Erster Schnee: Wanderung zum Brocken

Harz, Brockenwanderung, Goetheweg, Torfhaus-BrockenWunderbarer Weitblick vom Brocken

Der erste Schnee auf dem Brocken ist immer etwas Besonderes. Ich habe ihn gestern erlebt, bei meiner Halloween-Wanderung auf den höchsten Harzer Gipfel. Schnee? Ich dachte zunächst, ich gucke nicht richtig. Da war ich am Dienstag noch auf Malta bei sommerlichen 24 Grad und jetzt das? Kleine, weiße Flächen strahlen mir am Wegesrand im Harz entgegen, hauchzart aber eindeutig: Schnee. Ich schaue nach oben, gen Brocken zu dem unsere Wandertour heute führen soll. Wenn man die Augen zusammenkneift, erkennt man eine dünne Schicht Weiß auf dem Bäumen. Gut, dass ich eine Mütze eingepackt habe, denn auf dem Brocken ist es immer kalt und immer sehr windig.

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Bäume blockierten unseren Weg

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Umgestürzter Baum auf dem Weg – nachmittags war er bereits geräumt

Wir starten vom Parkplatz in Torfhaus und suchen den Einstieg zum Goethewanderweg. Er ist einer der sechs Brockenaufstiege, man kann auch von Schierke oder von Oderbrück aus starten. Und ab Ilsenburg kommt man auf dem Heinrich-Heine-Weg zum höchsten Berg des Nordens. Ich mag Torfhaus sowieso sehr gerne, also starten wir dort. Es ist früh, der Parkplatz ist noch leer und viele Menschen stehen wohl gerade erst auf.

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Der Zauberwald bei Torfhaus

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Pfützenidylle auf dem Goetheweg

Zum Sonnenaufgang haben wir es leider nicht geschafft, das war mir zu ungewiss, denn es gab am Tag zuvor einen Sturm und ich wollte nicht im Dunkeln über Bäume stolpern. Was für eine gute Entscheidung, denn tatsächlich lagen einige umgestürzte Fichten in unserem Weg, der so verzaubert beginnt. Auf der niedersächsischen Seite des Goetheweges begleitet uns Landschaft wie aus dem Märchenwald. Von diesem dem Brocken gegenüberliegenden Gipfel startete auch Johann Wolfgang von Goethe seine Wanderungen auf den Blocksberg. Er war fasziniert von der Mystik des Harzes, von den vielen Sagen. Und von den verwunschenen Wäldern so inspiriert, dass er sie später in seinem Klassiker „Faust“ auch als Schauplatz der Walpurgisnachtfeiern verewigt hat.Nicht zufällig bin ich an Samhain, auch Halloween genannt, auf dem Brocken. Ist es doch die im Jahreskreis gegenüberliegende Feier zur Walpurgisnacht, einer magischen Zeit, in der die Energien ganz besonders sein sollen. Irgendwie bleibt der Brocken eben auch der Berg der Hexen.

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Das Sonnenlicht spielte mit den Stämmen

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Rote Bäche im Harz – ob die Erde hier wohl einen großen Eisengehalt hat?

Bäche gurgeln am Wegesrand, das Wasser ist klar, aber der Untergrund strahlend rot, eingefasst werden sie von knallgrünem Moos und einer Landschaft auf knorrigen Fichtenwurzeln. Typisch Harz. Wir erreichen schon bald das Hochmoor Torfhaus, in dem auch der Radau-Fluss entspringt. Deswegen wird das Moor oft auch Radaubornmoor genannt. Mehr als 10.000 Jahre alt ist diese Landschaftsform, über die wir per Holzsteg wandern. Zwischen den Gräsern wachsen unter anderem auch fleischfressende Pflanzen wie der Sonnentau. Ich genieße den Fernblick über diese große Grasfläche, die bis zum glatzköpfigen Brocken reicht.

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Auf Holzstegen über Feuchtflächen

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Das Hochmoor bei Torfhaus

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Eichelhäher am Brockenweg: Man sieht, dass er zu den Rabenartigen gehört, oder?

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Der Eichelhäher – er ist fast zahm, weil er so viel gefüttert wird

1141 Meter ragt der Brocken als höchste Erhebung Norddeutschlands aus der Ebene auf – und sorgt damit für besondere Bedingungen. So liegt sein Gipfel zwar weit unterhalb der Waldgrenze, ist dennoch baumlos von Natur aus. Lange Winter, niedrige Temperaturen im Winter und erster Angriffspunkt für Stürme haben seine runde Kuppe erkahlen lassen wie  eben eine Glatze. Es ist zudem der niederschlagsreichste Punkt im nördlichen Mitteleuropa. „Der Brocken ist an mehr als 300 Tagen von Nebel umhüllt“, habe ich an einem anderen Tag im Informationszentrum Torfhaus erfahren. Heute zuckelt zwar die Brockenbahn die Besucher bequem zur Spitze, wir sehen sie auf der Hälfte der Strecke, als wir den Märchenwald längst hinter uns gelassen haben und sich der Kiesweg in einen befestigten, breiten Weg wandelt, auf dem zur Not auch Panzer fahren können.

