Brügge: Schokolade zum Koksen?

Brügge, Schokolade zum Schnupfen, The Chocolate Line

Fischöl in Schokolade? Das klingt ja ekelig. „Ist aber gang und gäbe bei herkömmlicher Schokolade, dann glänzt sie so schön“, erklärt mir Geert Cumptich, als ich in Brügge bin. Er kennt sich mit der Köstlichkeit aus, denn er arbeitet in der Manufaktur „The Chocolate Line“ in Brügge – der Hauptstadt der feinen Kakaobohnenspezialitäten. Dort gibt es nicht nur Pralinen, sondern sogar Schokolade zum Koksen.

Bevor ich mich traue, mir Kakaospezialitäten in die Nasenlöcher zu schießen, verkoste ich aber erstmal die außergewöhnlichen Kreationen des Brügger Star-Chocolatiers Dominique Persoone. „Unsere aktuellen Sorten sind Pralinen mit Pesto oder Rote-Beete-Füllung“, sagt Geert Cumptich. Es gibt sie auch mit Schinken, Kräutern und Gemüse. Tatsächlich ist Pesto ein Knüller – die Schokolade ist nicht so süß und die Basilikum-Knoblauch-Spezialität kann so ihr volles Aroma entfalten. Rote Beete dagegen schmeckt ausgesprochen erdig.
Brügge, Schokolade zum Koksen, The Chocolate LineDie Menschen drängeln sich in dem kleinen Laden in der Brügger Innenstadt, der mit seiner dunklen Holzeinrichtung aussieht wie eine Apotheke. Statt der kleinen Fläschchen und Näpfchen türmen sich Tafeln in dunkelbraun, hellbraun und beige, Ich möchte eigentlich alles einmal probieren. Doch da kommt Geert Cumptich schon mit seiner speziellen „Maschine“ um die Ecke. „Damit gibt es Schokolade zum Koksen.“ Selbst mein Guide, Daniel Pieters, ist schon ganz aufgeregt. „Bin ich dann high?“ fragt er auf flämisch, das dem deutschen so ähnlich ist, dass man doch erahnen kann, was gesagt wird. Er muss warten, zuerst darf ich testen. Brügge, Schokolade zum Schnupfen, The Chocolate LineWährend Geert Cumptich ein merkwürdiges Gerät aufbaut, erzählt er, wie sein Chef, Dominique Persoone auf Schoko-Schnupftabak kam: „Die Rolling Stones kamen vor vier Jahren zum Konzert und wir wollten ihnen etwas Besonderes aus Schokolade bieten. Da Schokolade auch für seine stimmungserhellende Wirkung bekannt ist, kam Dominique Persoone auf die Idee, Schokoladenpulver als Schnupftabak herzustellen. Schokolade zum Koksen eben.“ Der Knüller dabei aber ist das Gerät, das der erfinderische Kulinariker gleich mitersonnen hat: Plexiglashebel schießen das Pulver direkt in die Nase. Brügge, Schokolade zum Schnupfen, The Chocolate Line„Damit es auf schnellstem Wege ins Hirn gelangen kann und dort wirkt“, meint Cumptich lächelnd. Also los. Ich platziere meine Nasenlöcher auf die beiden Schießer mit dem Hauch Pulver drunter – und irgendwie muss ich an Rockstars und Kokain denken, als ich noch zögere. Als könne Cumptich meine Gedanken lesen, meint er: „Keine Sorge, das ist völlig legal. Einatmen.“ Und Schuss. Noch nie habe ich meine Nasengänge derart gefühlt wie gerade. Mein ganzes Gehirn ist elektrisiert und ich nehme alles doppelt wach wahr als je zuvor. Nach dem ersten Schock ist es toll, bei jedem Atemzug setzt sich Kakaoaroma frei.
Brügge, Schokolade zum Schnupfen, The Chocolate LineWährend ich noch genieße und irgendwie tatsächlich auf der Schokowolke schwebe, ist Daniel dran mit Schoko-Koksen. Er schüttelt sich, verzieht das Gesicht und reibt sich die Nase wie ein Hund, der ekliges sofort wieder raushaben will. „Nicht mein Fall“, sagt er nur, während ich noch immer den sanften Kakaogeschmack genieße.
Nach dem Brügge-Besuch ist sowieso klar: Ich esse nur noch Bio-Schokolade. Schmeckt sowieso besser mit dem Rohrohrzucker. Und frei von Fischöl wird sie wohl auch sein – hoffentlich!
Bei The Chocolate Line gibt es übrigens auch Schoko-Lippenstifte und Bodypaint-Schokolade: www.thechocolateline.be

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