Elfenwanderung auf Juist – Zauberspaziergang mit Feen und Zwergen

Juist, Elfenspaziergang, Kraftplätze auf Juist, Astrid WitschorkeSpinnennetz im Regen - sieht irgendwie verwunschen aus.

Man muss gar nicht so weit reisen, um wirklich Exotisches zu finden. Ich war schon in der Atacamawüste und am Amazonas – aber die Elfenwanderung auf Juist gehört zu den außergewöhnlichsten Dingen, die ich auf Reisen erlebt habe.

Manche Dinge sind schwierig zu erklären und noch schwieriger zu beschreiben. Erst recht, weil sie einen vielleicht in die Ecke „Jetzt spinnt sie aber komplett“ oder „Hirngespinste“ stellen . Deswegen drücke ich mich schon seit Wochen herum, diesen Artikel zu schreiben. Es geht um eine besondere Wanderung auf Juist. Dort habe ich einen halben Tag mit einer Frau verbringen dürfen, die Elfen, Feen und Zwerge sehen kann und mich mit zu den Elementarwesen genommen hat. Astrid Witschorke hat außergewöhnliche Fähigkeiten. Während manche Menschen ihr Talent in Zeichnen oder Musik vertiefen, hat sie seit 25 Jahren ihre Hellsichtig- und -fühligkeit ausgebildet. Und heute darf ich sie begleiten und meine eigene Intuition spüren.

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Der Weg um den Hammersee.

Wir treffen uns und radeln los. Es regnet, wie es diesen Sommer oft nass ist. Aber das ist gut, dann sind wir im Wäldchen ganz allein.

Astrid hält kurz inne, bevor wir unsere Wanderung starten: „Es ist gut, sich erstmal zu besinnen und auf das Neue einzustellen, anstatt gleich drauflos zu gehen, sonst erschreckt man womöglich alle.“ Außerdem ermuntert sie mich, mir über ein Thema klar zu werden, das ich vielleicht auf diesem Spaziergang bearbeiten möchte oder gar einen Wunsch (in Gedanken) zu äußern, mit dem ich durch den Wald streife. Während ich mich frage, was eigentlich gerade in meinem Inneren los ist, schaut sie gelöst und andächtig in die Ferne, verharrt lange Momente und scheint dann einen unsichtbaren Gesellen zu begrüßen, der sich etwa auf Kniehöhe befindet. „Ein Zwerg“, sagt sie. „Er begleitet mich oft.“

Spätestens jetzt wäre wahrscheinlich der Zeitpunkt für viele Menschen auszusteigen und das Weite zu suchen. Doch für mich steckt in jeder solcher Begegnungen eine Botschaft. Deswegen versuche ich, das, was ich höre und erlebe nicht zu bewerten, schon gar nicht mit dem skeptischen Verstand, sondern mich einfach mal einzulassen. Gar nicht so leicht, weil dann plötzlich alle Zweifel im Kopf ausgeschaltet werden müssen, damit ich ins Vertrauen gehe.

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Der Wächterbaum.

Unsere erste Station ist ein Ilex, eine Stechpalme, die sich am Eingang zu diesem Zauberwald niedergelassen hat. Hier wachsen ganz besondere Bäume in ungewöhnlichen Formen und Formationen. Doch nicht nur das ist das Zauberhafte. Astrid bleibt vor dem Ilex stehen und verharrt wieder einige Zeit andächtig. Sie muss gar nichts sagen, ich weiß auch so, dass ich einfach mal die Gedanken abschalten soll und wahrnehmen, was ich fühle. Und da taucht ein Bild von einem Beschützer vor meinem inneren Auge auf. Als sie sagt, dass der Baum hier als Eingangswächter stünde, fühle ich mich merkwürdig bestätigt.

Wir gehen ein Stück am Südufer des Hammersees entlang. „Versuche mal, mit deinen Füßen nicht zu treten, sondern achtsam zu gehen“, sagt sie. Gar nicht so einfach, wenn man sonst immer auf Geschwindigkeit und Zielerreichen ausgelegt ist beim Wandern.

