dahlhausen, Beverungen, Weserbergland, Altes Handwerk, Butterweck,Für sie bei ihrer Berufswahl vor 20 Jahren keine andere Ausbildung als Korbmacherin infrage. Schon als Mädchen hat sie sich Peddigrohr im Bastelladen gekauft und damit geflochten. „Das Material war natürlich nicht so gut“, sagt sie heute lachend. Dennoch hat sie damals für die Korbmacherei Feuer gefangen. Und heute noch freut sie sich jeden Morgen, wenn sie in ihre Werkstatt geht. Ihre braunen Augen funkeln vor Freude, wenn sie erzählt: „Es ist ein supertolles Handwerk – hier macht man seine Produkte noch von Anfang bis Ende selbst. Das gibt es kaum noch.“

Während sie ihre Rattanrute über das Geflecht legt und kunstvoll rechts und links um das Gerüst schlingt, erzählt sie gern über ihren Beruf, der hierzulande selten geworden ist. In den 60er Jahren verdrängten bunte und leichte Körbe aus Plastik die schweren handgemachten aus Weidenrute. Fabrik gefertigte Plastikprodukte waren haltbarer und auch günstiger als die handgemachten. Eine Tradition drohte zu sterben. Dalhausen im Winter glich damals einem Lager von Reisigbündeln. Die während der Saftruhe im geschnittenen Zweige standen bis zum Mai in der Bever. Frisch geschnitten löst sich die Rinde nicht, die Zweige müssen erst Wasser ziehen.   „Nur für einen kurzen Zeitraum geht die Rinde so leicht ab. Verpasst man den, kann man die Weiden nicht mehr schälen“, weiß Ursula Butterweck.

Korbflechter, Korbmacher, Dahlhausen, Beverungen, Weserbergland, Altes Handwerk, Butterweck,Stühle und Sessel aus Rattan und Weide

Um die Rinde abkratzen kam im Mai das ganze Dorf zusammen, stellte selbstgeflochtene Stühle und Sessel in Gassen und in Gärten, das Schälwerkzeug Kluppe in der Hand und ratschte die Ruten blank. Es waren Tage der Geselligkeit – und der harten Arbeit. Bis spät in die Nacht saßen Kinder und Alte und schnitzten mit diesen riesigen, schwarzen Gabeln die Rinde ab. Das fertige Reisig fassten sie zu dicken Bündeln zusammen, wie sie heute als beliebter Dekorationsartikel für Garten und Haus wieder zu kaufen sind.

Doch Weideschälen ist heute zu aufwändig, auch für Ursula Butterweck. Würde sie selbst schälen, könnte kaum jemand die Möbel bezahlen. Deswegen lässt sie sich die Weide kommen – aus Spanien. Aber gute Weidenruten zu bekommen, wird immer schwieriger. „In Spanien nimmt der Weidenanbau sehr ab, weil es sich für die Menschen viel mehr lohnt, Genmais anzubauen statt Weiden“, berichtet Butterweck.

Korbflechter, Korbmacher, Dahlhausen, Beverungen, Weserbergland, Altes Handwerk, Butterweck,Nicht nur deswegen ist sie umgestiegen auf Rattan. Weide hat noch eine andere Eigenschaft: Sie lockt mit ihrem guten Duft Schädlinge wie etwa Holzwürmer an. Rattan tut dieses nicht, garantier gerade Möbeln eine längere Haltbarkeit. Immerhin auch schon seit 100 Jahren fest in Deutschland als Flechtmaterial etabliert.

Knarzend und warm

Korbflechter, Korbmacher, Dahlhausen, Beverungen, Weserbergland, Altes Handwerk, Butterweck,Rattan ist ein Kind der Kolonialzeit, er kam gemeinsam mit Pfeffer, Muskat und Kaffee ins Land. Die Rohre waren günstig, mussten nicht geschält werden – und sind selbst sehr dick noch formbar. Vorausgesetzt, man versteht, wie man die Halme vorbereiten muss: Ursula Butterweck streicht sich die braunen Haare aus der Stirn und zeigt eine Art Bunsenbrenner: „Ich muss die Stränge erwärmen, damit sie sich biegen lassen“, sagt sie und legt los. Lässt ihre Finger sicher über das Geflecht gleiten und schiebt mit einem Eisen alles fest. Es knarzt gemütlich – Töne, die eben nur Körbe von sich geben. Und vielleicht deswegen sind auch bis heute einige Flechtwaren nicht aus unseren Haushalten wegzudenken: Stubenwagen für Babys, Körbchen für Hunde ebenso wie Stühle für den Wintergarten oder der klassische Einkaufskorb.

