Warum ich kein sibirisches Lärchenholz mehr kaufe

Sibirische Lärche, Umweltschutz

Tropenhölzer sind ja lange tabu. Wer will schon mithelfen, den Regenwald zu vernichten? Auf der Suche nach unverwüstlichem Holz stößt man dabei oft auf sibirische Lärche. Was erstmal so umweltverträglich klingt, ist möglicherweise ebenso schlimm wie Tropenholz.Manchmal glaube ich, wenn man ökologisch alles richtig machen will, dann darf man irgendwie gar nichts mehr. Schon gar nicht verreisen. Doch genau das bringt mich aber häufig auf Umweltthemen, die mir zuvor gar nicht so bewusst waren, in diesem Fall die sibirische Lärche, über die ich mir zuvor keine Gedanken gemacht hatte. Seit meinem Besuch in der Mogolei ist das anders. Als ich dort auf dem Permafrostboden stand und realisierte, dass selbst Apfelschalen Jahre oder mehr brauchen um zu verrotten und fruchtbare Kompostschichten ein wertvolles Gut sein können, denke ich ein wenig anders.

Schamanen in der Mongolei, Lake Hovsgol, Schamane,Und ernte ich ratlose Blicke von unserem Tischler, als ich ihm sage, dass ich aber auf keinen Fall sibirische Lärche für die Baumaßnahme verwenden will. Tja, es gäbe nicht viel anderes, das dem Wetter so standhält, so hartes Holz hat und im Preis-Leistungs-Verhältnis so stimmt. Lärchenholz ist etwas Besonderes, denn es hält der Verwitterung mehr stand als andere Nadelhölzer. Aber ich möchte eben kein sibirisches haben. Warum eigentlich nicht?

Die nordischen Lärchenwälder gehören zu den größten grünen Lungen unserer Erde, denn sie sind ein wichtiger Klimafaktor und regulieren das CO2  – eben genauso wie der tropische Regenwald. Möglicherweise sogar noch stärker, denn die Nadelbaumgebiete sind einfach größer. Eine sehr große Fläche dieser Wälder befindet sich in Russland und Sibirien. Immerhin ist Russland das waldreichste Land unserer Erde und beherbergt ein Viertel unserer Wälder. Ein Teil der Fläche ist Borealer Nadelwald. Er ist ein wichtiger Speicher für Kohlenstoff, nicht nur in seinen Bäumen, sondern auch im Permafrostboden.

Und der Permafrostboden ist eben das, was große Teile Sibiriens ausmacht. Ein Boden, der das ganze Jahr über gefroren ist oder bei dem nur die oberste Schicht im Sommer antaut. Dieser Boden zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass nichts verrottet und dadurch die Pflanzen viel langsamer groß werden als bei uns. So zählt zwar die Lärche zu den schnell wachsenden Bäumen, aber eben nicht in Sibirien, dort wächst sie im Zeitlupentempo und kann bis zu 500 Jahre alt werden. Abgesehen davon sind natürlich die Transportwege alles andere als umweltfreundlich, wenn doch Lärchen auch in unseren Wälder wachsen, aber die verschiffen wir ja nach China, um daraus Möbel bauen zu lassen. Verrückt irgendwie alles. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, heimische Hölzer zu verwenden, mit kurzem Transportweg und nicht welche, die auf empfindlichen Permafrostboden wachsen. Ökologische gewonnene Hölzer tragen auch ein Siegel, eine Übersicht gibt es hier.

 

 

2 Kommentare

  1. Das ist ein spannender Beitrag. Mit sibirischem Holz hatte ich mich noch nicht auseinander gesetzt, aber etwa mit dem „polnischen“ aus dem Białowieża-Urwald (Puszcza Białowieska), das Glück hatte zum Unesco Naturerbe erklärt worden zu sein – jedoch nicht ganz. Es hat unterschiedliche Zonen, in den Randgebieten dürfen Bäume geschlagen werden, es wird aber auch wieder aufgeforstet – aber noch gar nicht so lange. Man kann dort auch in den Dörfern, die es in den Randgebieten gibt, übernachten, manche sind auf Touristen eingestellt und geleitete Führungen durch den Urwald unternehmen – auf weißrussischer Seite gibt es sogar eine Art Naturpark mit Tiergehegen und Attraktionen. Nunja… wie ich auf den Gedanken kam: Man kann sich Parkettboden aus den Hölzern des Urwalds kaufen.

    Liebe Grüße

    • Ja, das ist immer etwas seltsam, oder? Den polnischen Urwald übrigens finde ich auch sehr interessant. Es gibt doch inzwischen genug andere Möglichkeiten, Hölzer zu bekommen. Aber möglicherweise wird das Thema Holz sowieso ein zwiespältiges in den nächsten Jahren, denn unser Hunger danach ist ja sehr groß und wir verheizen wieder sehr viel davon.
      Ganz viele Grüße

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