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Knorrige, besondere Bäume

Schon bald halten wir an einem Baum an, der sich verästelt und außergewöhnlich wächst. Astrid blickt nach hinten und irgendwie fühle ich dort auch Bewegung. Einbildung? Ich sage nichts, aber sie: „Hier ist ein kleiner Gnom, der eilt jetzt voraus und verkündet, dass wir kommen.“ Aha.  Bevor ich wieder ins Bewerten komme, lasse ich mich lieber von der Landschaft verzaubern. Wir bleiben immer noch stehen und offenbar hat der Zwerg jetzt andere Elementarwesen geholt, denn es wird voller um uns herum. Astrid lächelt so unwiderstehlich frei, dass ich mich einfach weiter einlassen kann auf diese ungewöhnliche Reise in eine Welt, die vielleicht ja doch verborgen hinter all dem Sichtbaren liegt. „Sie möchten mehr über dich wissen. Vielleicht stellst du dich einfach mal vor.“ Und so spreche ich irgendwo ins Leere (weil meine Augen ja diese Wesen nicht sehen, obwohl ich fühle, dass da mehr ist), stelle mich vor, sage, was ich mache und wo ich herkomme. Irgendwie spüre ich Erleichterung und Neugier als Antwort.

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Heckenrose

Die Zwerge begleiten uns ein Stück über wirklich wunderbare Natur – Holunderblüten sind heruntergeregnet und liegen wie helle Sterne auf unserem Weg, Tausende helle Sterne. Rosenblüten, rosa, weiß und pink, sind ebenfalls wie Konfetti vor unsere Füße gestreut worden. Astrid hebt eines der Blütenblätter auf, dreht es um und zeigt die perfekte Herzform. Das ist mir vorher nicht aufgefallen, dass Rosenblätter herzförmig sind.

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Sterne auf dem Weg

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Verschlungene Gewächse.

Die Art, wie sie vorsichtig und achtsam mit der Natur umgeht und aufpasst, dass wir ja auf keine Schnecke treten, ist schon etwas Bemerkenswertes und lohnt diesen Spaziergang, um in die eigene Achtsamkeit zu kommen. Doch das ist es nicht allein. Ich traue mich langsam, ihr zu sagen, was ich wahrnehme und wir vergleichen unsere Bilder, die aus dem Inneren fließen. Dann führt sie mich zu einem Baum und bleibt wieder minutenlang still, dieses Mal hockt sie sich hin. Ich tue es ihr nach. Und spüre plötzlich ein Verlangen danach, mich nicht immer groß machen zu müssen, nicht immer strahlend und stark, sondern einfach mal klein, unscheinbar und bescheiden zu sein. Ganz viel Dankbarkeit für all die Dinge, die ich bislang erleben durfte, schwappt in mir hoch. Und ich merke, dass es so viel gibt, worüber ich gar nichts weiß. Weiß ich überhaupt irgendetwas? Möglicherweise ist Demut das passende Wort für diesen Moment.

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Die beiden tanzen doch miteinander, oder?

Während ich noch ganz erstaunt nachsinne, was dieser Spaziergang eigentlich mit mir macht, ermuntert mich Astrid: „Sie haben ein Geschenk für dich. Öffne mal deine Hände.“ Jetzt macht mir aber doch mein Verstand einen Strich durch die Rechnung und blockiert mein Vorstellungsvermögen. Schade, die schönen Bilder in meinem Kopf, die Astrids Erzählungen von Zwergen, Gnomen, Elfen, Feen und Kobolden hervorgerufen haben, sind weg. Die Vorstellungen der Gewänder und Tänze, alles gestört.

Ich atme, konzentriere mich auf meine Hände und fühle dort tatsächlich etwas. Einbildung? Egal gerade. Fühlt sich gut an. Aber was es ist, kann ich nicht sagen. „Es ist ein Gewand“, sagt Astrid. Ich lache und antworte intuitiv: „Ja, aber ein winzig kleines.“ Sie lacht auch glockenhell. „Manchmal muss man auch klein sein können, um Dinge zu erfassen und zu verstehen. Größe kann auch Angst einjagen“, sagt sie. Merkwürdig, habe ich soetwas nicht gerade eben gedacht? Wir setzen unseren Spaziergang fort und treffen auf weitere sagenhaft schöne Plätze mit unglaublicher Ausstrahlung. Ich höre Geschichten von Elementarwesen und von unserer Erde. Und tauche ein in eine andere Welt. Bei all dem vermittelt Astrid Witschorke vor allem eines: Wie schützens- und liebenswert jedes einzelne Wesen auf unserer Erde ist. Doch all dieses kann man eigentlich gar nicht beschreiben, man muss es selbst erleben und die Zeit genießen, in der der Verstand einfach mal seine Klappe hält.

