Heilige Wasser Irlands: Brunnenkult an St. Ciaran`s Well

St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Feenbaum

Irland ist wasserreich. Fast überall auf der Insel entspringt irgendwo eine Quelle oder ein klarer Bach gurgelt über Felsen oder durch Wiesen. Quellen wohnt immer ein ganz besonderer Zauber inne. Ein Besuch der Quelle St. Ciaran’s Well in der Nähe von Kells. Ich mag Menschen, die jenseits des Mainstream sind. Und genau diese lassen sich in Irland ganz besonders gut finden. Vielleicht weil die Iren sich noch vieles der alten, keltischen Traditionen bewahrt haben und sie einfach leben, egal, ob jemand sie schief ansieht oder nicht. Etwa, wenn sie Münzen in Bäumen versenken oder Socken an Äste binden. Ja, das passiert und es ist dort irgendwie eine heilige Handlung. Etwa an der Quelle St. Ciaran`s Well in der Nähe von Kells. „Das Quellwasser soll bei Problemen mit den Füßen helfen, aber auch Menschen mit Rückenproblemen kommen her“, hatte mit Lucy O`Reilly bei unserem Rundgang durch Kells erzählt und mir den Besuch der Quelle schmackhaft gemacht. Das heilige Gewässer liegt etwa zehn Minuten Autofahrt vom Zentrum von Kells entfernt und lässt sich nicht verfehlen, denn es ist ein ganz besonderer Ort.

St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Bach

Der Bach vor der Quellle

St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Eingang

Das Eisentor über die Brücke

St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Kapelle

Die Kapelle thront hoch über St. Ciaran’s Well

Ein kleiner Bach sprudelt am Fuß der Quelle, hoch über ihr, geschützt von zwei Weißdornbäumen, liegt ein Marienheiligtum, das der Priester Peter O`Ferrell im Jahre 1911 dort errichten ließ, wohl auch, um den von den einheimischen „Hexen“ hochverehrten Ort zu christianisieren. So findet sich dort heute, wie an vielen Plätzen Irland übrigens, eine urtümliche Symbiose aus heidnischen Ritualen und christilichem Glauben.

Eine kleine Brücke führt über den Bach und ein Eisentor schützt den Bereich der Quelle St. Ciaran`s Well. Schon auf den ersten Blick wird die Besonderheit dieses Platzes deutlich: Nirgendwo anders weit und breit sind hier Felsen zu sehen, nur an der Quelle gibt es einen Felsen, der geformt ist wie ein steinernes Bett. Tatsächlich soll man sich dort auch hinsetzen oder hinlegen – das soll, so der alte Glaube dort – Rückenschmerzen oder Probleme des Bewegungsapparates kurieren. Schaden kann es auf jeden Fall nicht. Möglicherweise ist es der Glaube, aber tatsächlich hat das Liegen auf den Steinen entspannende Wirkung auf mich.

St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Stein zum Liegen

Das Felsenbett – gut gegen Rückenleiden.

Weiter geht es zur Quelle. Sie ist beschützt von einem Fairy Tree, einem Feenbaum, einer Esche. In manchen Bäumen, so glauben die Iren, wohnen Feen, sie beschützen heilige Orte oder sorgen für Kraft und gute Energie. Diese Feenbäume sind leicht zu erkennen, denn sie sind besonders geschmückt. Eigentlich nimmt man ein Stück Stoff, am besten eigene Kleidung, denn, so sagt man, wenn man den Feen Kleidungsstücke gibt, dann streift damit gleichzeitig Krankheiten und schlechte Energien ab und gibt sie den Feen, um sie zu in Gutes zu transformieren. Ein schöner Brauch. Ich überlege, ob die vielen Socken aus der Not heraus geboren sind, dass man kein anderes Kleidungsstück opfern wollte oder ob St. Ciaran`s Well vor allem auch für ihre Heilwirkung auf Füße bekannt ist. Zu einem Ergebnis bin ich leider dabei nicht gekommen.

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Opfergaben für die Hüter der Quelle.

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Es muss nicht immer Schmuck sein, Socken oder Schlüssel gehen auch. St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Feenbaum St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Feenbaum St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran,

St. Ciaran's Well, Kells, Irland, Castlekeeran, Kapelle, Marienbildnisse

Marienbildnis in der Kapelle

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Dafür aber habe ich ich natürlich Quellwasser getrunken und mein Gesicht damit gewaschen. Und anschließend bin ich hoch zu den christlichen Heiligtum und habe mir den kleinen Altar angeschaut. Marienbildnisse finde ich immer sehr herzöffnend, wenn man es schafft, an dem manchmal kitschigen Antlitz vorbeizusehen und die Schönheit darin zu entdecken. Sie symbolisieren die Qualitäten des Mitgefühls, des Herzöffnens und der Hingabe – etwas, von dem es sowieso gerne mehr auf unserer Welt geben dürfte. Beeindruckt hat mich während meiner ganzen Irlandreise übrigens das große Vorkommen an Weißdorn. Er wächst hier nicht in Büschen, sondern in uralten Bäumen, die eine ganz besondere Ausstrahlung haben. Und so verwundert es mich nicht, dass zwei Weißdornbäume den Marienaltar flankieren, denn Weißdorn ist in seiner Heilwirkung eben auch eng mit dem Herzen verbunden.

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Unbedingt probieren: Wasser von der Quelle trinken.

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Blick von oben auf das Gelände.

Zu den Feenbäumen und den Kraftorten, unter anderem auch Tara, findet Ihr hier ein schönes Filmchen: https://www.youtube.com/watch?v=YRrmALCX0lU

Mehr über Heilige Wasser findet Ihr hier.

4 Kommentare

  1. Hallo Andrea,
    der Beitrag passt wunderbar zu einer romantischen Trilogie die ebenfalls in Irland spielt. Normalerweise bin ich kein Fan von Nora Roberts, aber ihre „O‘ Dwyer-Trilogie“ ist einfach wunderschön sphärisch. Hier der Link zu meinem Liebesromaneblog und dem ersten Band: https://liebesromaneblog.wordpress.com/2017/05/05/roberts-nora-spuren-der-hoffnung-band-1-odwyer-trilogie/

    Zur Zeit bin ich zufälligerweise eine andere Trilogie von Nora Roberts lesen, die ebenfalls in Irland spielt, aber hier gefällt mir der erste Band nicht so gut. Es handelt sich um die „Ring-Trilogie“, der erste Band heiß „Grün wie die Hoffnung“. Auch wenn diese Geschichte mich nicht so ganz überzeugt hat, weckt sie doch meine Sehnsucht nach Irland. Und ein schöner Bericht „tut“ dann das übrige dazu.

    Liebe Grüße
    Tanja

    • Danke, dann muss ich mich damit wohl mal etwas genauer befassen. Ich habe noch gar nichts von ihr gelesen, also bin ich völlig unvoreingenommen, was auch gut ist. Dann les ich mich mal ein. Genau das mag ich am Bloggen so! Liebe Grüße