Heilige Wasser: Kraftplätze an Seen und Quellen

Heilige Wasser, Heilige Quellen

Wasser ist ein spannendes Thema, nicht nur ökologisch. In vielen Ländern wird dem Wasser an Seen oder Quellen gehuldigt und es gilt als heiliger Ort. Hier einige Geschichten von heiligen Wassern, die mich auf meinen Reisen fasziniert haben. 

Der Regenbaum Garoé von El Hierro

El Hierro, Regenbaum, GaroeWenn der Passatwind über die Landschaft fegt und die afrikanische Sonne auf die Erde brennt, ist der Boden oftmals trocken wie Steppe. So auch auf der kanarischen Insel El Hierro. Wasser ist hier umso wichtiger, doch Quellen gibt es nicht überall. Dafür andere Wasserwunder: Dort gibt es einen heiligen Regenbaum, auch Garoé genannt.  Schon die französischen Eroberer im 15. Jahrhundert notierten dieses Wunder in ihren Chroniken: Auf den höchsten Ebenen wachsen Bäume, von denen ununterbrochen gutes und sauberes Wasser tropft, das in Gruben neben ihnen fließt, das beste Trinkwasser, das sich finden läss“ Tatsächlich ist dieser Baum ein Wasserwunder und wurde von den Bimbachen jahrhundertelang hoch verehrt. El Hierro, Regenbaum, GaroeDer Lorbeerbaum wächst ganz versteckt in einer Felsnische und sieht aus, als würde er in einem Regenwald wurzeln mit seinem über und über bemoosten Stamm. Doch statt Dschungel umgibt ihn Dürre. Gräser in ausgetrocknetem Goldton wiegen sich matt in der Brise. Ein zarter Flaum von Flechten bedeckt die geröllhafte Hochebene von San Andres.  „Er steht wie kein anderer für die Besonderheiten auf El Hierro und ziert deswegen auch das Inselwappen“, erklärt die Dame in dem kleinen Informationszentrum am Garoé. Während andernorts Gipfel den schweren Passatwolken eine Barriere bieten, stoppt in San Andres eine andere Erhebung die Wolken – der Regenbaum. An seinen Blättern kondensiert das Wasser, bis die Wolken leicht genug über ihn hinwegschwebten. „Mehr als 200 Wasserlöcher in seiner Umgebung hat er auf diese Weise mit kostbaren Süßwasser gefüllt und den Bimbachen, den Ureinwohnern der Insel, einst das Überleben gesichert“, fügt sie hinzu. „1000 Liter Wasser am Tag waren damals keine Seltenheit.“ Den Bewohnern der schroffen Insel hat der Baum oftmals das Leben gerettet, etwa wenn sie belagert wurden oder Dürrezeiten kamen. Erst später haben sie im Tal von El Golfo bei Guinea eine Süßwasserquelle entdeckt. Über kleine Wege wanderten sie im Winter mit Sack und Pack ans Meer, weil dort die Viehweiden kräftiger und das Wetter günstiger war.  Dieser Baum war bislang mein berührenstes Wasser- und Naturerlebnis, so einsam und kraftvoll, wie er dort in der Gegend stand und mit stetigen Tropfen die Erde versorgte. Er steht für mich seitdem auch wie kaum ein anderes Symbol für das Zusammenspiel in der Natur – wenn alle zusammenarbeiten, dann können auch die kärgsten Gebiete Leben hervorbringen.

Griechenland: Loutra Edipsou

Loutra Edipso, heilige Wasser, Euböa, Evia, NaturpoolsSie trugen einst auch den Beinamen Bad des Herakles. Der griechische Halbgott soll nach dem Bad in diesem Wasser wieder erstarkt sein. Wunschdenken oder nicht – tatsächlich sind die Heilquellen von Edipsou auf der griechischen Insel Euböa etwas ganz Besonderes. Schon Marc Aurel oder Aristoteles haben hier gebadet und über die Entstehung dieser heißen Quellen nachgesonnen. Mehr als 80 Quellen sprudeln hier aus der Erde, besonders schön sind die kleinen, natürlichen Whirlpools am südlichen Stadtrand, die direkt am Meer liegen. Hier ist das Wasser oftmals wärmer als 40 Grad – und was gibt es herrlicheres, als in warmen Wasser zu sitzen und dem sich kräuselnden Meer zuzusehen? Wer es luxuriös mag, der bucht sich gleich ins das Thermae Sylla Spa Hotel ein (http://www.thermaesylla.gr). Mehr Informationen gibt es bei der griechischen Tourismuszentrale (http://www.visitgreece.com.de/). Loutra Edipsos, Euböa, Evia, GriechenlandDie Quellen sollen übrigens nicht nur bei Gelenkkrankheiten helfen, sondern auch bei Frauenleiden, also Hormonproblemen. Ob sie auch wieder stark machen, das sei dahingestellt, aber sie haben wohl schon so manches Rückenleiden gemildert. Die Quellen wechseln ihre Temperatur, die immer so um die 38 bis 41 Grad liegt. Die Pools sind eine Möglichkeit, das warme Wasser zu genießen, andere ergießen sich als Wasserfälle über die Felsen direkt ins Meer, was das Meer an dieser Stelle besonders schön warm macht.

