Jasmund: Schwarze Erde auf Rügen – Klimaschutz im Moor

Vernässung Moor im Nationalpark Jasmund

Rügen – das war für mich immer etwas Weißes. Kreidefelsen und so. Letzte Woche habe ich gelernt, dass Rügen auch sehr schwarz sein kann. Die Aktion dazu war ziemlich klasse, denn dort wird das Moor wiedervernässt.

Moor wieder vernässen? Was soll das denn, fragte ich mich, als es hieß, dass ich nach Rügen fahren darf, um eine Umweltschutzaktion zu begleiten. Dass wir zu wenig Moore haben, ist mir klar. Und auch, dass man sie vergrößern sollte, um einigen Arten, die nur dort leben, ihren Lebensraum zurückzugeben. Wie etwa der Gelbbauchunke, dem Kammmolch oder Sonnentau und Co. Aber Moore wiedervernässen für den Klimaschutz? Pflanzt man dafür nicht eher Bäume? Auf jeden Fall klang es spannend. Eine Woche lang buddeln Menschen in freiwilliger Arbeit im Nationalpark Jasmund, um das Moor auf der größten deutschen Insel zu vergrößern.

Was das alles mit dem Klimaschutz zu tun hat, erklärte mir der Geologe und Nationalparkleiter Dr. Ingolf Stodian dann vor Ort: „Das Moor ist ein riesiger CO2-Speicher, noch größer als die Regenwälder. Es lagert zudem Methan und andere Gase ein. Fällt es trocken, entweichen diese Gase in die Atmosphäre.“ Und leider fallen viele Moore gerade jetzt trocken, in einer Zeit, in der wir es so gar nicht gebrauchen können. Denn der Mensch bläst genug klimaschädliche Gase mit Autos, Kraftwerken und Fabriken in die Luft. Außerdem bindet Moor Gase, so wie Bäume es eben auch tun. Und weil man am besten mit dem Klimaschutz dort beginnt, wo man viel tun kann, nämlich vor der eigenen Haustür, hat sich der Nationalpark Jasmund eben überlegt, dass er die Feuchtgebiete vergrößern will. Bis zum Jahre 2020 soll eine Fläche von 40 Hektar wieder zum Moor gemacht werden.

Da bleibt viel mehr zu tun, als die Mitarbeiter des Nationalparks allein schaffen könnten. Deswegen ist hier das Bergwaldprojekt eingesprungen, unterstützt unter anderem vom Hamburger Unternehmen Otto. Das Bergwaldprojekt ist ein Verein, der sich der Aufforstung der Wälder verschrieben hat – alles im Dienste des Klimaschutzes. Diese Projekte beruhen auf Freiwilligenarbeit, Menschen jeden Alters schenken der Natur dabei eine Woche ihre Arbeitskraft, ob beim Anpflanzen der Bäume oder Errichten der Staudämme. Als Gegenleistung gibt es freie Kost und Logis. In dieser Woche schuftet eine Gruppe Studenten von der Fachhochschule Eberswalde im Moor.

Angeleitet werden sie von der Professorin Uta Steinhardt, die selbst kräftig den Spaten schwingt, um die Dämme rechtzeitig fertig zu haben. “Wir sind eine Woche hier, es hat in Strömen geregnet, die Arbeit ist hart – aber man hört immer wieder fröhliche Stimmen”, sagt sie, während sie gutgelaunt die nächste Schippe Moorboden aufschüttet. Damit schüttet sie die Entwässerungsgräben, die die Rügener vor vielen Jahrzehnten gegraben haben, um das Land zu bewirtschafte, zu.

Die Folge ist fast sofort sichtbar, wie uns Nationalparkleiter Stodian an einem nur wenige Schritte entfernten Tümpel zeigt: Dort sammelt sich das Wasser in kleinen Becken und sorgt für Lebensraum für viele bedrohte und spezialisierte Arten. Viele dieser Gräben sind noch zuzuschütten – und das ist eine Knochenarbeit. Zunächst muss der Graben tiefer ausgehoben werden, um später die Holzsparren als Bollwerk hineinzuwuchten. Graben in meinem Garten ist schon schwer, aber hier ist der Boden triefend nass. Der 23-jährigen Rike steht in ihrer Anglerhose bis zu den Oberschenkeln in matschiger Brühe am Fuß des Dammes und hämmert Holzbohlen aneinander.

Zuvor haben die Studenten den Entwässerungsgraben drei Meter tief aufgeschlitzt. Ihre Kommilitonen schieben unermüdlich Schubkarren voller Sägespäne über die Holzbohlen, die als Steg in die Landschaft gelegt wurden. Grillen surren, Falter flirren in der Luft. Der Wasserdost blüht rosarot und hüllt die Landschaft in eine duftende Wolke. Von Ferne dringt Lachen ans Ohr, aber auch das mächtige Wummern, wenn schwere Balken in die Erde gewuchtet werden.

Stephen Wehner, Geschäftsführer des ausführenden Bergwaldprojektes sagt: „Die Menschen schenken uns das Wertvollste, was sie haben: ihre Zeit. Dafür sehen sie schnelle Erfolge. Und haben das gute Gefühl, unserer Erde auch ein Ministück zurückgeben zu können.“ Doch es ist nicht nur ein Geben, wer in dem Projekt mitarbeitet, bekommt auch vieles, mit dem er gar nicht gerechnet hat. Nicht nur elementare Handwerkstechniken wie Sägen, Hämmern werden gelernt.

Jeden Morgen sind die Studenten um sechs Uhr aufgestanden, haben von acht bis 17 Uhr im Moor geschuftet. Und dabei Momente erlebt, die sich für immer ins Erinnerungsalbum des Gehirns prägen. Das Mittagessen, frisch gekocht, mitten im Wald unter den Buchen mit dem riesigen Haufen Sägespäne als Sofa. Das Schubkarrenrennen, die Abende am Lagerfeuer und in den Zelten. „Wir haben ein großes Teamgefühl entwickelt“, resümiert Rike. „Wir haben gelernt, einander zu vertrauen.“ Dabei sind sie jeden Tag über sich hinausgewachsen. „Ich staune selbst, wie gut wir die schwere, körperliche Arbeit wegstecken.“ Das will sie unbedingt wiederholen. “Eigentlich möchte ich jedes Jahre ine Woche so meinen Urlaub verbringen. Das ist etwas ganz Besonderes.”

Ich bin im Auftrag von otto.de ins Moor nach Rügen gereist, weil Otto das Projekt in Sinne seiner Nachhaltigkeitsstrategie unterstützt. Das Projekt hat mich so begeistert, dass ich auch hier drüber schreibe. Mehr zu dem Thema und auch über den Tag im Moor findet Ihr beim reblog.

 

 

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