Fünen/Oddense: Verliebt in Knud Hages Kramladen

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Das ist Liebe auf den ersten Blick: Knud Hages Kramladen sieht aus wie aus einem Märchenfilm. Vor der Tür in Odense auf Fünen ein historischer Holzkarren und alte Werkzeuge, auf den Tischen türmen sich Schneebesen aus gebogenem Holz, Schnüren hängen von der Decke. Alles Krimskrams wie aus einem Bullerbü-Film. Die Rasseln aus unbehandeltem Holz muss ich unbedingt anfassen, ebenso wie die kleinen Trommeln. Kein Antiquitätengeschäft, sondern ein dänischer Haushaltsladen mit einem Sortiment wie vor 100 Jahren. Hier erzählen die Dinge schon beim Ansehen kleine Geschichten. Übrigens viele in Dänemark gefertigt. Das macht doch die Seele von Geschäften aus, oder?

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Streichholzschachteln wie Kunstwerke

Etwa die Streichholzkästchen. Sie sind liebevoll mit alten Zeichnungen bedruckt und scheinen direkt aus einem Andersen-Märchen entflohen zu sein. Ob der Dichter wohl schon hier eingekauft hat? Sein Wohnhaus steht immerhin nur wenige Schritte entfernt.
„Gut möglich, dass Hans Christian Andersen als Kind hier gekauft hat“, brummt mir Knud Hage entgegen.
Mit seinem runden Gesicht, den glänzenden Apfelbäckchen und der Nickelbrille sieht der rund 65-Jährige selbst aus wie eine Märchenfigur. „Manche Stücke sind aus dem Mittelalter“, sagt er. In seiner rauen Stimme schwingt ein liebenswerter Akzent mit, der immer irgendwo ein Ö zu viel in die Sätze baut. Von diesen Lauten kann ich  einfach nicht genug bekommen. Ich höre die Dänen so gern deutsch reden. Während meine Gedanken abschweifen, zeigt mir Hage Becher und Vasen in seinem Kramladen, die locker einige hundert Jahre auf dem Buckel zu haben scheinen. Auf dieses Sortiment ist er stolz: „Ich habe seit 50 Jahren dieselbe Warenauswahl“, fügt er hinzu und erwähnt, dass der Hof seit 400 Jahren schon ein Kaufmannsladen sei.

Die Kasse klingelt noch

Niemand würde seinen Laden heute so vollstopfen mit Süßholzstangen, Knäueln und Haken. Schade eigentlich. Denn diese aufgeräumten Kettenfilialen in den Innenstädten sind so seelenlos geworden. Ob Palma, Paris oder Paderborn – überall gibt es dieselben T-Shirts und Tees. Überall piepen Scanner und Diebstahlsicherungsbommel stören die Ästhetik der ausgestellten Sachen. Bei Hage klimpern höchstens die Kronen beim Bezahlen, Strichcodes sind Fehlanzeige. Wie schön! Schade, dass man heute so lange suchen muss, um Schätze wie diese zu finden. Erst jetzt wird mir klar, wie stressig und hektisch unsere Welt selbst beim Einkaufen schon ist. Und welche Lärmbelästigung dort entsteht. Knud Hages Stimme erfüllt den Raum, während er weiter erzählt. Hier will ich nicht eilig Sachen einkaufen, sondern hier entspannt sich mein Geist und saugt die Geschichten von damals auf.

Halt-die-Klappe Bonbons im Kramladen

Da langt Hage hinter sich ins Regal, holt große Gläser voller bunter Bonbons hervor. Wer sie im Mund hat, kann nicht mehr reden. Übergroße Bonbons, mit dem Durchmesser alter Fünfmark-Stücke, weiß mit roten Streifen. „Deswegen heißen diese Lutscher bei uns auch „Halt-die-Klappe-Bonbons“, sagt er mit einem Lächeln und kurbelt an seiner glänzenden Registrierkasse, die sich klingelnd öffnet. Sie schmecken herrlich nach Erdbeersahne und Kindheit. Eine märchenhafte Erinnerung an eine zauberhafte Insel.

www.kramboden.net

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