Osterquellen

Heilige Wasser, Heilige Quellen, EuböaIn manchen Orten, etwa Geesthacht an der Elbe oder im brandenburgischen Langewahl gibt es eine Osterquelle. Der Name erinnert an einen alten Brauch, der nicht nur an diesen Quellen abgehalten wurde. Im Mittelalter und später war es üblich, dass junge Frauen am Ostersonntag vor Sonnenaufgang aufstanden und Wasser aus der naheliegenden Quelle holten. Der Weg zur Quelle musste schweigend geschehen und das Wasser zu Sonnenaufgang erreicht worden sein. An der Quelle wurde sich das Gesicht gewaschen und ein großer Schluck des Wassers genommen, etwas wurde abgefüllt und als Heiltrunk mit nach Hause genommen. Wichtig war, dass dieser Weg schweigend zurückgelegt wurde. Wer es geschafft hat, dem versprach das Wasser Schönheit und Jugend, Gesundheit und eine glückliche Zukunft. Bald ist ja wieder Ostern…

Heiliger See auf Mauritius

Mauritius im Winter, Heiliger SeeHat einst der indische Gott Shiva diesen See mit Wasser des Ganges befüllt? So jedenfalls lautet die Legende, die man sich auf Mauritius über Grand Bassin erzählt. So soll Shiva einst mit seiner Frau Parvati in einem Schiff um die Erde gereist sein. Der Gott der Zerstörung trug während der Reise das Wasser des Ganges auf seinem Kopf und zeigte seiner Frau die schönsteMauritius im Winter, Heiliger See, Shivan Plätze der Welt. So kamen sie auch nach Mauritius, als sie dort landete, verschüttete Shiva versehentlich etwas von dem Wasser und so entstand der Grand Bassin. Legende hin oder her, sicher ist auf jeden Fall, dass der Heilige See auf der Insel heute Pilgerstätte der Hindus ist. Kleine Schreine und Tempel sowie Heiligenfiguren sind rund um das Ufer des Sees aufgestellt, andächtig beten hier Frauen wie Männer, entzünden Räucherstäbchen oder bringen Essensgaben dar. Ich empfand den See auch als besonders mystischen Platz, an dem man länger verweilen sollte und die Ruhe und das Wasser auf sich wirken lassen sollte.

Mongolei: Lake Hovsgol

Mongolei, Nomaden, Lake Hovsgol, MöronDer Hovsgol-See gleicht einem großen Spiegel, so glatt. Mutter Meer nennen ihn die Einheimischen, er ist den Mongolen heilig, sie würden nicht in ihm baden. Hier soll der Geist des Landes sitzen, sich die Geburtsstätte der Mongolei befinden, als einst die Weltenmutter die Mongolei geboren hat. Sein Wasser ist so klar, dass man es trinken kann, jedenfalls tun es die Einheimischen, die jeden Morgen mit Kanistern herkommen und das Lebenselexier in ihre Jurten bringen. Manche singen dabei dem See ein Lied, als Dank, dass die Natur sie so gut versorgt. Oder opfern ein Glas Wodka, hoch in die Luft geschleudert, um den Wassergeist günstig zu stimmen. Mongolei, Lake Hovsgol, Hovsgol See, Umweltschaftz, Taiga, MöronAlles ist beseelt, auch Quellen und Seen, dieser Glaube wurzelt hier tief und deutet auf den schamanischen Urglauben in der Mongolei hin. Nicht nur der See ist ein besonderes Gewässer, im Norden der Mongolei sprudeln 1000 Quellen, so sagt man, und jede hat eine andere Heilwirkung. Einige gegen Rückenschmerzen, andere gegen Bauchweh, andere helfen schreienden Kindern – und manche natürlich auch gegen den Kater, wenn man zu viel Wodka getrunken hat. Die örtlichen Schamanen wissen, was an den Quellen zu tun ist, aus manchen soll man trinken, in anderen zu bestimmten Zeiten baden. Ich halte es so, wie mir der Bürgermeister des Ortes aufgetragen hat: Setz sich einfach zum Sonnenaufgang an den See und meditiere. Das war ein ganz besonderes Erlebnis.

Straßburger Münster

Straßburg. Münster, PortalWenn Wasser als Quelle aus der Erde sprudelt, dann ist es immer ein besonderer Ort. Schon die Kelten haben diese Plätze verehrt und oftmals Tempel dort errichtet. Und die Christen haben sich dieses alte Wissen zunutze gemacht und dann ihre Kirchen über die Kraftplätze errichtet, so war das etwa in Straßburg am Münster. Im rechten Seitenschiff, fast in der Mitte, hat einst eine Quelle über Jahrhunderte das Taufbecken gespeist. Hier haben schon die keltischen Druiden Waschungen vorgenommen, bevor die Christen den Platz für ihre Taufen benutzt haben. Hier soll sich einst ein Tempel für den Mars befunden haben. Heute ist es die mächtigste Kirche der EU-Stadt – geht einfach mal hinein und spürt in die Stimmung, die sich dort ausbreitet. Als ich dort war, wurde meine Fantasie gleich beflügelt von den Geschichten rund um die Quelle unter der Kirche und dem christlichen Überbau eines uralten Druidenplatzes.

Übrigens ist am 22. März Tag des Wassers. Wenn das kein Anlass ist, sich mit dem heiligen Wasser mal genauer zu beschäftigen!

6 Kommentare

  1. Liebe Simone, oh, das klingt ja auch spannend. danke für den Link, schaue ich mir gerne an.
    Viele Grüße und schönen Sonntag noch, Andrea

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