Korbflechter, Korbmacher, Dahlhausen, Beverungen, Weserbergland, Altes Handwerk, Butterweck,Heute ist der Kauf von deutschem Flechthandwerk Sache des Geschmacks, weniger des täglichen Bedarfs. Flechter sind zu Designern geworden, fertigen Einzelstücke, geflochtene Treppengeländer, Regale, Raumtrenner und sogar Türgriffe.

Ursula Butterweck ist spezialisiert auf Möbel: Ihr Lieblingsstück ist gleichzeitig ihr Meisterwerk – eine Récamière. Aber auch Regale aus Flechtwerk, Wickeltische, Sofas und Fußbänke stellt sie her. Sie hat sich die dunkelblaue Schürze der Korbmacher umgebunden und sitzt an ihrem Arbeitsplatz wie Generationen von Korbmachern vor ihr: Breitbeinig auf ihrem Hocker, die schräge Werkbank vor sich. Mit einem Eisen hat sie ihr Geflecht auf der Holzbank befestigt, so dass sie ihr Stück immer drehen kann.

im Korbmacherdorf

Gelernt hat sie ihr Handwerk im oberfränkischen Lichtenfels, auf der Korbmacherschule. Es waren schicksalhafte Jahre, denn dort lernte sie zugleich auch ihren heutigen Mann kennen, der aus dem Korbmacherdorf im Weserbergland stammte. Heute sind die beiden die letzten hauptberuflichen Korbmacher Dahlhausens und haben ihre Werkstatt gleich im Korbmachermuseum.

In ihrer Werkstatt weht der Wind durch die einfach verglasten Fenster. Immerhin ist das Gebäude mehr als 250 Jahre alt. Die Decke ist niedrig und an machen Türen im Haus müssen sogar 1,75 Meter große Besucher ihren Kopf einziehen. Ihre Räume sind Teil des Korbmachermuseums. Dort haben die Dalhausener in liebevoller Kleinarbeit alles zusammengetragen, was sie an historischen Korbflechtergegenständen hatten: In den Räumen zeigen sich nierenförmig geflochtene Kinderwagen als der guten alten Zeit, große, viereckige Reisekoffer aus dünnem Geflecht sowie Fotos. „Korbmacher zogen mit Hundwagen monatelang übers Land, weil sie sich keine Pferdekutsche leisten konnten“, erzählt Ursula Butterweck. Manche gingen sogar zu Fuß auf Wanderschaft, mit Körben an Rücken und vor dem Bauch, um die handgemachten Schätze in Geld umzuwandeln.

Kein Vergleich mit Plastik

Korbflechter, Korbmacher, Dahlhausen, Beverungen, Weserbergland, Altes Handwerk, Butterweck,„Soetwas gibt es eben nicht aus Plastik“, erklärt Ursula Butterweck und hält sich einen Korb geformt wie eine Acht über die Hüfte: „Ein Fleischkorb. Weil Wurst und Schinken schwer war, hat man diese Einbuchtung geflochten, damit die Frauen es auf der Hüfte tragen können.“ Äpfel in Körben hielten sich wesentlich länger und waren Kartoffeln in Körben gelagert, sortierte sich der Sand von selbst aus. Sie sind also nicht nur hübsch, sondern auch praktisch – ein gutes Argument, sich wieder mehr Körbe vom Korbmacher ins Haus zu holen.

Die Korbflechterei Butterweck findet Ihr hier.

Und die Korbflechterei ist nicht die einzige, schöne Manufaktur in Niedersachsen. Ich stelle hier in lockerer Folge einige vor, hier geht es zur Handweberei, hier zur Geigenbauerin.

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