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Astrid Witschorke

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Jelängerjelieber-Blüte. Wie die riecht!

Ob es Elementarwesen gibt oder nicht, ist nicht mehr die Frage nach diesem Spaziergang. Das muss jeder Mensch selbst für sich entscheiden. Mit dieser Elfenwanderung hat Astrid Witschorke zudem etwas ganz Anderes in mir erreicht: Völliges Abschalten und aus dem Kopf herauskommen und einfach nur zu fühlen. Mich und die Natur.

Und ich ertappe mich zuhause nun auch immer dabei, in jedem Baum zu forschen, ob ich den Baumgeist erkennen kann, der in ihm wohnt. Ich glaube, ich muss noch mal zu ihr nach Juist und den „Fortgeschrittenenkurs“ buchen.

Die Elfenwanderung übrigens ist einer meiner 15 Tipps für Juist.

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Blick auf den Hammersee auf Juist.

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Rehspuren

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Wie kleine Kristalle.

23 Kommentare

  1. Pingback: Wattwanderung auf Juist: Heino zeigt Verborgenes im Meer

  2. Ich bin sehr beeindruckt! Das klingt wirklich nach einem sehr besonderen Erlebnis!! Danke fürs Teilen und Denen Mut!! Liebe Grüße, Wanja

  3. Liebe Andrea, bei dem Fortgeschrittenenkurs begleite ich Dich sogar gern! Ich bin so schon so oft durch das Wäldchen gelaufen und obwohl ich ganz sicher keine Feen und Elfen und Gnome sehen kann, so hatte ich doch auch oft das Gefühl, dass da etwas „Besonderes“ in der Luft liegt. Und gewundert hätte es mich nicht, wenn plötzlich eine zarte Elfe oder ein Zwerg vor mir aufgetaucht wäre. Ich werde bei meinem nächsten Besuch an Dich und die Geschichte denken und noch achtsamer über die Insel gehen. Ziemlich sicher werde ich sogar auch Astrid Witschorke kontaktieren! 🙂 Danke für den wunderschönen Artikel – der mich für ein paar Minuten entführt hat auf meine Lieblingsinsel in der Nordsee. Liebe Grüße! Katharina

  4. Liebe Wanja, danke, das ermutigt mich ja, weiterzumachen auf diesem Weg. Ich freue mich immer sehr, dich hier zu lesen. Ja, das ist etwas sehr Besonderes. Kann ich nur empfehlen! Liebe Grüße

  5. Liebe Katharina,
    oh, deine Worte berühren mich aber. Das freut mich sehr, dass der Artikel dir gefallen hat. Ich hätte noch viel mehr schreiben können, aber es muss auch Privates geben 🙂 Eigentlich war das ja nur der Anfang. Das Wäldchen ist richtig zauberhaft, ja. Ich begleite dich gerne nach Juist – ganz liebe Grüße

  6. Danke, dass du dieses einzigartige Erlebnis mit uns geteilt hast! 🙂
    Wie gerne würde ich auch so eine Wanderung machen und auch diesen Kurs. Leider wohne ich zu weit weg…

    Ich persönlich verurteile das überhaupt nicht. Ich hatte auch mal ein Erlebnis was Elementarwesen angeht. Und mehr sage ich jetzt auch nicht dazu. 😀

    Ganz liebe Grüße,
    Amara

  7. Liebe Amara, Das freut mich sehr. Du also auch 🙂 schön, wenn man auch darüber reden kann, ohne verurteilt zu werden, auch das ist Toleranz, oder? Ganz viele Grüße

  8. Danke für diesen schönen Bericht! Habe gerade vor kurzem eine Juisterin kennengelernt und nun lese ich schon zum zweiten Mal bei Dir von dieser Insel. Muss ich wohl auch mal hin!