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Die Brockenbahn

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Brockenbahn in voller Pracht – ich mag dieses dampfende Ungetüm

Irgendwie ein beklemmendes Gefühl, auch wenn der Kalte Krieg jetzt schon fast 30 Jahre zurückliegt, hier ist die einstige DDR irgendwie total präsent. Und das setzt sich für mich vor allem auf dem Brocken weiter fort. Das letzte Stück des Weges ist eine Asphaltstraße, die vom Schnee befreit ist, denn ab 1000 Meter ist eindeutig die Schneegrenze überschritten und mehrere Zentimeter bleiben liegen.

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Zauberhaft – der erste Schnee auf dem Brocken

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Solche Lichtspiele kann nur Schnee

Ich bin froh, dass ich eine Mütze dabei habe und wir machen uns auf den letzten Weg zum Gipfel. Dort oben ist es zugig und kalt und – wie fast immer – ziehen Wolken auf und hüllen uns in Nebel, während wir im sommerlichen Herbstwetter gestartet sind. Das wird mir später viel deutlicher, als ich die Bilder unseres Spaziergangs noch einmal betrachte.

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Das Wahrzeichen der Kuppe sind die Sendeanlangen

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Brockenbahnhof – grau in grau

Grau ist nun alles, teilweise mit dramatischem Eis überzogen durch den kühlen Wind. Wie gern setzt man sich dann in eine Gaststätte, trinkt etwas und schaut nach draußen. Doch der Brockenwirt ist nun wirklich eine Zeitreise in die DDR. Es gibt Pommes, Kartoffelpuffer und Currywurst in Bahnhofshallenatmosphäre. Die Plätze sind praktisch an langen Tischen, das Mobiliar bestimmt gute 40 Jahre alt. Schade für den Harz, denke ich.

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Beim Brockenwirt

Die Bayern hätten hier sicher Schönes draus gemacht: Ein Restaurant, in dem man weit über die Lande schauen kann, mit schönen, glasgeschützten Draußenplätzen und einheimischer Küche. Ja, es darf auch man der schnelle Snack sein. Aber so? Mit Charme und Gastfreundschaft hat das wenig zu tun. Ja, Harz, hier wartet noch Arbeit auf dich, solche Erlebnisse bleiben leider auch hängen. Und der Brocken ist das Ausflugsziel des Harzes. Ich würde mich freuen, wenn sich hier mal etwas täte.

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Frostkunstwerk am Fernglas

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Heinrich Heine war auch schon hier

Magisch bleibt der Aufstieg auf den Brocken dennoch mit all den schönen Ausblicken und der wunderbaren Natur. Und vor allem – dem ersten Schnee, der uns weiter unten von den Bäumen tauend entgegentropfte und oben für eine Glitzerpracht sorgte. Irgendwie bin ich jetzt eingestimmt auf den Winter.

Wir sind übrigens zur richtigen Zeit auf dem Brocken gewesen und haben um 12 Uhr unseren Abstieg begonnen – unglaublich, welche Menschenmassen uns entgegengekommen sind.

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Es war eisig kalt – der erste Schnee eben

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Könnte auch an der Küste sein, oder?

10 Kommentare

  1. Pingback: Tipps für den Harz im Sommer und Winter

  2. mir gefällt das erste Foto am besten ! Toll und nun haben wir die ersten Schnee und Eisvorboten !
    So weit ist es bei uns noch nicht ! Gestern um die 8 Grad und morgen soll es wieder bis 15 Grad werden. Das Frostkunstwerk mit dem Fernglas find ich auch super. Ist natürlich schon irre wenn man Tage zuvor auf Malta war ! Schöner Beitrag Andrea !!! LG Manni

    • Danke lieber Manni. Wie aufmerksam du liest, das freut mich. Ja, das war schon ein mittlerer Schock nach Malta. Aber irgendwie auch schön. Nach so viel Reisen hoffe ich nun, dass ich wieder mehr Zeit habe, meine Geschichten zu bloggen, denn ich habe noch ganz viele im Block und auf der Speicherkarte, die müssen nocht raus, bevor ich wieder unterwegs bin. Ganz liebe Grüße in den Süden, hab einen schönen Feiertag

  3. Liebe Andrea,

    da wären wir uns ja fast begegnet. 😉 Doch ich Schisser habe auf anraten von Freunden die Fahrt nicht gemacht. Zu viel Sturmschäden/Holzbruch.
    Aber Deine schönen Bilder entschädigen mich.
    Du wirst es nicht glauben, ich war noch nie auf dem Brocken. 🙂

    Lieben Gruß,
    Lilo

  4. Pingback: Jetzt! Hier und am besten heute: Mikroabenteuer für alle

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