Regen im Harz? Ab auf den Wurmberg!

Braunlage, Wurmberg, Seilbahn zum Wurmberg

Schlechtwetter im Harz? Prima, schnell die Regenjacken rausholen und ab nach Braunlage auf den Wurmberg. Wir haben es ausprobiert – es hat seinen ganz eigenen Zauber.

Bei Regentropfen nach drinnen zu flüchten, ist totaler Quatsch. Finde ich. Natürlich mag ich es auch nicht, wenn es tagelag schüttet, aber ein wenig Regen hat etwas Besonderes, vor allem im Harz. Als es anfing zu regnen, wollten wir uns erst in die Iberger Tropfsteinhöhlen flüchten – aber leider hatten viele andere vor uns auch schon dieselbe Idee gehabt und die Führungen waren dort ausgebucht. Wir hätten zwei Stunden warten müssen, doof, für zwei erlebnishungrige Kinder.

Braunlage, Wurmberg, Seilbahn zum WurmbergAlso was tun? Godelfahren – das ist immer schön, zumindest für meine beiden, denn wir wohnen auf dem flachen Land und bekommen höchstens in der Schweiz oder in Österreich die Gelegenheit zum Seilbahnfahren. Also ab nach Braunlage. Auf den Wurmberg.
Vor dem Seilbahnbetrieb herrscht gähnende Leere, kaum jemand will bei diesem Wetter auf den Berg. Nur wir. Ich muss allerdings schlucken, als ich 31 Euro für einen Erwachsenen und zwei Kinder zahle – nächstes Mal spendiere ich nur eine Strecke, die andere wird gelaufen, nehme ich mir vor.

Braunlage, Wurmberg, Seilbahn zum WurmbergUnd dann sitzen wir auch schon in der Seilbahn zum Wurmberg. Sie ruckelt und schaukelt. Wenn ich sehe, wie sich die Kinder freuen, vergesse ich auch schnell wieder die Investition der 31 Euro. Auf gehts – und die Fahrt ist lang, sogar mit einem Halt an der Mittelstation. In der Seilbahn wird es immer kühler, gut, dass wir dicke Jacken haben. Die Nebelwand verdichtet sich zu einer schweren Wattebauschwolke und mein Sohn erzählt mir mit dunkler Stimme Gruselgeschichten nach dem Motto: „Sie verschwanden im Nebel und warden nie mehr gesehen.“ Ich muss in mich hineingrinsen, ihn scheint das Schmuddelwetter richtig zu beflügeln.

Braunlage, Wurmberg, Seilbahn zum WurmbergAls wir oben ankommen, ist der Wurmberg völlig ausgestorben. Der Wind treibt die Nebelfetzen über den Gipfel und sie stauen sich am nächsten Fichtenwald. Ein typisches Novemberbild, nur dass jetzt September ist. Harz, ganz nach Goetheklischee. Wir unternehmen eine Runde auf dem Berg, gehen in den dunklen Wald, vor bei am verlassenen Spielplatz, den Aufbauten für die Downhillfreaks mit ihren Mountainbikes und dem Monsterroller. Nirgendwo ein Mensch zu sehen. Die Kinder finden es toll, laufen voraus und sind weiter in ihrem Gruselszenario. Es ist geheimnisvoll, wenn die Natur in einen Schleier getaucht ist und man nur die Hälfte sieht.

Braunlage, Wurmberg, Seilbahn zum WurmbergBald wird es meiner Tochter zu kalt. Und Hunger hat sie auch, schlechte Kombination. Aber der Harz hat ja Almhütten. Leider sind sie bayerisch angehaucht, ich fände es ja viel pfiffiger, hier etwas typisch Regionales zu servieren. Aber der Gedanke währt nur kurz, denn Pommes sind international. Und es ist richtig schön, bei Schietwetter in einer kuschelig warmen Alm zu rasten. Als wir gerade aufgegessen haben, kommt ein Mann in den Gastraum und verkündet, dass ein Gewitter im Anzug ist und die Bahn dann nicht mehr fahren könne. Wir packen schnell unsere Sachen und setzen uns in die Bahn. Und jetzt breitet der Harz wirklich seinen ganzen Zauber aus: Während oben die graue Nebelwand hängt, sticht weiter unten die Sonne durch die am Boden hängenden Wolken. Eine Fahrt, die wir alle wohl sobald nicht vergessen werden.Braunlage, Wurmberg, Seilbahn zum Wurmberg

 

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