  9. Ja, diese Achtsamkeit sollten wir alle viel mehr an den Tag legen. Vor allem das achtsame Gehen werde ich versuchen zu beherzigen. Schöner Text, liebe Andrea, – so ganz anders und tiefer als die üblichen Strand- und Sehenswürdigkeiten-Geschichten, die ich sonst so schreibe…. 🙂

  10. Hey, danke, lieber Randolf! Schön dich hier zu lesen und danke für die Worte! Das motiviert mich, ich würde ja gern mehr solcher Texte hier schreiben, kämpfe aber noch mit mir. Und: Vielleicht schreibst du ja auch mal hier – Strandgeschichten, hihi 🙂

  11. Liebe Saxia, schön dich hier zu lesen! Ja, Juist lohnt sich zu jeder Jahreszeit, die raue Nordsee ist ja sowieso immer sehr wohltuend. Viele Grüße

  12. Pingback: Ostfriesische Inseln: 15 Tipps für Juist -

  13. Schön… Wir lieben Juist. Viele Grüße aus Groningen, Niederlande

  14. Pingback: Ein ganz besonderer Juist-Artikel | Juist Blog

  15. Danke, für diesen wunderschönen Bericht vom Wäldchen. Ich bin öfter Gast auf Juist und Liebe diesen „Zauberwald“ sehr. In der Ruhe dort merke ich immer, was für mich wirklich wichtig im Leben ist.

  16. Ja einfach mit offen Augen durch die Welt gehen und spüren ohne zu bewerten ! Das geht überall auf der Welt !

  17. Liebe Marion, ja, genau, das ist toll, oder? Und wenn man dazu noch so gut angeleitet wird wie von Astrid macht es gleich doppelt Spaß. Danke fürs Kommentieren!

  18. Liebe Monika, danke fürs Kompliment. Ich freue mich so sehr, wenn so viele Menschen diese Wahrnehmung auch haben. Deswegen sind Werkzeuge wie das Internet dann doch ganz toll, weil man sich hier austauschen kann. Viele Grüße und danke für deine Worte

  19. Joachim Schieb

    Liebe Andrea Lammert,
    herzlichen Dank für den schönen Wäldchen-Artikel!
    Obwohl ich mit Elfen, Gnomen und Feen eigentlich nichts am Hut habe (dachte ich bisher), gibt er doch ziemlich genau mein Wahrnehmungsgefühl wieder, das ich jedes Mal habe, wenn ich durchs Juister Wäldchen laufe. Es fühlt sich jedes Mal so an, als wenn da ‚etwas‘ wäre – und bald werde ich es wieder auprobieren.
    Ich will ja nichts zu sehr rationalisieren – aber könnte es nicht auch damit zusammenhängen, dass im Juister Wäldchen die Bäume so klein bleiben und nicht höher wachsen als die Dünen? Da ist man dann mit seinem Wahrnehmungssensorium direkt im Blätterdach und seinen ganzen Prozessen drin, das im normalen Wald viel weiter oben ist. Die Geste, dass man sich dort einfach mal hinkniet, hat mir deshalb sehr eingeleuchtet. Und dass man da die Demut lernt, auch. Ein paar Meter weiter nördlich, am Spülsaum des Meeres, kann man sie ja gleich wieder entdecken.
    Danke für dieses Geschenk der Juist-Vorfreude! Und viele Grüße –
    Joachim

  20. Lieber Joachim,
    oh, danke für die neue Sichtweise. Rationalisieren ist manchmal gut, denn einige Menschen brauchen genau das und das ist eine wunderbare Erklärung dafür, auf die ich nicht so gekommen wäre. Das mit dem niedrigen Blätterdacht ist tatsächlich sehr besonders ebenso die knorrigen Bäume. Woran es liegt, ist mir letztendlich egal, es ist ja eigentlich sowieso immer nur der eigene Film, der im Inneren abläuft und den wir dann ins Außen projizieren. Ob mit dem Kopf oder dem Herzen. Ich wünsche eine wunderbare Zeit auf Juist udn schicke viele Grüße! Und danke für die Worte

  21. Doris Janssen

    Liebe Andrea, die Bilder sind einfach nur wunderschön. Ich habe sie schon teils an unsere Kinder, Enkelkinder und Geschwischter weiter gegeben. Ich bin auch immer sehr stolz auf unsere Blumen, gerade die Rosen , die im Augenblick ja in Fülle blühen. Aber deine Aufnahmen, sind schon etwas Besonderes.
    Lieben Gruß von der Hammerseestraße 43
    Doris Janssen

  22. Liebe Doris, dankeschön für das Kompliment, da freue ich mich immer sehr, wenn positive Rückmeldungen kommen. Denn es steckt ja auch sehr viel Arbeit in so einem Blog. Liebe Grüße

  23. Pingback: Blitzbesuch auf der Lieblingsinsel Juist: 7 ganz persönlichen Tipps - Lieblingsflecken

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